BLOG

*15.11.2019
IKFKPK, 1. Tagung: Raufen, Nov.2019

…“Choreography here, is considered as a set of rules and laws, but it does not subordinate the body, but challenges it to play. The body is exposed to certain rules and structures – a space, a temporal structure, music, words, furniture, objects, cameras, or other so-called tasks, which somehow has behaved. Be it in complete surrender or conflict, – the reactions and decisions required in this way eventually lead to answers that make up the dance. The materiality of the body, its impulses and energies are not disciplined but they play along.“… (Julia Wehren „Choreography expanded“)
 

 

*13.11.2019

Am Beispiel der Erfahrung von Grenzen und von Kollektivität geht es in Resilient Bodies, Residual Effects darum, einen Beitrag zum Verständnis der Rolle, des Status und der Handlungsfähigkeit von Körpern in sozialen und politischen Prozessen zu leisten und zugleich zu einer systematischen wissenschaftlichen Aufarbeitung jüngerer künstlerischer Entwicklungen aus dem arabischen Raum beizutragen.

 

 

*12.11.2019

 

*07.11.2019

DIE FREIHEIT, NICHT ERWACHSEN ZU SEIN

Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet – Wiederholt insistiert Michel Foucault darauf. Weder bin ich, wo ihr mich sucht, noch bin ich identisch mit dem, den ihr zu finden hofft. Ich bin ein anderer und ich bin anderswo. Ich bin weder identisch mit meinem Namen noch mit meinen Fantasien. Ich habe mehr als eine Identität. Statt von einer Vielzahl von Masken verdeckt zu sein, sind sie es, die mein Gesicht verbirgt! Mein Selbst ist polymorph. Man wird keine Wahrheit in ihm finden, wie es der psychoanalytische Diskurs zu können glaubt. Jedes Kind entzieht sich dessen Lesart, so sehr man ihm Transparenz unterstellt.
„Man sagt“ – bemerkt Foucault 1977 in einem Gespräch mit Bernard-Henri Lévy – „das Leben der Kinder ist ihr sexuelles Leben. Vom Schnuller bis zur Pubertät geht es um nichts als das. Hinter dem Wunsch lesen zu lernen oder dem Spaß an Comics steht einzig und allein die Sexualität. Sind sie sicher, daß dieser Typ von Diskurs tatsächlich befreiend wirkt? Sind sie sicher, daß er nicht die Kinder auf eine Art sexuelle Insel verbannt? Und wenn die nun darauf pfeifen würden? Wenn die Freiheit, nicht erwachsen zu sein, gerade darin bestünde, nicht dem Gesetz, dem Prinzip, dem letzten Endes so langweiligen Gemeinplatz der Sexualität zu unterliegen? Wenn die Dinge, die Leute, die Körper polymorphe Beziehungen haben könnten – wäre das nicht Kindheit? Dieser Polymorphismus, den die Erwachsenen, um sich zu beruhigen, Perversität nennen und mit dem Grau in Grau ihres eigenen Sex überstreichen.“
Foucault lässt keinen Zweifel daran, dass der Sex von der Sexualität überschattet bleibt, wie die Kinder von den Erwachsenen und die Unschuld vom Gesetz. Der Polymorphismus sprengt die μορφή (Form), um den Sex den Diktaten der Sexualität zu entziehen, indem er ihn für Experimente, Allianzen und Unwägbarkeiten öffnet, die kontingent bleiben – statt ihn festen Regeln, kontrollierten Abläufen, fixen Mustern und eingefahrenen Choreografien zu assimilieren. Wir sind nicht unser Sex, weil der Sex – wie die Kinder gegenüber den Erwachsenen – das Vermögen der Nichtidentität darstellt, die Weigerung man selbst zu sein, kompatibel mit einer Wahrheit, von der man behauptet, sie sei unser Wesen oder Gesetz. Das ist sie nicht. Und eben das ist es, was der Sex an Wahrheit mit sich führt, indem er sämtliche Wahrheiten erodieren lässt. Analog zur Sexualität der Kinder, ist die Wahrheit polymorph. Sie ist ein Archipel, keine Insel. Felsenkette, nicht Bergmassiv. Öffnung, statt Schließung. Freiheit jenseits diktatorischer Befreiung, wie der Sex, der etablierten Sexualdispositiven widersteht. (Marcus Steinweg)

 

*30.10.2019

Herstellen und Konstruieren

Performativität ist quer durch die Disziplinen zu einem Schlüssel-­ und Sammelbegriff, einem umbrella turn, des ausgehenden 20. und anfänglichen 21. Jh.s geworden. Das hat gerade in den Kulturwissenschaften seit den 1990er Jahren eine Vielzahl innovativer Forschungen hervorgebracht, macht es aber auch schwer, Trennschärfe zu behalten, was Performativität denn nun eigentlich umschreibt und in den Überschneidungsbereichen zu anderen Begriff­lichkeiten von denen unterscheidet. Teilweise wird der Begriff sehr weit gefasst. Für Christoph Wulf beispielsweise, der Performativität in Bezug auf (Alltags­-)Rituale untersucht, wird durch das Performative die ästhetische Dimension sozialer Arrangements fokussiert: Momente des Herstellens und konkrete Handlungsvollzüge, deren Dynamiken, Materialien, Rahmungen, Austauschprozesse zwischen Akteuren und ZuschauerInnen, sowie Aspekte der Körperlichkeit, Dramaturgie und Inszenierung (Wulf u.a. 2001; Wulf/Zirfas 2004). In anderen Bereichen wie der sozialwissenschaftlichen Methodenforschung wiederum differenziert man noch einmal sehr genau innerhalb des Begriffskomplexes zwischen Performativität und Performanz, wo­bei sich erster Begriff auf die Struktur von Handlungen bezieht, zweiter auf deren konkreten Vollzug, den Herstellungsakt (vgl. z.B. Bohnsack 2007). … mehr

 

*14.10.2019

 


I miss my body,
a project by Esther Strauß. Hofkriche Innsbruck. Oct. 2019

…Hoc est enim meum: Wir entstammen einer Kultur, in der diese rituelle Formel von Millionen von Pristern in Millionen von Geottesdiensten unermüdlich vortgetragen wird. Jeder Angehöriger dieser Kultur wir sie (wieder)erkennen, sei er Christ oder nicht. Unter den Christen geben ihr die einen die Bedeutung einer wahrhaften Wandlung — der Leib
Gottes ist da –, die anderen die eines Symbols —  an dem sie teilhaben, [faire corps] in Gott. Zugleich ist sie die sichtbarste Wiederholung eines hartnäckigen oder sublimierten Heidentums in uns: Brot und Wein, andere Körper, andere Götter, Mysterien einer sinnlichen Gewissheit. …
… Es ist unser Om mani padme…, unser La alaha ill Allah…, unser Schema Israel…,doch zugleich unsere ureigenste Besonderheit: Wir sind besessen davon ein Dies zu zeigen und (uns) davon zu überzeugen, dass dieses Dies hier eben das ist, was man weder sehen noch berühren kann, weder hier noch andernorts — und das dies Jenes nicht auf beliebige Wiese ist, sondern als sein Leib. Der Körper
des Das (Gott, absolut, wie man möchte), und dass Das einen Körper hat oder dass Das ein Körper ist (und folglich läßt sich denken, dass Das der Körper, absolut ist), das ist es was uns heimsucht. Das zur Gegenwart gemachte Dies des Abwesenden schlechthin: Unaufhörlich werden wir es gerufen haben, herbeirufen, beschworen, seiner Vernunft beraubt, erfasst, gewollt, absolut gewollt haben. Wir wollen die Versicherung, die Gewißheit ohne Beimsichung eine SIEH HIER: Sieh hier, sonst nichts, absolut, sie hier, hier, dies, dasselbe.

Doch natürlich errät man die ungeheure Angst: „Sieh hier“ ist also doch nicht sicher, man muss sich seiner versichern. Es ist nicht gewiss, dass die Sache selbst da sein kann. Da, wo wir sind, ist vielleicht nichts als Abglanz, wabernde Schatten. Es ist nötig zu insistieren: „Hoc est enim, ich sage es euch, wahrlich, und ich sage es euch: Wer könnte meiner Gegenwart in Fleisch und Blut sicherer gewisser sein? Somit ist diese Gewissheit zu eurer, mit diesen Leib, den ihr euch einverleibt habt.“ Doch damit ist es mit der Angst nicht zu Ende: Was ist das Dies, wer ist der Leib? Dies, was ich euch zeige, aber alles „Dies“? All das Unbestimmte des „Dies“ und der „Dies“? All das? Sobald sie berührt wird, wird die sinnliche Gewissheit zu Chaos, wendet sich in Sturm, geraten alle Sinne durcheinander.

Der Körper ist die verunsicherte, zerborstene Gewissheit. Nichts, was unserer alten Welt eigentümlicher, nichts, was ihr fremder wäre. … (Jean-Luc Nancy, corpus)

 

*03.10.2019

 

Aus Elena Ferrantes Neapolitanische Saga.
(„Die Geschichte der getrennten Wege“)

 

*25.09.2019

(aus einer Korrespondenz mit dem Redaktionsteam von www.corpusweb.net)

In manchen Momenten strudel ich um ein konstruktives Moment, eine Verortung – will ich schreiben und das Rechtschreibprogramm macht Verrottung daraus. Verrottung finde ich im Mäntelchen von Service Vermittlung, – ja, Zensur, – die der Kunst umgeworfen wird, tatsächlich vielerorts. Das sind vielleicht des Kaisers alte, neue Kleider. Allerdings nicht als Trugbild des nackten Körpers, oder gar des nackten Lebens. Vielmehr erscheint mir das, was hinter, unter dem Mäntelchen ist, als Leere, als postdemokratische, rechtskonservative Strategie.

(Ich sollte meine postdemokratischen Vorstellungen dahingehend kultivieren, dass sie nicht im Faschismus des 20. oder 21. Jahrhunderts enden; sondern in neu-demokratischen, zivilgesellschaftlichen Modellen einer lebenswerten Zukunft und dergleichen. All das was mir eigentlich nicht vorstellbar ist und momentan mit einer vagen Angst belegt ist.)

