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Glossary in process for which dances – a choreographic assemblage
A project by Sabina Holzer, in the company of Jack Hauser, Elisabeth Schäfer, Brigitte Wilfing, Thomas Wagensommerer. Mit Beiträgen von: Niamo Lattner, Irene Lucas, Thomas Ballhausen, Jeroen Peeters, David Ender, Alix Eynaudi, Herbert Justnik, Tanja Traxler. In Koperation mit dem Volkskundemuseum Wien. Finanziert von Wien Kultur / MA7.

A
Agency
Agency eine Ansammlung von verwandten Konzepten ist: Effektivität, Trajektorie und Kausalität. (Jane Bennet, Vibrant Matter. Matthes & Seitz, Berlin 2020)

Anthropogen
Das Adjektiv anthropogen (von altgriechisch ánthropos „Mensch“, mit dem Verbalstamm gen- „entstehen“, umgangssprachlich also „menschengemacht“) bezeichnet einen Fachbegriff für das durch Menschen Beeinflusste, Entstandene, Hergestellte oder Verursachte. So sind z. B. Kunststoffe anthropogen, da sie nur von Menschen hergestellt werden. (Wikipedia)

Aktant
Der Begriff stammt von Bruno Latour: Ein Aktant ist ein Handlungsquell, die sowohl menschlich als auch nicht-menschlich sein kann, als das , was „wirkmächtig“ ist, Dinge tun kann und über ausreichende Kohärenz verfügt um einen Unterschied zu bewirken, Wirkungen zu zeitigen, den Verlauf der Ereignisse zu modifizieren.
Es geht also um „alles, das einem in einem Versuch verändert“, das heisst um etwas, dessen Kompetenz sich aus [seinen] Performanzen [ableitet] und nicht einfach gesetzt wird, noch bevor eine Handlung stattfindet. Ein Aktanten sind eher als Protoaktanten zu bezeichnen, denn diese sind Leistungen oder Energien (Jane Bennet, Vibrant Matter. Matthes & Seitz, Berlin 2020, S.9)

Assemblage

Rekonzeptualisiert die „Teil-Ganzes“-Relation.
„Assemblagen sind Ad-hoc-Gruppierungen von verschiedenen Elementen, von Materialien aller Art. Lebendiges und Nicht-Lebendiges sind verschränkt. Assemblagen sind lebendige, pulsierende Konföderationen, die in der Lage sind, trotz der anhaltenden Energien zu funktionieren, die sie von innen heraus verwirren“.
„Die von einer Assemblage erzeugten Effekte sind … emergente Eigenschaften, emergent insofern, als ihre Fähigkeit, etwas zu bewirken, … sich von der Lebenskraft jeder für sich betrachteten Materialität unterscheidet … eine Assemblage ist niemals ein starrer Block, sondern ein Kollektiv mit offenem Ende, eine „nicht-totalisierbare“ Summe“.
Ein elektorales Stromnetz ist das Musterbeispiel einer Assemblage. Es enthält sehr aktive und mächtige nicht-menschliche Teile. (Jane Bennett,Vibrant Matter. Matthes & Seitz, Berlin 2020, S.23 24)

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Nach Bennett „verdankt eine Assemblage ihre Handlungsfähigkeit der Vitalität der Materialitäten, die sie konstituieren“ (34). Sie bezieht sich dabei auf die chinesische Tradition, shi. Es bezeichnet die „dynamische Kraft, die von einer raum-zeitlichen Konfiguration ausgeht und nicht von einem bestimmten Element innerhalb dieser Konfiguration aus… das shi einer Assemblage ist vibrierend; es ist die Stimmung oder der Stil eines offenen Ganzen, in dem sich sowohl die Mitglieder im Laufe der Zeit verändern als auch die Mitglieder selbst einer inneren Veränderung unterliegen“. (Jane Bennet, Vibrant Matter. Matthes & Seitz, Berlin 2020, S.35)

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The word in English fails to capture the meaning of the original agencement, a term that refers to the action of matching or fitting together a set of components (agencer), as well as to the result of such an action: an ensemble of parts that mesh together well.