 

Diese Strategie erzeugt eine Vagheit und ist Teil dieses Dunstes, dieses Nebels, dieser Blase und Filter, welche die Orte um konstruktiv zu werden, umgibt. Sie einspinnt und eigenartig unsichtbar macht, als wären sie verschwunden, unerreichbar, oder auf jeden Fall: zu marginal. Ich scheine sie nicht orten zu können. Ich wünschte, sie würden sich vor mich stellen und quasi zu mir sprechen, mir zeigen, was ich konstruieren könnte. Wo ich mit Schraubenzieher und Hammer (nicht Hammer und Sichel), vielleicht mit Gießkanne und Schaufel oder neuen irgendwelche neuen Instrumenten ans Werk gehen könnte. Hingegen hat mir Google Raum und Zeit weggeschnappt und ich taste mit meinen Fingerspitzen, wie eine Blinde auf glatten Oberflächen herum und übe mich im Wisch-und-Weg und wehre mich plump gegen alles was smart daherkommt.

Den Parteien traue ich schon lange nicht mehr; habe ihnen wahrscheinlich nie getraut. Mich erschüttert, wenn nicht mehr mal die progressiven Medien Wege durch dieses klebrige, giftige Dunst-Nebel-Propaganda-Dings beleuchten wollen, sonder nur mehr widerspiegeln, was repräsentiert werden will. (Was ist mit dem Standard los?)

Natürlich fühle ich mich bedroht; existentiell und ideell. Von diesem Rand aus, an dem ich mich befinde (immer wieder dankbar dann doch irgendwie genug Geld zum Leben zu haben) frage ich mich: wie mache ich es nur? Wie die anderen? Was ist der Preis? Denn wir ja schon längst zahlen und der immer monströser und zersetzender wird.

 

Die Zersetzung der Gemeinschaft, der Solidarität, der Parteien, der Demokratie, der Institutionen geht gerade rasend schnell, so scheint mir. Oder vielmehr die jahrelange Zersetzung wird sichtbar, wirksam. Endlich könnte man/frau sagen. May you live in interesting times.
Kunst als kulturelle Praxis in einer Unkultur, einer Kultur in Auflösung, einer Multitude? Als subjektive Vernetzung?
Ja, ich bin dafür die Kunst den Künstlerinnen in die Hände zu geben und damit gleich auch den Rezipientinnen. Darüber mehr dann wieder mehr in Erfahrung bringen. Ich weiß schon jetzt, dass es mir nicht leicht fallen wird neugierig zu bleiben, mich nicht von der Macht der Institutionen erschlagen zu lassen, nicht völlig abgenervt zu sein und trotz Desinteresse leidenschaftlich weiter zu fragen. Der Sache willen. Dass ich alles zusammenkratzen werden muss. Dass ich werden will. Künstlerin bin. Also los, wirf Dich kratzbürstig in den einsamen Abgrund und finde heraus, denke gut nach! gehe nach, was Kunst für eine Gesellschaft sein kann. 

Immerhin, die Formulierung: die gesellschaft ist mehr, als die parteien eines staates wurde schon großzügig geschenkt. Sie ist gut und tut gut. Und viele Worte und Taten mehr. Da fühl ich mich gleich besser und dankbar und in guter Gesellschaft. Und sie wird wieder vorstellbar, diese Kunst des Handelns, die immer wieder aktualisiert werden möchte. (S.H.)

 

*24.09.2019


cat’s pleasures!
(But what kind of company is Petra Diamond? Who the hell is Petra?)

Südafrika: Extrem seltener blauer Diamant entdeckt
Georg Todorovski

Der Stein aus der Cullinan-Mine nahe Pretoria hat ein Gewicht von 20,08 Karat. Was er wert ist, wurde bisher verschwiegen.


Steine wie dieser blaue Diamant vom Typ IIb sind äußerst selten.

Umso größer war daher die Begeisterung über einen aktuellen Fund in der östlich der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria gelegenen Cullinan-Mine: Wie das Bergbauunternehmen Petra Diamond am Dienstag auf seiner Internetseite mitteilte, sei ein entsprechender Edelstein mit einem Gewicht von 20,08 Karat vom Typ IIb entdeckt worden.

Über den Wert des außerordentlichen Steines wurden zunächst keine Angaben gemacht. Der berühmte „Oppenheimer Blue“, ein blauer Diamanten mit 14,62 Karat und dem Prädikat „Fancy Vivid Blue“ und vom Geological Institute of America als bislang größter blauer Diamant klassifiziert, war bei Christie’s Genf am 19. Mai 2016 für 57 Millionen Dollar (rund 51 Millionen Euro) versteigert worden.

Bor macht Diamanten blau

Für die blaue Tönung von Diamanten ist das Element Bor verantwortlich. Der bislang größte und auch berühmteste blaue Diamant ist der Hope-Diamant, der ungeschliffen 112,5 Karat wog und in geschliffenem Zustand heute 45,52 Karat wiegt. Im Vorjahr war ein erstklassiger Edelstein mit 910 Karat aus Lesotho für 40 Millionen US-Dollar verkauft worden. In Cullinan war 1905 der bisher größte Diamant gefunden worden. Der 3.106 Karat schwere Stein wurde zerteilt und gehört seither zu den britischen Kronjuwelen. (red, APA, 24.9.2019)

 

*23.09.2010


Kuss der Medusa
(mitgebracht aus der Buch an der Promenada del Paradiso in Genua)

 

 

*22.09.2019

This Compost

Walt Whitman (1819-1892)

1
Something startles me where I thought I was safest,
I withdraw from the still woods I loved,
I will not go now on the pastures to walk,
I will not strip the clothes from my body to meet my lover the sea,
I will not touch my flesh to the earth as to other flesh to renew me.

O how can it be that the ground itself does not sicken?
How can you be alive you growths of spring?
How can you furnish health you blood of herbs, roots, orchards, grain?
Are they not continually putting distemper’d corpses within you?
Is not every continent work’d over and over with sour dead?

Where have you disposed of their carcasses?
Those drunkards and gluttons of so many generations?
Where have you drawn off all the foul liquid and meat?
I do not see any of it upon you to-day, or perhaps I am deceiv’d,
I will run a furrow with my plough, I will press my spade through the sod and turn it up underneath,
I am sure I shall expose some of the foul meat.

2
Behold this compost! behold it well!
Perhaps every mite has once form’d part of a sick person—yet behold!
The grass of spring covers the prairies,
The bean bursts noiselessly through the mould in the garden,
The delicate spear of the onion pierces upward,
The apple-buds cluster together on the apple-branches,
The resurrection of the wheat appears with pale visage out of its graves,
The tinge awakes over the willow-tree and the mulberry-tree,
The he-birds carol mornings and evenings while the she-birds sit on their nests,
The young of poultry break through the hatch’d eggs,
The new-born of animals appear, the calf is dropt from the cow, the colt from the mare,
Out of its little hill faithfully rise the potato’s dark green leaves,
Out of its hill rises the yellow maize-stalk, the lilacs bloom in the dooryards,
The summer growth is innocent and disdainful above all those strata of sour dead.

What chemistry!
That the winds are really not infectious,
That this is no cheat, this transparent green-wash of the sea which is so amorous after me,
That it is safe to allow it to lick my naked body all over with its tongues,
That it will not endanger me with the fevers that have deposited themselves in it,
That all is clean forever and forever,
That the cool drink from the well tastes so good,
That blackberries are so flavorous and juicy,
That the fruits of the apple-orchard and the orange-orchard, that melons, grapes, peaches, plums, will
none of them poison me,
That when I recline on the grass I do not catch any disease,
Though probably every spear of grass rises out of what was once a catching disease.

Now I am terrified at the Earth, it is that calm and patient,
It grows such sweet things out of such corruptions,
It turns harmless and stainless on its axis, with such endless successions of diseas’d corpses,
It distills such exquisite winds out of such infused fetor,
It renews with such unwitting looks its prodigal, annual, sumptuous crops,
It gives such divine materials to men, and accepts such leavings from them at last.

 

*20.09.2019

Am 20.09.2019 ist Der Standard eine Wahlschwerpunktausgabe. 
Das Wahlprogramm der unterschiedlichen Parteien wird zusammengefasst und veröffentlicht. Kunst mit keinem Wort erwähnt. 
Es gibt die Sparten: Staat und FreiheitVerantwortung und GenerationNation und IntegrationLeben und ArbeitenGeld und GerechtigkeitWissen und GesellschaftDiskriminierung und Tradition.  
Wo ist die Kunst? Wo ist sie hinverschwunden? Was ist der Unterschied zwischen Kunst und Vermittlung, Aufklärung, Unterhaltung, Partizipation, Facilitation, Aktivismus? Gibt es den noch? Die Amateur*innen als neue Künstler*innen? Was ist mit Kunstgeschichte, – wer und was ist unsere bzw. deine Legacy?
Wenn das Wort verschwindet, worüber und wie sprechen wir dann? 
 
Vielleicht wird es wieder Zeit „Die Gesellschaft des Spektakels“ von Guy Debord zu lesen.
Andere Gedanken oder Tipps?

 

*03.09.2019

 

 

 

 

 

Videostill from
a rehearsal set

 

 

*02.09.2019


Photo: n-tv

The Kolontár dam failure was an environmental disaster, which occurred on October 4, 2010 at Kolontár in western Hungary. As a result of this accident, 150 people were injured and ten died. 40 square kilometers were affected when about one million cubic meters of red mud flooded the land.

 

Thank you wonderful Lito Walkey, Elisabeth Schäfer, Alix Eynaudi, Jack Hauser and
Brigitte Wilfing! And ImPulsTanz!


…“Dance has been diverted from its original purpose and has become, for economic and political reasons, a product. By placing the function of empathy in the forefront, we become aware that it is an ancestral, inter-species, inter-bodies and inter-spaces necessity that conveys important transfers of forces and of life.Once dance rediscovers the body, we will begin to experience dance on a daily basis as something that can build structures that will help change our ways of thinking about life and the environment.“ (Benoit Lachmabre)
Read the whole interview: Once dance rediscovers the body

 

 

*17.07.2019

Never ending fire opening up unfinsihed (research presentation)
Sabina Holzer and This cat can play anything aka TE-R

The subject does not belong to the world, but it is a boundary of the world. Ardent. Aghast. Body, materiality, space. It glances to and fro. It turns hither and thither. Everything physical and material has experiences, and experiences something akin to thought. With these connections, it decides which traces (= invitations) to follow, and. World becomes.

 

*16.07.2019


Dancing in the zero years
AN INTERVIEW WITH RIO RUTZINGER
CORPUSweb.net / archive

An interview with Rio Rutzinger, artistic director of ImPulsTanz Workshops+Research, about programmingthe world’s largest format of its kind, about dancers’ passion and precariate, the importance of socialexchange as social and political necessity, and the possibilities of theoretical work in dance pedagogics.

 

*15.07.2019

Secret Service 2.1: Rayonnement

Secret Service 2.1: Rayonnement zeigt sich im Licht der Bilder aus der der Wohnung Miryam van Doren mit 2 Beigaben / Schachteln eine fortgesetzte Planetary-Performance mit Thomas Ballhausen, Ambrose Chase, David Ender, Jack Hauser, Sabina Holzer & Inge Kaindlstorfer im Kunstmuseum Lentos am 04. Mai 2013 Dauer: 90 Minuten Beigaben, temporäre Aktionen und stationäre Präsentation durchdringen sich. Die Besucherin vor der Karte wird zu einer Reisenden mit der Karte – einer Agentin der Karte.

 


*06.07.2019


BILD IM ZEITBRUNNEN:
irma vep trägt gemeinsam mit ruth kathan eine holzkiste von einer
maus behaust in den sonnigen garten des hidden museums in fraxern am 5. juli 2012
(Intervention: Jack Hauser & Sabina Holzer, Foto: Jack Hauser)

*02.07.2019


Portrait of Kathy Acker, San Francsico 1991, by Kathy Brew

*30.06.2019

… dass das tathitianische Wort ‚ta-tau‘ nichts anderes als ’schreiben‘. Die Passage, in der ihre Figur Agone ihr Gefängnis-Tattoo enthält, ist gerade auch in ihrem Plagiarismus ungewöhnlich subtil; eine Quelle jedoch, die hinter den Bezügen auf pazifische Inselbräuche lauern muss ganz sicher Melvilles Queequeg sein, der Harpunist aus Moby Dick, dessen polynesischer Körper vollständig mit Tätowierungen bedeckt ist, die Erde und Himmel abbilden, die Horizonte, von denen Leben und Tod abhängen.

Sowohl in Moby Dick als auch im Empire of the Senseless fungiert das Tattoo bzw dessen Herstellung als Miniatur oder mise-en-abime des Buches selbst bzw. der Praktik des Schreibens von Texten. „Die am meisten positive Sache in diesem Buch“, erklärt Acker in einem Interview, „ist das Tattoo. Es zeigt an, dass man es selbst in die Hand nimmt, dass man seine eigene Zeichen macht und setzt. (Tom Mc Carthy, Schreibmaschinen, Bomben, Quallen. S. 273 – 274. Zürich, diaphanes 2019.)

*29.06.2019

Tom McCarthy weiter zu Kathy Acker:
Auch Agmaben ist fasziniert von Grenzen und Schwellen, von der liminalen Erfahrung, „innerhalb und außerhalbzu sein, von der Abjektion jener Dinge, die im Niemandsland der Vorhölle festgehalten werden. In historischer Sicht gehören zu diesen „Dingen“ unter anderem verstorbene, ungetaufte Kinder (die engen Verwandten abgetriebener Föten), Flüchtlinge, welche die für sie eingerichteten Transitzonen nicht verlassen dürfen, und Gefangene. Agamben hat ein römisches Statut aufgespürt, in dem ein Mensch einem bestimmten Typen von Kriminellen zugehört, als homo sacer (‘heiliger Mensch‘) klassifiziert wird – als homo sacer, der, weil er außerhalb des Rechts steht „vogelfrei“ ist, von jederman ganz legal getötet werden, der aber zugleich, weil er heilig ist, niemals das Objekt zeremonieller oder ritueller Opferhandlungen sein darf. Agamben erkennt im homo sacer, in diesem ‘lebenden Toten‘, den dieses Doppel- oder Gegengesetz (ein Recht welches das Recht selbst suspendiert) hervorbringt, den Vorläufer all der Subjekte, die unter dem „Ausnahmezustand“ leben, durch dessen Verhängung sich moderne Tyrannein konstituieren (zu denen für ihn bereits der auf vielfältigste Weise gesetzlich garantierte und abgesicherte Neoliberalismus zählen würde, den wir während der letzten Jahrzehnte durchlebt haben, ganz zu schweigen von der quasi-faschisten Ordnung, in die wir gegenwärtig einzutreten scheinen.)
Ackers Gefangene sind sehr genaue Verkörperungen des homo sacer: „Tatsache ist“, schreibt sie in Empire of the Senseless, „das alle Gefangene vom Staat getötet werden sollten. Und solange sie nicht getötet werden, befinden sie sich in Wirklichkeit in einem Zustand jenseits des Todes. / Daher sind Gefangene heilig. Ihr Leben ist imaginär, imaginär nach einer Art „imaginären Zahl“, nicht rationel möglich. (Tom Mc Carthy, Schreibmaschinen, Bomben, Quallen. S. 271 – 272. Zürich, diaphanes 2019. )

 

*27.06.2019

Tom McCarthy weiter zu Kathy Acker:
… Das ist extact das Dilemma – oder die „unmögliche Situation“ – der, sich Acker mit ihrem Werk verschreibt: das des Identifizieren mit Nicht-Identität. Unter diesen Bedingungen zu schreiben bedeutet, von jedwedem Rückgriff auf „Authentizität“ Abstand zu nehmen in der sich jede Zuflucht zu einem „Ausdruck des eigenen Selbst“ zu versperren und stattdessen jede Form von subjektiver Iteration – jede Iteration, die Subjektivität voraussetzt oder diese zu bekräftigen sucht – als vorläufig zu behandeln, sie strategisch nach Art eines Rebellenlagers aufzufassen, das auf feindliche Territorium errichtet wird und von dem aus dann schnell zugeschlagen ist, bevor die herrschede Macht es bemerkt oder gar überrennt. … Ich, wer auch immer ich sein werde, ein Konstrukt sein werde“; und anzuerkennen, dass das Exil (wie sie ebenfalls in diesem Buch erklärt) ein „permanetenter […] in punkto Beziehung, Sprache, im Zusammenhang mit Identität.

….

In Anlehung an die Sozialanthropologin Mary Douglas erklärt sie, dass „Schmutz keine Sache für sich ist, sondern etwas, dass sich immer auf Abgrenzung bezieht, und dass er inbesondere ein Objekt ist, das in einen Bereich ab- und ausgestoßen wird, der jenseits dieser Abgrenzung liegt, weshalb er deren andere Seite reoräsentiert, einen Rand.“ Mit Blick auf das Abjekteplädiert sie dafür, dass „wir dieses als eine Grenze auffassen sollten“; und dabei schenkt sie materiellen Mikrogrenzen besodnere Aufmerksamkeit, Membranen wie etwa zittrige Haut, die sich an der Oberfläche einer Tasse heiße Milch abgesetzt hat. Was sie am meisten interessiert, sind Vorgänge, welche die Abgrenzungen zwischen Innerem und Äußerem durcheinanderzubringen beginnen. Freuds Vorstellung von einem „Beginnen“ des mentalen Leben reflektierend, welches der Ankunft des Wortes vorausgeht, schreibt sie: In dieser Vorgänigkeit gegenüber Sprache nimmt das Äußere durch eine Porjektion Gestalt an, die von innen kommt. […] Ein Äußeres im Bild des Inneren, gemacht aus Lust und Schmerz.“ An einem bestimmten Punkt der Kindheit kommt die Sprache, d.h. die symbolische Ordnung, daher unterscheidet innen und außen; allerdings fürgt Kristeve hinzu, „wird es immer Menschen geben, die von der Durchlässigkeit dieser Grenze Zeugnis ablegen, Künstler auf gewisse Weise, die versuchen, an das vorprachliche „Beginnen“ mit einem Wort anzuschließen, das vor Lust und Schmerz strotzt.“ (Tom Mc Carthy, Schreibmaschinen, Bomben, Quallen. S. 268 – 269. Zürich, diaphanes 2019. )

 

*26.06.2019

Tom McCarthy zu Kathy Acker:
… In The Childlike Life of the black Tarantula sagt sie uns: „Ich blicke auc meinen Körper, als wäre er ein Netz, einzig und allein ein Mittel, Menschen dazu zu bringen mich anzufassen.“ Offen, ihre Gestalt verändernd, unablässig penetrierend oder von Szenen um sie herum penetriert, dienen Ackers Körperals Schleusen oder fungieren als Knotenpunkt oder Stützpfeiler in einer Welt der viszeralen Kontinuität – wie Quallen, die zittern, wenn Pulssignale sie durch das das schmierige Meer erreichen …

… Nach Kristeva stellt das, was als Abfall oder Ausschuss verachtet, weggeworfen, eliminiert oder fallen gelassen wird, für den Körper oder das System, die es ab- oder ausstoßen, „einen dieser gewaltsamen, dunklen Aufstände des Seins“ dar, spricht es für sie  von einer Ordnung „jenseits des Bereichs des Möglichen, des Tolarierbaren, des Dankbaren“, einer Orndung, die nicht assimiliert werden kann. Das Abjekte offiert nicht einfach einen „alternativen“ Punkt von dem aus Vorgänge psychischer Identifikation sich vollziehen können; vielmehr zieht [es| mich an einem Ort, an dem Bedeutung überhaupt in scih zusammenbricht“, an dem „das Bewusstsein seine Rechte nicht als unabwendbar gegeben vorausgesetzt hat und an dem es sich in SIgnifikanten jener fließenden Abgrenzungen von noch instabilen territorien verwandelt, in denen ein „Ich“, das Gestalt anzunehmen bestrebt ist, sich unaufhörlich verirrt und verliert“. … (Tom Mc Carthy, Schreibmaschinen, Bomben, Quallen. S. 266 – 267. Zürich, diaphanes 2019. )

 

*05.06.2019

„Wie man einem toten Hasen meine Bilder erklärt“ Josef Beuys

*31.05.2019

Making Kin@Im_flieger

Making kinécriture by Jack Hauser

*27.05.2019


My favorite score for now:
Swim in your dreams as far as you can until you find an island.
Tell us results.
Yoko Ono
Stay in durational napping dancing napping dancing loop interwoven with automatic writing done both for private reflection but also as a form that can be shared.
Variation on the durational repetition, working with what has come before and question of how do we share. (Inspirational weaving by Elisabeth Ward during ROKSOLL)

 

*26.05.2019


So what to do with shadows? What to do with multiple places at the same time? With difficulties to translate? Cult. We could develope a cult. The cult of touch. Of holding and letting go. Letting go and not being afraid. Dont’t be afraid to let the ghosts enter. For history to enter. For herstory. Enter the body. The pores of the skin. The porous body. The never only one body. The multilple body. Is this something to be afraid of? Our body is that with what we can fly. The teachers of our souls. Our anima. Our animal. The craving grand opening. The reaching. The expactation of space. The increase of creatures coming from the ground. From the earth. From beneath and above. Abundance from within. A praise. Priceless.
Praise the priceless princess from the earth. That what cannot. Praise what cannot not be. Make it happen. Her footsteps of writing. Screaming with, another way to think. Take a rest and make a move. Crawl like a lizard and never forget to dream.