Affekttheorie
Affekttheorien entwickelten sich in den 2000er-Jahren aus dem Missmut gegenüber einem zu starken Fokus auf Fragen des Diskurses, des Textuellen und der Repräsentation in der vorherrschenden kritischen Theoriebildung (welche noch stark vom linguistic turn geprägt war). Fragen der Körperlichkeit und der Gefühle wurden laut Affekttheoretiker_innen in der Theoriebildung vernachlässigt. Körper seien, wenn dann, vor allem als rein passive Einschreibeflächen von normativen Diskursen theoretisiert worden und Gefühle als leicht manipulierbar, völlig irrational und daher nicht wirklich der theoretischen und politischen Auseinandersetzung würdig erachtet worden. Diese Verengung kritischer Theoriebildung wollten und wollen Affekttheorien erweitern. Eine zentrale Stellung nimmt dabei der Begriff des Affekts ein. Duden Online (2013) definiert die Bedeutung des Wortes Affekt folgendermaßen: »a. heftige Erregung, Gemütsbewegung; Zustand außergewöhnlicher psychischer Angespanntheit; Herkunft: lateinisch affectus, zu: afficere (2. Partizip: affectum) = in eine Stimmung versetzen; b. Leidenschaften«.
Im Bereich der Affekttheorien lassen sich verschiedene Strömungen ausmachen, wobei diese einander keinesfalls ausschließen, sondern sich aufgrund der konzeptuellen Perspektiven, welche in Bezug auf Affekte eingenommen werden, unterscheiden. Im Folgenden sollen zwei Strömungen exemplarisch vorgestellt werden. Zunächst seien die philosophisch-ontologischen Ansätze genannt, welche Affekte als etwas begreifen, was alles Sein und Werden immer schon durchdringt und bedingt. Die meisten dieser Ansätze leiten ihre Definition des Affekts aus der Philosophie Baruch de Spinozas bzw. aus dessen Rezeption durch Gilles Deleuze ab. Vertreter_innen dieser Strömung sind z.B. Erin Manning und Brian Massumi. Innerhalb dieser affekttheoretischen Strömung bezeichnet und bewirkt der Affekt die Veränderung eines Zustands, den Übergang oder die Schwelle von einer bestimmten verkörperlichten Verfassung in die nächste, wie gering auch immer diese Zustandsveränderung ausfallen mag. Die Zustände von Körpern sind bedingt durch ihr (Handlungs-)Vermögen und dieses verändert sich ständig, wie auch der Artikel von Esther Mader in KRASS#3 verdeutlicht. Körper affizieren (»bewegen, reizen; auf jemanden Eindruck machen, sich übertragen«; Duden online 2013) ständig andere Körper und werden von diesen affiziert. ›Körper‹ aus der Perspektive spinozistisch-deleuzianischer Affekttheorien meint hier nicht nur menschliche Körper und auch keine festen und klar abgeschlossenen und abgrenzbaren Einheiten, die z.B. einer fixen Person gehören, sondern eben veränderliche Arrangements, die durch die ständigen gegenseitigen Affizierungen miteinander agieren. Für Brian Massumi sind Affekte daher unpersönlich und auch a-subjektiv (also nicht an ein bestimmtes Subjekt geknüpft). Affekte vollziehen sich, laut Massumi, zwischen und durch individuelle und kollektive Körper hindurch, bevor diese die Affekte bewusst wahrnehmen, begreifen oder gar benennen können (vgl. Massumi 2015: 103ff.). Ein Affekt lässt sich als Gefühl begreifen, welches sich bemerkbar macht, bevor es bewusst wird und sich somit auch willentlicher Kontrolle entzieht. Und bewusst wird es häufig erst durch seine Auswirkungen. Affekte sind daher, in Begriffen der Zeitlichkeit ausgedrückt, geprägt durch ›noch-nicht‹ oder ›noch zu früh‹ oder ›schon zu spät‹. Sie manifestieren sich als Rückstände oder Reservepotenzial. Manuela Zechner (2013) beschreibt Affekte folgendermaßen: »Affekt ist, wenn uns etwas erfasst, trifft, bewegt oder beeinträchtigt, das unserer bewussten Wahrnehmung und Sprache entgeht. Ausdrücke wie ›mich packt’s/erwischt’s/haut’s um‹ erzählen von Affekt als einer schwer definierbaren Intensität, die uns angeht und aufrüttelt. Affekt benennt so die Fähigkeit, sich mit der Welt in Beziehung zu setzen und von ihr verändert zu werden«.