 

*25.05.2019

Message in a bottle from the denube: „my love -bobo- I live you until the end of the
world‘ and I will love you until my heart stops. I admire your eyes.“


*24.05.2019

Und dann ein Sinken. Ein Singen. Ein Seufzen. Ein Feminines.
Der Mann kommt von der Frau. Von der Frechheit. Von Friedoline.
Friedoline ist das Versprechen von Freiheit und Vergebung. Von Linien und Kurven. Wie Blumen. Die Blumen sind die DIngsbums. Sie kratzen und klopfen und hüpfen mit den Gedanken im Kreis. In der Spirale. Entlang des Regenboges der meine Wirbelsäule ist.
Das Andere ist immer neben mir. Ist in mir. Außer mir. Ist um mich.


*23.05.2019

ROKSOLL

APPROACH THE OTHER WITH A GESTURE OF KINDNESS

 

*22.05.2019

Steve Paxton:
„Do you think there is a best environment for the body to develop in?

How do think education was managed before school and curricula?
Why was the chair invented?
Do you ever regard you pelvis as the nether region?
You know of course there was a time, when the word leg was not to be mentioned.
Have you read Barbara Ehrenreich „Dancing in the streets?“
Does current research according to the milliseconds of decision making in the brain interest you?
How many milliseconds is in a blink?
What is durational of quickest time of non-concious events – to conscious ones?
How many non-conscious events happen in a duration one conscious events.
What do you think chi might be.
Do you think our view of the world is prejudice to where our head is habitually oriented.“

TALKING DANCE by Steve Paxton

 

*21.05.2019

Und immer noch ist Donnerstag



…Sei wieder links, Linke! Damit wir dich nicht ganz verlieren…

Komm, liebe Linke von Helmut Ploebst

 

*20.03.2019

From dance we learn that matter is not stupid, it is not blind, it is not mechanical, but it has rhythms, has its language, and it is self-activated and self-organzing. Our bodies have reasons that we need to learn, rediscover, reinvent. We need to listen to their language and rythms of the natural world as the path to the health and healing of the earth. Since the power to be affected and to affect, to be moved and to move, a capacity which is indesttuctible, exhausted only with death, is constitutive of the body, there is an immanent politics residing in it: the capacity to transform itself, others and change the world. (Silvia Federici)
Found during
ROKSOLL

 

*16.05.2019

Es ist wieder Donnerstag!

 

*14.05.2019

(Aus dem Tanz geschrieben)
die welle. der raum. das gefühl fühlen.
endlich. so ein sei.
bin. mit dem atem ein bisschen blind.
sehend mit dem zwischen.
nimmt sie. hat ein ohne zeichen.
jetzt ein knaspe.

knospe. knüssen. keilen. kelche.
verschenken.
leben. leber. leben. lesen.
annehmen.

kann doch im ganzen
mit dir erst.
nicht nur wegen.
so soll sein welle. verwellen und verweilen.
dieses kleine entgegen der anderen
knacks und gebensgelb.

was ich will ist unwichtig. geschenkt.
auch das wollen der 8

 


*10.05.2018

 

Aat Hougee:
„…the most beautiful thing about art and especially about dance for me is, that it is able to give the objective information only through including the most subjective: through the dancers personality…“
„… They created a dance language which is less defined by form than in terms of process… This choice has immense consequences as a defined form can be copied and even be used without exactly knowing the process that led to this form. A dance approach that has an open form can only be copied through copying the process. …“


*01.05. 2019

1. Das Territorium, so schreiben Gilles Deleuze und Félix Guattari im Ritornell-Plateau von Tausend Plateaus, ist »ein Akt, ein Handeln, das auf Milieus und Rhythmen einwirkt, das sie ›territorialisiert‹. Das Territorium ist das Produkt einer Territorialisierung von Milieus und Rhythmen«. Es geht weniger um ursprüngliche räumliche Einheiten und deren Statik, Fixierung und Verteidigung, als um Prozesse der Markierung, der Reterritorialisierung einerseits und der Deterritorialisierung andererseits. Dieses ›Einerseits – Andererseits‹ ist keinesfalls als harter Gegensatz zu verstehen. Deterritorialisierung – Reterritorialisierung, Zerstreuung – Versammlung, Glättung des Raums – Kerbung des Raums: nicht als Opposition, sondern als Abwechslung, Komplementarität, Gleichzeitigkeit, Ineinanderübergehen. Ein wiederkehrender Gesang, der nicht das eine oder das andere dämonisiert oder denunziert, weder die Deterritorialisierung als reine Zumutung der existenziellen Unstetheit, als inkontinente Zerstreutheit, als postmoderne Form der Ausbeutung, noch die Reterritorialisierung nur als Verengung, Reduzierung und Rückzug. Und zugleich enthält sich dieses Ritornell auch der unkritischen Affirmation und Romantisierung, sowohl was die Deterritorialisierung als herrschaftsfreie Vorwärtsbewegung ins Offene betrifft, als auch in Bezug auf die Reterritorialisierung als Rückkehr in den heimatlichen, sicheren Schutzraum.

2. Jeder Versuch, Deleuze’ und Guattaris Verhältnis zu zeitgenössischen Kunstpraktiken zu verstehen, führt zu einer unmittelbaren Konfrontation mit dem mannigfaltigen und vielschichtigen Bereich der zeitgenössischen Kunst. Nichtsdestotrotz gibt es drei Aspekte der zeitgenössischen Kunst, auf welche sich Deleuze und Guattari (in ihren Arbeiten sowohl gemeinsam als auch jeder für sich) direkt beziehen: 1) die zentrale Position der Photographie, sowohl im konzeptionellen als auch im praktischen Sinne; 2) die unvermeidliche Allgegenwärtigkeit der digitalen Technologie; 3) Duchamps Readymade und der „conceptual turn“ bzw. das, was auch als post-konzeptionelle Praxis bekannt ist. In dem wir Deleuze’ und Guattaris Reaktion auf diese Axiome nachverfolgen—und manchmal auch vorwegnehmen—werden wir in die Lage versetzt, einige ihrer Sichtweisen auf die heutige Kunst zu erschließen. Außerdem erlaubt uns dies, einige alternative Ansätze zur Kunstgeschichte zu entwickeln, mit deren Hilfe sich diese Aspekte zeitgenössischer Kunstpraktiken erklären lassen, Genealogien, die, während sie häufig ihren Anfang an vertrauten Orten nehmen (Photographie, Duchamp, Benjamin), diese Praktiken doch in unerwartete Richtungen lenken, die häufig schlecht zu unserem Verständnis zeitgenössischer Kunst passen. Mit anderen Worten, wir machen uns auf zu einer minoritären zeitgenössischen Kunst.  (http://www.performancephilosophy.org/journal/article/view/188/264)

*30.04.2019

SUSPIRIA
by Luca Guadagnino.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/choreograph-damien-jalet-im-interview-zu-suspiria-15914299-p3.html

Die Mutter der Seufzer von Helmut Ploebst auf corpus

 

*27.04.2019


The Future Body at Work (by Kasia Wolinska and Frida Sandström)

… If the future is within us, our bodies are engines for the present. The body’s history is a network of stories about shaping: the constitution and subjugation of the body to and through regimes and ideologies. The body is the site of the unfolding of ideology, through aesthetics, norms, and the gendering and racialization of the flesh. The body has remained at work throughout the development of civilization: mediated, extended, and organized by multiple technologies and philosophies. In order to bring the history of dance back to visibility, we encourage a continued reflection on the historical, present, and future conditions of the body at work. By proposing a vocabulary developed from within the discipline of dance, we drift away from the prevailing systems of knowing that render the body absent, obscure, or singular. If the aspects of the world that we nurture into the future are shaped by how we understand and tell the past, our inheritances are manifested through the stories we tell—stories that transform us and our communities and that become a foundation for our future becoming. …
https://www.e-flux.com/journal/99/263557/the-future-body-at-work/


*26.04.2019

…Du liebst zu heftig. Das besetzt die Mitte und zwängt Deine Stärke Deine Stärke hinaus. Wenn Du in Deiner Mitte arbeitest und am Rand liebst, wirst Du am Ende besser lieben. Du wirst großzügiger geben, ohne aufzurechnen und was Du bekommst, wirst Du genießen. (Marge Piercy. Er, Sie und Es, S.70)

 

*24.04.2019

(Aus dem Tanz geschrieben)
Das ist ein wenig eine endlose Zeit.


Langsames Sinken. (SH), 23.04.2019

Langsames sinken. Hier schweben.
Diese Musik, diese Geräusche. Was wird das werden?
Das Werden in einer Hand. Mit fünf Fingern. Diesen Dingern. Diesen Glöckchen,
diesem Glitzern, diesen Verursachern. Wie meinst Du das?
Ich meine: Berührungen, Verführungen. Wo führt das hin?
Berührung. Rühren. Mischen und Mengen. Die Vermengung meines Rückens, den ich nicht mal sehen kann, mit dem Raum. In einer ersthaften Stille. In einer freundlichen Gesetztheit. Natürlich. Ich sitze ja auch hier. Ich bin in einem fremden Land.
Was ist der Traum? Eine schöne Scheißerei. Das Denken ist schneller als das Schreiben. Die Schrift vergeht. Der Gedanke diktiert das Wort. Aber was macht das Wort am Ort? Es lässt einen Raum entstehen. Es sind die Bilder, die die Worte sind. Es ist ein Nachhausekommen. EIne zarte Anwesenheit im zu Hause. Mehr nicht. Und das könnte genug sein.
Der Rest wollte herum. Wo ist das rundherum?
Ist das Gestern im Heute? – Versteckt? Offensichtlich? Bereitwillig? Aufmüpfig? Vergeblich? Verbindend? Hinausweisend? Darüber hinaus. In der Zukunft?
Zukünftig schon davor? Schon immer?

Kann das Heutefeld mit den Gesternsamen Morgenblühen?

*23.04.2019

Protest gegen die Abschaffung der Mindestsicherung

„Es wird oft von der sozialen Hängematte gesprochen, wenn Menschen es sich angeblich auf Kosten des Staats zu gut gehen lassen und sich daher gehenlassen können. Aber eine Hängematte, zumindest die meiner Kindheit, besteht aus Schnüren, dazwischen nichts als Löcher. Und jetzt wollen sie auch noch die dünnen Seile dazwischen kappen. Es folgt das Nichts. Das Netz wird immer schleißiger gemacht, damit es von außen immer weniger  einladend aussieht. Aber immer mehr müssen hinein, mitgehangen, mitgefangen, mit Ausländern, mit Fremden, die sie für uns sind. Das angebliche Wohlbehagen, mit dem sich Menschen in dieser Hängematte eingerichtet haben (während sie doch den Abgrund darunter immer gespürt haben), es war keins. Man kann kein Wohlgefühl haben, wenn die Maschen sich jederzeit öffnen können, der wacklige Boden aufgetrennt wird, und man ins Bodenlose stürzt. Das ist jetzt mit der Kürzung der Mindestsicherung geplant, punktgenau als Ausgangspunkt für diese sogenannte Sozialstaatsreform. Doch je mehr Daten erhoben werden, desto weniger können sich die dazugehörigen Menschen, die eben nicht dazugehören sollen, aus ihrer Armut erheben, denn diese Regierung steht den Daten vollkommen gleichgültig gegenüber, es könnten auch ganz andre Daten sein, mehr oder weniger, sie werden ignoriert. Hauptsache, es wird den von ihnen Erfaßten, die man gar nicht wirklich erfassen will, die Luft abgeschnürt. Bisher haben die Löcher noch halbwegs zusammengehalten, ab und zu geflickt, aber es ging noch irgendwie. Jetzt aber sollen die Schwächsten uns aus den Augen geschafft werden, wie lebende Tote, sie sind da, werden aber nicht mehr zur Kenntnis genommen. Diese Regierung führt vor, wie wir die Armen zum Verschwinden bringen können, denn sie zählen nicht mehr, obwohl sie doch ständig gezählt werden. Aus den Augen, aus dem Sinn. Verschwunden. Für uns und für sie selbst, denn mit dieser neuen Mindestsicherung, die zumindest das Wort Sicherung sofort streichen sollte, sind auch die Menschen abgeschafft, weil sie, ständig über dem Abgrund hängend, nicht mehr leben können. Alles mindestens neu, wenn nicht zumindest neuer, mindestens.“ Elfriede Jelinek
https://www2.sosmitmensch.at/elfriede-jelinek-gegen-den-sturz-ins-bodenlose


*21.04.2019

Spaziergang am Ostersonntag.

Sonne.
Hier ein Wald in sprießenden Zartgrün.
Hier Geruch von Trockenheit.
Hier Laub. Hellbrau grau getrocknet.
Nicht Erde geworden.

Die Erde ist hart wie Stein.
Sie kann nichts mehr aufnehmen.
Schwarze Käfer kriechen über die Asphaltstraßen.
Frisches Geäst in Bodennähe mit kleinen welken Blättchen.

Tausende Ameisen mit Larven als Unterleib schlafen in den Rillen der Bäume.
An den Sonnenseiten klettern sie geschäftig herum mit ihren weißen Eiern.
Sie überziehen die Stämme mit glänzenden Schimmer.
Es sind zu viele.

So wie wir.
Wir sind eine Plage für die Welt so wie wir leben.
Wir Menschen haben das Maß verloren.

Hier dieser sonnendurchbrochenen trockene rissige Wald im April.
Durchatmen und Aufhorchen.

*13.04.2019

Traum:

Heute Nacht war ich wieder Teil eines Projekts. Ich weiss nicht mehr, was für eines das war, das ist auch unwichtig. Wir, eine ganze Gruppe, haben in einem Haus in einer fremden Stadt gewohnt. Wir waren Gäste.

An einem Nachmittag, es ist schon gegen Ende des Projekts, dass irgendwie unwichtig geendet hat, sitzt J. im Esszimmer. Das Esszimmer ist wie eine Wirtsstube eingerichtet: hölzerne Tische und Stühle. Die Bänke mit rotem Stoff überzogen. Die Lampenhalterungen aus Holz. Eine typische österreichische Stube. J. sitzt auf einer Eckbank. Plötzlich legt er seine Beine auf den Tisch, – das ist eher ungewöhnlich. Vielleicht streckt er sich auch ausgiebig und rülpst und zieht den Rotz durch die Nase und spuckt aus. Auf jeden Fall macht er lauter Dinge, die man normalerweise nicht in einem Restaurant, einer Stube, einem öffentlichen Raum macht. Er nimmt einen Schluck vom Kaffee, spült damit seinen Mund und spuckt ihn dann in hohen Bogen durch das Lokal. Ganz wie Bruce Neumann in seinem „Selbstportrait“. (Dieses Bild und dieses Milieu passt garnicht in die Umgebung dieses Traumes. J. hat es erwähnt, als ich ihm beim Frühstück von dem Traum erzählt habe.) Alle Leute schauen zu ihm. Jede seiner Gesten sind groß, auffallend, überschreitend. Ich bin erstaunt und schockiert. Irgendwie schäme ich mich. Zugleich aber bin ich ganz fasziniert, dass er das macht. Seine ganze Präsenz ist eine Provokation und ich denke, wie unglaublich kleinlich ein geregelt wir doch leben, dass so ein Verhalten schon skandalös ist. Es zeigt unsere Enge. Unsere Enge im Verhaltenskodex. Auch in der Zusammenarbeit, die sich in dem Projekt widerspiegelt. Daran denke ich. Sein Verhalten zeigt es mir. Irgendetwas stimmt hier nicht. So wie wir arbeiten, wird nichts verändert.

Plötzlich kommt V.K.H in die Stube. Sie zieht natürlich sofort die Aufmerksamkeit auf sich ohne das sie sich auffällig benehmen muss. Aber auch sie übertreibt plötzlich in allen ihren Bewegungen, als ob sie von sich selbst eine Karikatur machen möchte. Sie stolziert herum in großen, tänzelnden Schritten, wirft den Kopf in den Nacken als hätte sie langes Haar, breitet die Arme aus, als wolle sie den ganzen Raum (zu ihr) in die Höhe heben. Sie pflückt die Plastikblumen der Dekoration ab und wirft sie in die nicht vorhandene Menge. Sie spuckt auf den Boden. Die paar Anwesenden sind schockiert, konstaniert über das völlig unpassende Verhalten der Kulturstadträtin. Wollen wir die Kunst nicht stärken? Will sie die Kunst nicht stärken? Sind wir nicht darum hier. Wir alle?

Ich bin überrascht und sehe die ähnliche Performance zwischen J. und V.K.H. Sie treffen den Nerv der Zeit finde ich.

V.K.H. rauscht durch den Raum und verschwindet. Sie hinterlässt vibrierende Irritation. Kann das sein? Macht das Sinn? Eine Person in ihrer Position?

Ein wenig später kommt sie zurück. Ich rücke auf meinem Stuhl etwas zur Seite und mache für sie Platz. Tatsächlich setzt sie sich zu mir. Sie wirkt erschöpft und angespannt. Wie ausgewechselt. Ich lege meinen Arm um ihr Schulter und frage: „Ist das okay?“ Mit ihren breiten Schultern und ihrem am Rücken tiefausgeschnitten Kleid sitzt sie neben mir. Eigentlich ist auch ihr Dekolleté tief und voll sind ihre Brüste. Eine starke schöne Frau. Ich aber spüre vor allem die nackte Wärme ihre Haut unter meinem Arm. — Natürlich ist es fragwürdig, dass ich, ganz in patriarchaler Tradition hier bei der Frau den Körper beschreibe und beim Mann nicht. Aber durch dieses körperliche Nebeneinander entsteht plötzlich so ein Miteinander, dem ich nicht anders Ausdruck zu geben weiß. –

„Weisst Du, Sabina“, sagt sie (ich bin erstaunt, dass sie meinen Namen weiss), „ich weiss nicht mehr was ich machen soll. Ich bekomme meinen Themen nicht durch. Ich bin mit meinem Auftritt hier auch nicht glücklich. Aber die Art und Weise, wie dieser Apparat läuft, wie die Medien über mich berichten, macht alles unmöglich. Jetzt hat mir die Kronenzeitung angeboten, eine Tour durch Österreich zu machen. Allein schon die Art wie sie mich inszeniert, ist so bestimmend, dass ich keine anderen Inhalte kommunizieren kann, als das was ihre Vision der Kunst ist (die der Kronenzeitung).“ Ich nicke. Ja, das ist alles verschwendete Energie, die wo anders eingesetzt werden sollte. Aber kann sie das absagen?

 

*10.04.2013

Kunstzeitung, April 2019

 

*03.04.2019

Die Elemente der australischen Geometrie sind so einfach wie effektiv: Punkt und Linie, mehr nicht. Bei ihren Wanderungen durch Ödland und Wälder entsprechen der Punkt und die Linie dem Aufenthalt und Weg; mit einem Punkt und einer Linie, die im Laufe des Jahres viele Punkte durchläuft und alle möglichen Richtungen einschlagen kann, entsteht eine große Zeichnung, die Darstellung des Schicksals. Doch hier passiert etwas besonderes: Durch den Punkt, genau an der Stelle des Punktes, kann der Mensch, ganz wie die Nadel der Schneiderin, zur anderen Seite durchdringen, zur Traumseite, und dann ändert die Linie ihre Eigenart: die Route der Nahrungssuche wird zur mythischen Wanderschaft. Was der Zeichnung des Schicksals eine dritte Dimension verleiht. Das Durchdringen des Punktes aber ist jederzeit möglich, denn es gibt keine dafür priviligierten Punkte (wie sie die Forscher in den Wasserlöchern vermuten, die aber nur das Modell des Durchdringungspunktes sind und der kann überall liegen, auf jeden Punkt des Weges) und die Route der Nahrungssuche verwandelt sich immer wieder in den mythischer Weg und umgekehrt. Die Punkte, die den Blick auf die andere Seite gewähren, haben etwas vom Traum an sich, aber nicht von der Traumzeit, sondern vielmehr von der Traumarbeit. Der Mensch tritt nicht durch eine wundersame, gefährliche Reise in die Traumwelt ein, sondern durch die tagtägliche Wanderbewegung.