Den personalisierten und subjektiven Gehalt von Affekten bezeichnet Massumi als Emotion, d.h. wenn die Auswirkungen von Affekten erzählbar, abbildbar, bewusst mitteilbar und benennbar werden, werden sie zur Emotion (vgl. Massumi 2005: 37f.). Emotionen sind wiederum stark kulturell geprägt und auch durch Herrschaftsverhältnisse bestimmt, das heißt Emotionen werden z.B. unterschiedlich bewertet und bestimmte Emotionen mit bestimmten hierarchisierten sozialen Differenzkategorien in Verbindung gebracht.
In diesem Zusammenhang lässt sich auch eine weitere affekttheoretische Strömung nennen, der es vor allem um die Auseinandersetzung mit der Benennung, Kategorisierung und mitunter auch Hierarchisierung von Gefühlen als affektive Zustände geht. Diese Strömung entstand nicht so sehr aus der Befassung mit dem spinozistisch-deleuzianischen Affektbegriff, sondern aus der kritischen Auseinandersetzung mit psychologischen bzw. psychoanalytischen Affektbegriffen. In dieser Strömung, die alles andere als einheitlich ist, finden sich auch viele Theoretiker_innen aus dem Bereich queer-feministischer und queer of color Theoriebildung, wie Eve Kosofsky Sedgwick, Ann Cvetkovich, José Esteban Muñoz, Sara Ahmed oder Lauren Berlant. Diese Strömung untersucht kritisch bestehende Kategorien für affektive Zustände und stellt diese in Frage, da es bspw. für negative Affektzustände, Zustände affektiver Verwundung, die aus Diskriminierungserfahrungen resultieren innerhalb der vorherrschenden Affektkategorien häufig (noch) gar keine Begrifflichkeiten gibt oder die bestehenden Begrifflichkeiten sehr abwertend bzw. pathologisierend sind. Das heißt, wenn Menschen wiederholt Diskriminierung und Unterdrückung erfahren, z.B. weil sie einer marginalisierten Gruppe zugeordnet werden und deswegen starke Gefühle wie Wut, Trauer oder Ähnliches entwickeln, werden diese Gefühle für krankhaft und individuell-psychologisch behandelbar erklärt und nicht mit bestehenden überpersönlichen Herrschaftsverhältnissen in Verbindung gebracht. Manche queere Affekttheoretiker_innen plädieren daher auch dafür, neue oder zumindest weniger belastete Begriffe für affektive Zustände von marginalisierten Gruppen zu entwickeln, also bspw. erstmal von »schlechten Gefühlen« zu sprechen, die aus Diskriminierung resultieren und nicht gleich auf spezifischere, etablierte Begriffe zurückzugreifen, die mitunter auch mit der Geschichte der Strukturen verbunden sind, die diese Diskriminierungen überhaupt erst kreierten.
Eine Grundproblematik, die die meisten Affekttheorien implizit adressieren und infrage stellen, ist auch die vorherrschende Tendenz europäisch-nordamerikanischer ›Geistesgeschichte‹, Begriffspaare zu konstruieren, z.B. Körper und Geist oder Gefühl und Verstand, und dabei einen Teil des Begriffspaares als höherwertiger als den anderen Teil zu konstruieren. Genau diese Begriffspaare (Körper/Geist, Gefühl/Verstand) sind auch die Bereiche, die für Affekttheorien relevant sind, besonders die Komponenten der Begriffspaare, die traditionell abgewertet und mit marginalisierten Gruppen assoziiert werden, also Körper und Gefühl. Affekttheorien beschäftigen sich also mit diesen vielfach selbst von herrschaftskritischen Theorien geschmähten und für weniger bedeutend erachteten Bereichen und auch mit deren kritischem und widerständigem Potenzial. Denn wenn Affekte sich als ›schon zu spät‹ oder ›noch zu früh‹ ausdrücken, dann bergen sie womöglich gerade deswegen ein unberechenbares Potenzial in sich, z.B. der Gleichzeitigkeit widersprüchlicher Tendenzen Raum zu geben und ein unvorhersehbares Potenzial nicht nur kreative Intensitäten, sondern auch widerständige, politische Intensitäten zu mobilisieren. (Affekttheorie, krass-mag.net)