Um den Punkt zu symbolisieren, führen die australischen Ureinwohner den „heiligen Pfahl“ mit sich, was nur eine Redensart ist, er hat nichts Heiliges an sich. Wenn sie in den Abendstunden haltmachen graben sie ihn, leicht geneigt wie der schiefe Turm von Pisa, in die Erde ein und zeigen so die Richtung an, die er am nächsten Tag einschlagen wird. Diese Pfahl ist mit Schnitzereien verziert, die von der mystischen Wanderschaft erzählen; er vereint die entgegegngesetzen Motive vom Aufenthalt (den der Pfahl durch die Stelle zeigt, an dem er eingepflanzt ist) und vom Weg (dargestellt durch seine Neigung und seine Schnitzereien, doppelt also, weil der Weg zwei Phasen hat, die der Nahrungssiche und die der mytischen Wanderschaft, währenddessen der Punkt nur ein einziger ist, es ist stets der Durchdringungspunkt. (César Aira, Die Gespenster, S.79 – S.80, List Taschenbuch, Berlin 2012.)

 

*05.04.2019

(Aus dem Tanz geschrieben)


Es ist mir eine Freude. Es ist mir eine Freiheit. Heit. Heut. Häute.

Meine Haut ist mein Bewusstsein. Ist das so? (SH), 05.04.2019.

 

*29.03.2019

Doch die Australier, was tun nun die Australier? Wie strukturieren sie ihre Landschaft? Sie postulieren als Erstes einen originären Erbauer, dem sie hermeneutisch gegebüberstehen: das mythische Tier, das in der Traumzeit handelte, in einer Ursprungsära also, deren Name auf die Eigenschaft des nicht Vergelichbaren verweist. Dann schlief es ein. In der Traumzeit liegen die Ursachen, deren Wirkung die sichtbare Landschaft ist. Zum Beispiel die Schlange, die durch die Erde kroch und das gewellte Terrain formte und so weiter und so fort. Diese „Snobs“, diese „alten Jungfern“, diese so merkwürdigen Aborigines machen sich die Mühe, die Augen geschlossen zu halten, während die Dinge geschehen, was ihnen erlaubt die Geschehnisse in ihrer weltlichen Form zu sehen. Was sie jedoch sehen ist eine Art Traum, und das Erwachen ist ein Tagtraum, weil die echte Geschichte (die Schlange, nicht die Hügel) sich ereignete als sie schliefen.

Die Traumzeit als Sinnstifterin oder Garantie der Stabilität der Sinne ist das Äquivalent für die Sprache. Doch wozu brauchen die Ureinwohner ein Äquivalent? Besaßen sie denn keine Sprache? Womöglich wollten sie wie die Ägypter eine Hieroglyphenschrift haben und schrieben sie mit der Erde, auf die sie ihre Füße setzen. (Cesar Aira, Die Gespenster, S.78 List Taschenbuch, Berlin 2012)

 

*20.03.2017

Nun gut, wenn das Ungebaute oder die Vermischung von Gebautem und Ungebautem als ein „mentales“ Phänomen angesehen werden kann, wie der Traum oder das Spiel der Absichten allgemein, kann das Denken seinerseits als abhängig vom Phänomen des Ungebauten angesehen werden, dessen expemplarische Manifestation das Archtektonische ist. Es gibt Gesellschaften, in denen das Ungebaute fast vollständig überwiegt, zum Beispiel bei den australischen Ureinwohnenrn, diesen, nach Levi-Strauss, „alten Provinzjungfern“. Ohne etwas zu bauen, beschränken sich die Aborigines darauf, nachzudenken und sich Tagträumereien der Landschaft hinzugeben, in der sie leben, bis sie aus ihr kraft ihrer Geschichten einen kompletten sinnstiftenden „Bau“ hergestelt haben. Dieser Prozess ist nicht so exotisch, wie es den Anschein hat. Es gibt ihn tagtäglich auch in der Zivilisation: es ist die mental city wie das Dublin von Joyce. Das führt dazu, dass man sich fragt … die ungebaute Architektur, ist sie Literatur? In den zivilisierten Gesellschaften wiederholt die Architektur ihre symbolische Funktion so lange, bis sie sie entleert hat. Wenn die primitiven nomadischen Gesellschaften die Anordnung des Lagerplatzes die Funktion erfüllte, die nicht erfüllt wurde mit dem Bau des Hauses, dem eigentlichen Geselschaftlichen also, wiederholt die Stadtplanung der modernen großen Städte, in denen die Bauwerke nach dem Wettbewerb der Gesellschaft in allen ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten verlangen, eine schon erfüllte Funktion und verliert sie am Ende (und zwar indem sie stattdessen eine Funktion polizeilich-symbolischer Art übernimmt). Sie sollte sich eingestehen, dass sie dort eine „vakante Symbolik“ zurücklässt, eine von keinem aktuellen Bedürfnis besetzte Symbolisierungskraft. Man könnte dabei an die Niasser und ihre zwei Gottheiten denekn, die Zwillinge und Antipoden sind: Lowalani, der die positiven Kräfte, und Latura Dano, der die negativen Kräfte verkörpert. Den Niasser zufolge ist eine Welt eine Schichtung von neuen übereinanderliegenden Ebenen, in deren obere Schicht sich Lowalani aufhält, der mit seine namenlosen Gemahlin schläft (nennen wir sie Patri) einer vermittelnden Kraft.

Das Dorf der Niasser „repräsentiert“ in seiner siedlungsordnenden Anlage diesen Bau, natürlich dergestalt, dass, sagen wir, rechts hoch bedeutet und links tief, oder wie auch immer. Nun würde das Wohneigentum, die Wolkenkratzer, die die Niasser nicht gebaut haben (wenn schon nur in einer Negation des Ungebauten), die Symbolik direkt präsentieren. Woraus sich schließen lässt, dass ein Bau stets einem Nichtbau entspricht. Sie stehen in einer Reihe mit kleinen, mit Menschen- und Tierfiguren vollgestopften, hübschen mehrstöckigen Häusern, die die Eingeborenen Mada gaskars als Spielzeug basteln. Wenn diese Modelle etwas darstellen, dann ist es das „Kinderhaus“, eine weitere Form des Ungebauten. (César Aira, Die Gespenster, S.71 – S.76 List Taschenbuch, Berlin 2012)

 

* 17.03.2019

Es war ein stiller Traum, ohne beunruhigende Prophezeiungen und ohne Erfindungen, in etwas so wie eine Bestandsaufnahme. Irgendwie gibt es zwischen Traum und Wirklichkeit einen Unterschied, der umso augenfälliger ist, desto weniger das eine im Kontrast zum anderen steht. In diesem Falles spiegelte sich der Unterschied in der Architektur wider, die ja schon an und für sich Wiederspiegelung ist zwischen dem, was gebaut ist, und dem, was gebaut wird. Und die Brücke der Spiegelungen war ein Drittes, das in der Materie praktisch alles ist: das Ungebaute.

Das Ungebaute ist charakteristisch für die Künste, die in ihrer Realisierung die bezahlte Arbeit einer großer Anzahl von Menschen benötigen, den Kauf der Materialien, die Benutzung teurer Werkzeug usw. Der typische Fall ist das Kino: Jeder kann sich einen Film ausdenken, aber das Wissen um die Hindernisse, die sich vor seiner Realisierung auftürmen, sorgen dafür, dass neunundneunzig von hundert Filmen nicht gedreht werden. So dass man sich fragen kann, ob nicht diese riesigen Hemmnisse – die durch die Fortschritte der Technologien keineswegs geringer geworden sind, eher das Gegenteil – einen wesentlichen Teil des Zaubers des Kinos ausmachen, ist es doch paradoxerweise wenigsten als Tagträumer für jedermann erreichbar. Mit den übrigen Künsten verhält es sich mehr oder weniger genauso. Doch wäre auch eine Kunst denkbar, bei der sich die Beschränkungen durch die Wirklichkeit auf ein Mindestmaß reduzieren, bei der Getanes und Ungetanes miteinander verschmelzen, eine im Augenblick Wirklich werdenden Kunst, ohne Gespenster. Vielleicht gibt es sie ja und es ist die Literatur.

In diesem Sinne beruhen ihrerseits alle Künste auf einer in ihrer Geschichte und ihren Mythos eingewobene literarische Grundlage. Die Architektur macht da keine Ausnahme. In den fortgeschrittenen oder zumindest alteingesessene Zivilisationen bedarf der Haubau des Zusammenspiels verschiedener Gewerke: Maurer, Zimmerleute, Maler usw. In den nomadischen Kulturen hingegen wird die Behausung von einer einzelnen Person gebaut, fast immer der Frau. In diesen Fällen ergibt sich das Soziale, die unvermeidliche symbolische Dimension, aus der Stellung der Behausungen auf dem Lagerplatz. Bei der Literatur wiederum ist es ganz ähnlich. Es gibt Werke, bei denen der Autor in einer symbolischen Zusammenziehung auf die reale oder virtuelle Mitarbeit aller Spezialisten seiner Kultur zurückgreift, und es gibt Werke, die von einem allein (der bei diesem Anlass Frau wird) ohne fremde Hilfe erschaffenen werden und bei denen das Gesellschaftliche durch die Stellung innerhalb der eigenen und fremden Bücher, durch das periodische Erscheinen und so weiter seinen Ausdruck findet.

In Patris Traum ging die Architekturanalogie noch ein Stück weiter. In Afrika gibt es eine drollige Ethnie von Zwergmenschen, die Mbutu-Pygmäen, die kein Oberhaupt keine Hierarchie kennen. Jeder macht seins, und alle tun, ohne des Drama, was für alle getan werden muss. Sie leben in nicht eben großen Gruppen, um die zwanzig, dreißig Familien. Wenn sie sich entschließen, ihren Lageplatz aufzuschlagen, dann tun sie das auf einer Lichtung, in ringförmiger Anordnung, wie sie, den Anthropologen zufolge, typisch für egalitäre Gemeinwesen ist. Die Hütten bilden einen Kreis mit einer leeren Mitte. Manchmal träumen auch Anthropologen. Denn wie kann man diesen Kreis überhaupt sehen außer vom Flugzeug aus? Überflüssig zu erwähnen, dass die Mbutu-Pygmäen nicht fliegen; wenn sie hätten fliegen müssen, wären sie mit Flügel geboren. Andererseits ist es fraglich, ob die Mitte leer ist, wie dich in ihr der Raum ist, der sie erst zur Mitte macht. „Wer von der Mitte spricht, wird von allen gehört“, sagen die Anthropologen, mit unfreiwillig komischen Bezug auf die Traum-Bauchredernerei. Die Mbutu-Hütten sind Isotopenschalen, bei denen sich an jedem Punkt ein Loch auftun kann; das Einzige, was die Mbutu auftun, ist die Tür, sie öffnen sie in Richtung der Nachbarn, mit denen sie sich am besten verstehen. Aus diesem oder jenem Grund verträgt sich die Dame nicht mit der Frau Nachbarin? Kein Problem, sie machen die Tür dicht und eine andere auf, mit Blick auf die Nachbarin auf der anderen Seite. Die Forscher, die diesen Zusammenhang erkannt haben, sind nicht bis zur letzen Konsequenz dieses Systems vorgedrungen: dass nämlich der wirklich kollektive Mbutu in einem Haus wohnen würde, das ganz Tür ist, also ohne Haus, und dass umgekehrt das fertige, vollständige Bauwerk auf Feindschaft gründet.

Gegenbeispiel sind die Buschmänner. Auch sie sind Nomaden, und auch ihr Lagerplatz ist ringförmig, Nur dass in der Mitte ihres Rings etwas steht. Sie gruppieren ihre Hütten um einen Baum und unter dem Baum baut der Häuptling sein Häuschen. In der Tür seines Häusschens entzündet der Häuptling ein Feuer. Was bei den Mbutu fehlte, war nicht die Mitte, sondern ihr Symbol. Vom Fehlen des Symbols bis zu seinem Dasein bedarf es einer symbolischen Akkumulation: Baum, Häuptling, Feuer… Warum nicht eine Rose, eine ausgestopfte Giraffe, ein Bootswrack, ein zufällig auf dem Ohrläppchen eines Nazis sitzendes Moskito, ein Platzregen und eine Replik der Nike von Samothrake?

Diese kleinen Schwarzen sind amüsant, aber bei den todernsten Zulus, die Jäger und Krieger sind, ist es nicht anders. Wer das zweifelhafte Vergnügen hatte mit ihnen zusammenzustoßen (wie beispielsweise der Sohn von Kaiser Napoleon III und Eugenio des Montijo), kannn bestätigen, dass in ihrer Schlachtordnung die Männer im Halbkreis stehen, konkav zum Feind, den sie, bevor sie ihn vernichten, „einwickeln“. Die Methode ist der Art nachgebildet, wie die Zulus jagen. Und so ordnen sie auch die Hütten auf ihren Lagerplätzen an, in einem konkaven Halbkreis. Zwischen den beiden ersten Ebenen, von der Jagd zum Krieg, gibt es einen Übergang von der realen zur symbolischen Ebene, ohne das das Praktische bei ihnen verloren geht. Nicht etwas, dass eine Ebene der anderen nachfolgt, sie könnten auch zeitgleich existieren; ein Zulu könnte sogar auf die Idee kommen, ein wohlgenährtes Zebra nach dem System zu jagen, das sich als Herrschaftsprinzip bewährt hat. Was den Lageplatz betrifft, das Architektonische, gebaut oder nicht (denn man darf dabei auch nicht nur an die Hütten denken, sondern muss auch die Interpretationen und Absichten miteinbeziehen), so stellt er eine Rückkehr des Symbolischen zum Realien dar, weil das Leben real ist und die Zulus, außer jagen und Kriege führen, auch leben müssen, wobei man annimmt, dass sie dies unfreiwillig tun, ohne es sich vorzunehmen, so, wie man träumt. Die Leere in der Mitte ihrer Dörfer erzeugt einen blutigen Sog, Eleganz pur.

Der sich Analogien verschließende architektonische Schlüssel der Alternative gebaut/umgebaut ist die Flucht der Zeit in Richtung Raum. Diese Flucht ist der Traum. (Weshalb Patris Traum nicht aus einer Laune heraus Architektur war.) Außer in Fabeln schläft man in einem Haus. Selbst wenn das Haus noch umgebaut ist. Diese Tatsache ist die Zelle der Seßhaftigkeit, womöglich die Ursprungszelle. Und währende Bräuche, sesshaft oder nomadisch, aus Zeit bestehen, sind Träume zeitlos. Traum ist reiner Raum, Anordnung des Spezies in der Ewigkeit. Es ist die Exklusivität, die aus der Architektur Kunst werden lässt. Von diesen Punkt an tritt das Umgebaute, diese zeitlose geistige Materie, aus dem Feld der Möglichkeiten heraus, hört auf, das persönliche Scheitern eines Architekten zu sein, dem man diese oder jenes risikoreiche Gebäude nicht finanziert hat, und wird absolut. Sogar die Versuchung von Gebautem und Ungebautem wird absolut. Das Bauwerk, auf dessen Zinnen Patris schlief, war durch seinen unfertigen Zustand und durch alles, was die Innenaustatter in ihm noch zu tun gedachten, reales Modell dieser Vermischung; es war nur ein Schritt vom Absolutem entfernt, es fehlten nur noch, dass Ziegel, Zement und Metaller in einer fließenden Operation die Atome aus der Zeit hinausschleudern. Von träumte die junge Frau. (César Aira, Die Gespenster, S.71 – S.76 List Taschenbuch, Berlin 2012)

 

* 08.03.2019

Biennale Lecture, Schauspielhaus Wien

Amelia Jones „Risk Taking Aesthetics: Feminist Attacks on Art World Structures of Inequity“; Esther Hutfless & Elisabeth Schäfer „Taking the risk of a risk. Feminist Critique and Transformations“; Inna Shevchenko – FEMEN „Women‘s body: historical battlefield“

Moderation: Felicitas Thun-Hohenstein, Andreas Spiegl

Künstlerische Intervention: Jakob Lena Knebl

* 27.02.2019

* 24.02.2019

What is a poetic act?

Act up? Up words. Words to come and go. Fold. Knitter. Scrap. Scrapel.

Which language I am writing?

Poetic po. Poetic easiness. Lightness like like like light. Shining.

Darkness and light. To do something with no sense. Nonsense.

Caring about place and time.

Space and togetherness. Coexistence.

But play. Poetic. To create but not for use. But game. Gamification.

English languaging long witching. Which witch is coming here. Entered the room. Don’t be too loud. Be noisy. Like wishes. Like wondering. Likeness. Poetic. Likeness la la like on.

On and of. One, two, three. Rhythm of no return. Rhytms of yesterday and tomorrow.

Coming together. Interfering. Atmosphere. What is Atmo?

What is a poetic act? Something which makes the surrounding appear.

 

* 22.02.2019

 

Cy Twobly, States of the Mind: Malerei, Skulptur, Photographie, Zeichnungen Katalog Mumok Wien.

 

 

*12.02.2019

Das Wiederfinden. Geheimnisse. Das Lausmensch. (SH)

 

*10.02.2019

Worüber ich gerne schreiben würde

Der Nachtportier. Film von Liliana Cavanis, mit Charlotte Rampling und Dirk Bogart. 1973

 

* 31.Jänner 2019

 

* 31.Jänner 2019

 

Die Sprache ist mir seit jeher ein Rätsel. Schon in meiner Kindheit. In meiner Herkunft und dieser Familie, in der Sprache in mitten der leidenschaftlichen Streitereien der Verträglichkeit gedient hat, nicht dem Vertrag. Mehr der Beschwichtigung als der Verbindlichkeit. Das was ist, was sein kann und wird, hat sich über das Handeln gezeigt.

Ich bin mit der Schrift als Gesetz noch niemals näher in Berührung gekommen, was eigentlich heisst, ich hatte noch nie größere mit dem Gesetz Schwierigkeiten, denn all meine Bürgerinnenrechte laufen über Schriftdokumente. Schrift war mir immer mehr eine geheimnisvolle Spur von etwas das abwesend ist. Buchstaben sind Stäbe um die Welt zum Klingen zu bringen. Sind Zauberstäbe, welche die Welt verwandeln.

Die Schrift entsteht aus der Erde, aus Material. Sie wird geworfen und getragen vom Wind, die tritt in Erscheinung durch das Licht. Aber auch in der Dunkelheit existiert die Schrift für uns nicht sichtbar, sondern fühlbar. Lose Fragmente noch nicht geformt und doch informiert durch iher materielle Substanz und dem Austausch mit der Umgebung.

 

Schrift als Spur I

 

Schrift als Spur II

 

 

* 30.Jänner 2019

Nachdenken über die Arbeit.

Nachdenken über die Kunst

 

Aus: Grosseltern der Inventionskunst oder Intervention in die Form. Rewriting Walter Benjamin’s „Der Autor als Produzent“ von Gerald Raunig.

… Wie steht’s aber umgekehrt mit der positiven Aufladung des Politischen in der Kunst, mit den Erfolgen einer politisierten Kunst, mit effektiven Praxen der Intervention? Walter Benjamins Pariser Auftritt in der Höhle des Löwens, an einem volksfrontnahen Institut, in dem ästhetische Qualität dem Inhalt streng untergeordnet war, ist – paradoxerweise: so scheint es – ganz gegen die krude Utilitarisierung der Kunst, gegen reine Tendenzkunst gerichtet. Und gegen jede inhaltistische Instrumentalisierung der Kunst für die „richtige Politik“ jenseits von Überlegungen über Technik, Qualität und Form. Die Tendenz, der Inhalt kann nur stimmen, wenn auch die Form stimmig ist. Die inhaltlich richtige Tendenz muß eine formale Tendenz einschließen.