E
Erde
Da sich die Erde nicht ausdehnt, tut es die Macht und könnte aus der Kontrolle geraten. In dem sie sich selbst verzehrt wird sie diesen turbulenten Planeten verzehren. Vulkane in begriffen. Lässt man im Raum eine Hohlform zurück, ohne Körper? Ohne Geist? Ist der Geist allgegenwärtiger als das Fleisch? Wenn ja , sind beide dann nicht vom selben Stoff, sondern einander fremd und doch voneinander abhängig. Kann man der Wirklichkeit trauen? Es gibt Schluchten in die wir entweder fallen, um zu sterben, oder mit dem Leben beginnen. (Etel Adnan, Jahreszeiten. Edition Nautilaus, Hamburg 2012, S.8)

Ereignis
In der Tat ist „das, was das Ereignis geschehen lässt, genau das kontingente Zusammentreffen einer Reihe von Elementen“.

H
Hexe
Dass die „Stimme der Freiheit“ Angst mache, sei normal, sagt Duras, da sie die Normalität, d.h. den geordneten Gang der Dinge, unterbricht. Duras denkt an die Stimme der Frauen, die zu Hexen (v)erklärt wurden, da sie Bündnisse mit den Tieren und Pflanzen im Wald eingegangen sind, um mit Blumen, Mardern, Moosen zu sprechen.
Manche hielten das für verrückt. Duras bezieht sich auf Jules Michelets „La Sorcière“: Buch über das Hexenwesen, das 1862 in Frankreich erschienen ist. Duras folgt Michelets Argumentation, dass das Hexenleben eines des Widerstands gegenüber der instituierten (feudalen, religiösen, politischen) Ordnung ist. In ihm keimt der Wille und die Kraft zu politischer Freiheit auf, die immer eine der Resistenz gegenüber dem Etablierten darstellt.
Diese Freiheit macht Angst. Sir trägt das Potenzial der Zerstörung in sich, zum Beispiel der gefestigten patriarchalen Strukturen. Weshalb man ihr Irrationalismus unterstellt, Mangel an gewissenhafter Prüfung ihrer selbst, dämonische Energien. Der Dämon der Freiheit wird immer der einer das Subjekt ebenso durchdringenden wie überschreitenden Stimme sein. Manchmal nimmt sie den Charakter der Vision, indem sie Bilder im Subjekt aufsteigen lässt, die es überfordern, da es sie nicht einordnen kann.
Einzig die Richtigkeit der Bilder ist gewiss. Sie ist von bestürzender Evidenz. Die Stimme der Freiheit wird ausnahmslos von Subjekten gesprochen, die ihren Subjektstatus dreinzugeben beginnen, um sich auf der Ebene der existierenden Objekte als eines von ihnen zu identifizieren. Im Namen also eines ontologischen Zusammenhangs, der mal Natur mal Gesellschaft heißt, oder spiritistische Gemeinschaft derer, die den Raum profaner Tatsachen mit kollektiven Fantasien durchqueren, mit mal politischen, mal religiösen, mal esoterischen Ideen.
Indem Duras die Stimme der Freiheit evoziert, zielt sie auf eine weibliche Stimme am Rand der Logossphäre, an dem auch die Schreie Artauds explodieren. Oder die gellenden Laute, die die kleine Antigone bei Sophokles ausstößt. An der Grenze der Verständlichkeit, doch mit schlagender Evidenz.
Wo die Freiheit sich eine Sprache sucht, erfindet sie sie am Limes des Sinnuniversums, um das System der Bedeutungen, das wir eine Kultur nennen, seiner Inkonsistenz zu überführen. Die Stimme der Freiheit ist Stimme eines Hexensubjekts, von dem Deleuze sagt, dass es einer „Hexenlinie“ folge, die das Normalsubjekt zur Pathologie erklärt. (Marcus Steinweg)

Hyperobjekt

„Es ist wunderbar, wenn man Phänomene, die man sinnlich kaum oder garnicht zu fassen bekommt, weil sie aus einer unendlichen Zahl von Vielen bestehen, dennoch mit einem einzigen Wort benennen kann. „Hyperobjekt“ ist eine Bezeichnung für etwas, das in Raum und Zeit extrem verteil ist, im Vergleich zu dem Wesen, das dieses Etwas wahrnimmt, misst, über es nachdenkt, es erfährt oder anderweitig mit ihm in Berührung kommt. Menschen sind Teil einer ganzen Reihe von miteinander verschränkten Hyperobjekten wie die Biosphere, dem KLima, dem Kapitalismus und dem Coronavirus als Ensemble von materiellen und symbolischen Interaktionen. Dadurch wird uns z.B.: klar, dass es keine technokratische Lösung, wie etwas Geo-Engineering gibt, denn da wir selbst Teil des Hyperobjekts Biosphere sind, würde das unvorhersehbare Folgen für uns haben. (Timothy Morten, Ein Gefühl ist ein Gedanke aus der Zukunft. Philosophie – Klimakrise, Philozmagazin GmbH, Berlin: 2020/21, S.88 – 89)

K
Körper
Körper werden von Körpern geboren. Es ist gefährlicher seinen Sinnen zu misstrauen, als Gott auf’s Abstellgleis zu schieben. Auf dem Fensterbrett wächst Moos, sogar bei warmen Wetter. Das Ausradieren einer Facette des Verstandes und das Auftauchen der nächsten könnte Lust am Töten freisetzten. Liebe ist Flut. Blitz! Zeus, verliebt, im Taumel durch den Weltenrausch. (Etel Adnan, Jahreszeiten. Edition Nautilus, Hamburg 2012, S.9)

L
Landschaft
Fast die gleiche Frage stellte Jakob von Uexküll 1934, als er die Welt aus der Sicht einer Zecke beschrieb. Ausgehend von eine Wahrnehmungsapparat einer Zecke, etwas ihrer Fähigkeit, die Wärme eines Säugetiers und damit einer möglichen Blutmahlzeit aufzuspüren, legte Üexeküll das, dass eine Zecke Weltwissen hat und eine Welt erzeugt.
(Anna Lowenhaupt Tsing, Der Pilz am Ende der Welt: Über das Leben in den Ruinen des Kapitalismus. Matthes & Seitz, Berlin 2018,
S.208)

Lowtech
Alle Mikromächte, die wir dank Apps und anderer Software vermeintlich erlangt haben, nehmen uns Handlungsmacht weg; das ist sehr gravierend. Die sozialen Netzwerkeschaffen Bindungen, aber sie zerstören auch sehr viele, und sie beschleunigen eine flächendeckende Überwachungsgesellschaft. Zumal die Rohstoffausbeutung, die zur Herstellung all dieser Geräte nötig ist, mit der Zerstörung von Ökosystemen und von Beziehungen zwischen Völkern, sowie zwischen Menschen und Nicht-Menschen einhergeht. Das allgeegenwärtig Virtuelle schürt unseren Hunger nach Beziehungen und nach Sinn.Ein möglicher Weg könnte Lowtech sein, einfache, lebensgerechte Technologien. (Pablo Servigne, Wir müssen den Zusammenbruch begleiten. Philosophie – Klimakrise, Philozmagazin GmbH, Berlin 2020/21, S.83 – 85)

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Wie die Abendteuer von Landschaft erzählen? Erstens, anstatt anstatt unsere Analysen auf jeweils auf ein Geschöpf (den Menschen eingeschlossen) oder gar nur eine Beziehung zu beschränken sollten wir, wenn wir wissen möchten, was einen Ort lebenswert macht, die polyphonen Gefüge, das Zusammentreffen verschiedener Lebensweisen studieren. Gefüge sind Darbietungen von Lebensoptionen. (Anna Lowenhaupt Tsing, Der Pilz am Ende der Welt: Über das Leben in den Ruinen des Kapitalismus. Matthes & Seitz, Berlin 2018, S.211)

M
Metall
Metalle sind Elemente. Sie entstehen nicht einfach so sondern sind bei der Entstehung der Erde bzw. des Sonnensystems schon da gewesen. Ursprünglich sind sie durch Kernfusion in Sternen entstanden — oder durch radioaktiven Zerfall.

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Ein Kristall ist ein Festkörper, dessen Bausteine – z. B. Atome, Ionen oder Moleküle – regelmäßig in einer Kristallstruktur angeordnet sind. Bekannte kristalline Materialien sind Kochsalz, Zucker, Minerale und Schnee – aber auch die Metalle.

O

Object

Huyghe speaks of ‚habitats’ and of objects as ‚ecosystems‘, thus explicating the relational style of thinking by which his works is informed. ‚In any kind of museum‘ he says, ‚wether art anthropological, or natural history, objects have been separated from context, from history, from narratives, objectified, categorized.‘ Huyghe, in contrast, conceives of objects as things-in-relation, or better, as being relation: determined by their relationship to their inner worlds and exterior environments. The core visual trope that translates his relational thinking into the realms of the aesthetic is that of the object becoming ‚porous’ and ‚leaking‘ into its environment. He doesn’t mean that metaphorically, but rather in a sense of creating dissonances between the physical and the symbolic, so that the symbolic ‚leaks out‘ of its physical shape. ‚I am interested in the vitality of the image’, he says, ‚in the way an idea, an artifact, leaks into a biological or mineral reality.‘An imaginary, mental image obtains a material support and, in a sense, steps into the world. (Rebecca Lewin and Natalie Grabowsky with Anne Stenne, Pierre Huyghe. Koenig Books and the Serpentine Galleries, London 2019, S.13)

P
Plastik
Das Wort Plastik für ein Kunstwerk aus geformtem Material wurde im 18. Jahrhundert aus der französischen Sprache ins Deutsche entlehnt. Das französische Substantiv plastique ist eine Substantivierung des Adjektivs plastique „formbar“. Das Adjektiv geht seinerseits auf lateinisch [ars] plastica „formende/geformte [Kunst]“ zurück und dies wiederum auf gleichbedeutend πλαστική [τέχνη] plastikē [téchnē] im Griechischen.
Verwandte Wörter im Griechischen sind πλάστης plástēs („Bildhauer“, eigentlich „Former“) und das Verb πλάσσειν plássein („formen“). Etymologisch verwandte Wörter im Deutschen sind Plasma und Pflaster. (Wikipedia)


Prozess
Ein Prozess (von lateinisch procedere, „vorwärts gehen“) kann als ein Verlauf, eine Entwicklung[1] oder ganz allgemein als ein System von Bewegungen bezeichnet werden. Vergleichbare Begriffe sind auch „Hergang“, „Fortgang“, „Ablauf“ und „Vorgang“ (Wikipedia)

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) übernimmt zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Prozessbegriff aus dem naturphilosophischen Diskurs der Zeit und dehnt dessen Bedeutungsrahmen weiter aus. So differenziert er zwischen einem „theoretischen Prozeß“, gemeint ist ein Prozess der sinnlichen Empfindung, und dem „praktischen Prozeß“. Hegel globalisiert und entspezifiziert den Begriff, indem er ihn mit „Bewegung“ identifiziert. Schließlich bezieht er den Prozessbegriff auf sich selbst, spricht von der „Bewegung des Prozesses“ einerseits und dem „prozeßlosen Prozeß“ andererseits.[6] (Wikipedia)

S
Schreiben
Schreiben: der Abdruck des Körpers auf nassen Sand. Der Frühling ist ein Element des Denkens: perfektes Werkzeug. Poesie ist eine Frage von Geschwindigkeit und Zeit. Bei Schlaflosen führt sich das Bewusstsein, wenn alles andere ausgegrenzt ist, selbst an der Nase herum. In solchen Nächten offenbart sich die Sprache als unser essentielles Selbst. In Träumen fliegen wir so schnell, wie wir denken, und wir sind fast glücklich. (Etel Adnan, Jahreszeiten. Edition Nautilaus, Hamburg 2012, S.13)

Störung
Störung im Sinne der Ökologie ist jedoch nicht immer schlecht. Nicht nur vom Menschen bedingte Störungen sind mächtig genug, um ökologische Beziehungen durcheinander zu bringen. Zudem findet die Störung als Anfang, immer inmitten der Dinge statt: Der Ausdruck verweist nicht auf einen der Störung vorausgehenden harmonischen Zustand. Störungen folgen auf andere Störungen. Daher sind alle Landschaften gestört; Störung ist der Normalfall. Wird Störung als Problem ins Spiel gebracht, bringt das die Diskussion nicht zum Erliegen, sondern öffnet sie und versetzt sie in die Lage, landschaftliche Dynamiken zu erforschen. In der Ökologie wurde Störung zum Schlüsselbegriff, als man in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften damit begann, über Instabilität und Wandel nachzudenken. (Anna Lowenhaupt Tsing, Der Pilz am Ende der Welt: Über das Leben in den Ruinen des Kapitalismus. Matthes & Seitz, Berlin 2018, S. 215)

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Als analytisches Instrument setzt der Begriff „Störung“ ein Bewusstsein für den Standpunkt des Beobachters voraus – wie es auch für die tauglichsten Instrumente der Gesellschaftstheorie zutrifft. Was als Störung betrachtet wird, ist stets eine Sache der Perspektive. Aus Sicht er Menschen, die einen Ameisenhügel verwüstet, eine ganz andere Dimension, als wenn eine Stadt ausgelöscht wird. Aus der Perspektive der Ameise sieht das ganz anders aus. (Anna Lowenhaupt Tsing, Der Pilz am Ende der Welt: Über das Leben in den Ruinen des Kapitalismus. Matthes & Seitz, Berlin 2018, S. 216)

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Störung führt zur Heterogenität, einem Schlüsselmoment bei der Beobachtung von Landschaften. Störungen erzeugen Patches, die von unterschiedlichen Umständen geprägt sind. Solche Umstände können durch Störungen initiiert werden, die auf nicht lebende Dinge (wie etwas Überschwemmungen und Brände) oder auf Lebewesen zurückgehen. Organismen, die über Generationen hinweg Lebensräume schaffen, gestalten die Umwelt um. Ökologen nennen Organismen, die Einfluss auf die Umwelt nehmen „Ökosystem-Ingineure“. Ein Baum hält zwischen seinen Wurzeln Steinbrocken fest, die sonst vom Fluß weggeschwemmt werden würden. (Anna Lowenhaupt Tsing, Der Pilz am Ende der Welt: Über das Leben in den Ruinen des Kapitalismus. Matthes & Seitz, Berlin 2018, S. 216)

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Disruptive Routine
Even thought it might seem like an nice ideal, it’s not a pretty picture to see someone create without interruptions. Because you have to deny other humans around you. I like the idea of letting the interruptions in through the door because that allows the world to be present in your process. It allows other humans beings to be present. Allowing your work to be interrupted by a child, to answer a question, to heed an inner voice, will direct our paths to the solution we are working for. They are life and death choices. Paying heed to interruptions begin to set us on the track of those creators who integrate their art into their daily life. There is no separation. Interruptions are essential. they reminds us that there is more to life than our art. (Goat Island)

S
Symbiozän
Überall in der Natur entdecken wir Beziehungen, die für alle Seiten von Vorteil sind. Überall gibt es Symbiosen, gegenseitige Unterstützung, Solidarität, Altruismus. Auf dieser Grundlage müssen wir versuchen eine radikal neue Erzählung zu konstruieren. In seinem Buch „Earth Emotions“ schlägt der der australische Philosoph Glenn Albrecht dafür den Begriff „Symbiozän“ vor. Damit meint er, eine Gesellschaft zu bilden, die die wechselseitigen Bindungen zwischen allen Lebewesen, menschlichen und nicht-menschlichen, erkennt und kultiviert. Es ist eine Politik, die andere Spezies miteinschließt, damit hätten wir einen radikal neuen Horizont. (Pablo Servigne, Wir müssen den Zusammenbruch begleiten. Philosophie – Klimakrise, Philozmagazin GmbH, Berlin 2020/21, S.83 – 85)

T
Trajektorie (Ablauf)
Trajektorie ist „eine Gerichtetheit oder Bewegung weg von irgendwo, auch wenn das, worauf sie sich zubewegt, unklar oder sogar abwesend ist“ (32). Hier weicht Derrida von der Moralphilosophie ab und figuriert die Trajektorie als eine „Messianizität“ (eine „offene, verheißungsvolle Qualität der Ruhe, des Bildes oder der Entität“). Dieses Versprechen hält eine Möglichkeitsbedingung für die Phänomenalität offen und bietet somit eine Möglichkeit für „den vitalen Materialisten, die Existenz einer bestimmten Trajektorie oder eines Antriebs zu Assemblagen zu bejahen, ohne Intentionalität oder Zweckmäßigkeit zu insinuieren“ (Jane Bennet on Assemblage)


U
Umwelt
We know from neurobiology and epigenetic the the symbolic, the act of giving meaning, of interpretation is not external to biology, but forms an internal part of material life and its processes. Huyghe’s objects are porous because there is no such thing as a distinct, autonomous object, just as there is no clear-cut separation between matter and meaning, between objects and their environment. Our bodies contain only ten per cent human cells and the the remaining ninety per cent are bacteria of all kinds of which we depend to survive. We are connected to everything and everything is connected to us. This is the cosmology to which Huyghe is attacthed, with his objects that are interdependent, constantly and endlessly forming and being formed, triggering and receiving, affecting and being affected, acting and reacting. Each on is self-organized, and at the same time needs the other’, as he puts it, taking his cues from, among other the social anthropologist Tim Ingolf and Jakob von Uexküll, who in the twentieth century coin the notion of Umwelt and is seen as the father of biosemiotics. Every cell and every living being according to Uexküll is an agent, creating its individual environment. Umwelt is thus never objectively given but always exists as a plurality of subjectivity meaningful Umwelten that are constituted by a series of elements. Giorgio Agamben, influenze by Uexküll, paraphrases there as ‚carriers of Significants‘ or ‚marks‘.
The idea to create a plurality of environments in wich all elements exist and act as subjects, perceiving and reacting to sensory data as signs is essential to Huyghe’s project in Kassel and Münster. Humans form part but not the center of this heterogeneous yet comprehensive cosmology where everything is included and everything is related. (Rebecca Lewin and Natalie Grabowsky with Anne Stenne, Pierre Huyghe. Koenig Books and the Serpentine Galleries, London 2019, S.13)

W
Was können wir tun?
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Wenn Sie wirklich etwas tun wollen, dann essen Sie weniger Fleisch um ihren CO2 Fußabdruck zu reduzieren, bekämpfen Sie Rassissmus und Patriarchat und vorallem: Erzeugen Sie bei anderen Menschen keine Schuldgefühle. (Timothy Morten, Ein Gefühl ist ein Gedanke aus der Zukunft. Philosophie – Klimakrise, Philozmagazin GmbH, Berlin: 2020/21, S. 88 – 89)

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Das Wesentlich ist, jeden Einzelnen und auch Kollektive auf die kommenden Schocks vorzubereiten. Dazu gehört die Selbstorganisation zu fördern und gegenseitige Unterstützung zu stärken. Es geht nicht darum jedwede Koordination aufzugeben, denn die globalen Strukturen begünstigen die Widerstandskraft gegenüber lokalen Katastrophen. Aber man darf nicht vergessen, was umgekehrt ebenso wahr ist: Die lokalen Strukturen schützen vor vor globalen Katastrophen. Jetzt, da wir in die Ära der lokalen Schocks kommen, muss vor allem die Widerstandskraft auf lokaler Ebene gestärkt werden. (Pablo Servigne, Wir müssen den Zusammenbruch begleiten. Philosophie – Klimakrise, Philozmagazin GmbH, Berlin 2020/21, S.83 – 85)

Welt
Wenn Welt und Verstand sich mit äußersten Intensität ins Auge schauen, heben sie einander auf. Ist sein elektrisches System zusammengebrochen, hat der Körper kein Anrecht mehr auf seinen Namen. Man kann den Garten mit Wein wässern. (Etel Adnan, Jahreszeiten. Edition Nautilaus, Hamburg 2012, S.15)