Diesem dialektischen Muster Benjamins folgend meine ich, daß gerade für produktive Spielarten von mikropolitischem Reformismus dem großen inhaltlichen Entwurf, der ins Vage geht und die Subjekte, sowohl die KünstlerInnen als auch ihre „Objekte“ in den Communities, in den Vordergrund stellt, diesem großen Entwurf also die Intervention in die Form, die Veränderung der Strukturen vorzuziehen ist. Dazu ist im Sinne einer materialistischen Kritik vorab weniger zu fragen, wie ein Projekt zu den Produktionsverhältnissen steht, sondern wie es in ihnen steht. Was uns zu den von Benjamin beschriebenen Großeltern der Intervention bringt und dort vor allem zu einem, der in der Sowjetunion der späten 20er Jahre immer radikaler seine Kunstproduktion in konkrete mikropolitische Interventionen transformiert hat. …

 

… Der Seite der ProduzentInnen vollzieht sich eine neue Variante der Politisierung von Kunst durch die Erweiterung der künstlerischen Kompetenz der Entwicklung neuer Formen zur Entwicklung von mikropolitischen Organisations-Formen. Nicht in der zum Klischee verkommenen Widerständigkeit des autonomen Kunstwerks, aber auch nicht in der plumpen Tendenz des revolutionären Sujets, sondern in der Übersetzung der formalen Fähigkeiten der KünstlerInnen vom Kunstwerk auf die Organisationsformen der Gesellschaft liegt demnach die politische Bedeutung der Kunst. …

 

… Der Spezialfall des cultural worker, der „operierende Schriftsteller“ hat dabei die Aufgabe, produktive Ausgangsbedingungen herzustellen, Anstöße zu geben, Strukturen zu hinterfragen. „Tendenz“ erwächst dabei nicht aus der subjektiven Proklamation eines Besserwissenden, sie wird in den Erfahrungen der sich durch die „Literarisierung aller Lebensverhältnisse“ verändernden Wirklichkeit selbst er-lebt. …

 

… Jeder Mensch kann und soll […] in jedes von ihm produzierte Ding jenes Maximum an Genauigkeit, klarer Kontur und Zweckmäßigkeit einbringen, das bis heute nur die sich in dieser Sache hingebenden Spezialisten besessen haben, die Formsucher, die Arbeiter der Kunst. […]

Die Freude der Verwandlung des Rohmaterials in eine bestimmte gesellschaftlich nützliche Form, verbunden mit dem Können und dem intensiven Suchen nach der zweckmäßigsten Form – das ist es, was die Losung ‚Kunst für alle‘ beinhalten sollte. Jeder soll ein Künstler sein, ein vollendeter Meister in der Sache, die er im gegebenen Moment tut.“

Besonders die letzten Punkte der Aufzählung von Tretjakovs Arbeitsfeldern in der Kolchose verweisen auf die Bedeutung der Medien Zeitung, Radio und Film für seine Konzeption einer Kunst für alle: Von der Liquidierung des Analphabetentums über die Wandzeitung bis zur Wandlung des einfachen Arbeiters in den Korrespondenten der Pravda, das war das Konzept, das Walter Benjamin wohl ein wenig voreilig schließen ließ, in der Sowjetunion komme die Arbeit selbst zu Wort. …

 

… In der Beschreibung des Tätigkeitsfelds Tretjakows als Großvater der Intervention zeigt sich jedenfalls deutlich, was für Benjamin und auch für mich die wichtigsten Kategorien einer nichtinhaltistisch verstandenen Interventionskunst sind:

Die Tätigkeit der InterventionistInnen liegt erstens eindeutig im Präproduktiven, also neben und vor allem vor dem Werkcharakter. Das bedingt ein weitgehendes Ausfallen der Ausstellbarkeit von Produkten, des Zirkulierens im Kunstmarkt, der Notwendigkeit von Vermittlung. Sie hat zweitens mit Eingriffen in die Form, in die Strukturen eines mikropolitischen Felds zu tun. Statt einer Arbeit an Produkten muß sie die Arbeit an den Mitteln der Produktion sein. Drittens ist über die mikropolitischen Effekte hinaus der Modellcharakter maßgeblich, der anderen ProduzentInnen einen verbesserten Apparat zur Verfügung stellen, sie zur Produktion anzuleiten vermag. ….

* 23.Jänner 2019

Obwohl Österreich einen Innenminister hat, der sich so äußert:

„Ich glaube immer noch, dass der Grundsatz gilt, dass das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht.“, verspüre ich zeitweise, wie sich eine prächtige Blüte der Melancholie tief in meinem Bauch entfaltet.  

 

* 22.Jänner 2019

beinah himmelblau (SH)

* 31. Dezember 2018

 

Sci-Fi Lullaby: from the performance. Photos: Franzi Kreis.

* 26. Dezember 2019

 

Sci-Fi Lullaby: from the rehearsal. Photos: Franzi Kreis.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

* 21. Dezember 2018

Sci-Fi Lullaby Invitation

(Letter to the visitors of the Sci-Fi Lullaby – First Tunes)

Dear visitor,

This morning at 9.30, another visitor was unexpectedly already here. A colleague, namely, who uses the room in the morning hours. I left my work or writing traces from the previous day just like that in the room. I did not know that someone else was using the room. Fortunately, my tracks were not disturbing. She had enough space for her body practice.

Suddenly she takes me by the hand. She leads me to the piece of paper that I placed on the floor by the entrance: EVERYTHING THAT IS MANIFESTED IN THIS SPACE OR MANIFEST IS WRITING. These words, she said, have touched her so special this morning. Suddenly she had the feeling that all things, the light and the sounds, could have messages for her. As if her heart suddenly … We both laugh. We recognize ourselves in a complicity.

Now, as I write this down, I remember how, as a teenager, I maintained a secret practice with 2CV cars, the so-called „ducks“. If I saw a green duck on my way through the city, that would bring me happiness in general. On the way to school this was often associated with good or bad grades. If I saw a „red duck“, that would bring me luck in love. Needless to say, I was an often unhappy and potentially always in love teenager.

 

The meeting with my colleague, filled me with joy. I was not sure if this message makes sense to other people. For me it is an attempt, how I invite visitors like you, as quickly as possible to another view, another perception.

For me, who examines a writing that emerges from a gesture, a movement, an arousal, this notion of writing, of things, connects with a vibration, a constant appearance and dissolution of meaning. This meaning, beyond the concrete meaning and usefulness, is essential. And anyone who deals with body, space and time with choreography and performance (which we also produce in everyday life) can know, what I mean. Because s/he experiences again and again, how a gesture too much or too little; a thing placed differently; determines a tension, indefinitely, and can fundamentally change an event. Even if logical explanations can justify one or the other. We humans make sense, faster than we often realize.

In addition to all the experiences that register, shape and shape our behavior, which in turn shapes the world (as we do in many ways today, in the Anthropocene, climate change and, not least, with turbo-capitalism as major factor for the situation in which we find ourselves), we also have our senses, which are active all the time and with whose help we orient and align ourselves at every moment.

With Sci-Fi Lullaby I want to reduce the visual input to activate the other senses and thus a different perception. I think we need a different perception to be able to think differently, to be ready for a future to come. These are the great thoughts that are the reason for this intimate gathering and that have fundamentally informed this first sketch. It is also an attempt to offer a playful moment of effortless freedom and to approach the promise of aesthetic experience which, with Jacques Rancière, is a game of abolishing the contrast between form and matter, between activity and passivity. And that adds: It is the abolition of the antagonism between a full humanity and a subhumanity. I want to fully agree with this abolition again and again. I am busy day and night, how these thoughts can manifest. I pursue curious, excited, often stunned their tracks, their disappearance and emergence. How they support and strengthen me and accompany my artistic practice.

When bodies write the space, they touch each other. The light touches the surface and we can see because our eyes are touched with light. A pressure changes the sound waves in the room and this pressure continues in our inner ear. Just as with temperature and our skin, or our taste. We hear, feel, see something that connects with our own experiences and thus speaks to us. Like reading these letters here.

So my question to you would be: which experiences, thoughts, conversations are evoked for you in this room, this time?

I look forward to these encounters and our exchange!

Cordially, Sabina

 

 

* 20.Dezember 2018

 

 

o.T. (Sci-Fi Lullaby, SH)

 

Übersetzung (SH)

 

not lost, but dreaming (Sci-Fi Lullaby, SH)

 

* 15. Dezember 2018

 

 

SCI-FI LULLABY: LASS UNS DAS BESTE VON DEM GEHEIMNIS, VON DEM WIR NICHT WISSEN, DASS WIR ES HABEN, IN DIE ZUKUNFT TRAGEN.

 

*

Oder aber, das ist klar, man muss das Lesen als das verstehen, was nicht zu entziffern ist: sondern das Berühren und Berührt-Werden, es mit den Massen des Körper zu tun zu haben. Schreiben, Lesen, eine Frage  des Tastens. Aber auch das muß klar sein – unter der Bedingung, dass sich das Tasten nicht konzentriert, nicht wie die Berührung bei Decartes – eine Unmittelbarkeit bansprucht, die alle Sinne und „den“ Sinn miteinander verschmelzen ließe. Auch die Berührung, vorallem die Berührung ist lokal, modal, fraktal.

(Jean Luc Nancy, corpus)

You are real (SH)

*

Sicherlich heisst Körper, dass man schreibt, doch keinesfalls das, wo man schreibt, und der Köper ist auch nicht, was man schreibt – sondern immer das was die Schrift entschreibt.

Es gibt Entschreibung nur durch Schreiben, doch das Entschriebene bleibt jener anderer Rand, den die Entschreibung hartnäckig  und unaufhörlich als ihren anders-eigenen Rand kennzeichnet, wobei sie stets auf einen Rand hinzeichnet. Ein Körper ist der anders-eigene Rand jenes Schreibens: Ein Körper (oder mehr als ein Körper, oder eine Masse, oder mehr als einen Masse) ist also der Umriss, das Nachziehen und die Spur (hier, seht, lest, nehmt, hoc est enim corpus neum…)Von jedem Schreiben ist ein Körper ein Buchstabe, und doch ist er nie Buchstabe, oder: er ist zurückgezogener, dekonstruierter als alle Literaliät, eine Buchstäblichkeit, die nicht mehr zu lesen ist. Was von einer Schrift, ureigens von ihm, nicht mehr zu lesen ist, das also ist ein Körper. (Jean Luc Nancy, corpus)

*

… Hélène Cixous‘ „blindem Schreiben“, einem Schreiben, dass jede zentrierte Perspektive aufgibt und so eine Textur entwickelt, deren utopisches Potential durchquere Verbindungen von Bedeutungen entsteht. Cixous’ begleitet mich mit ihrer bewegende Erforschung der „seltsamen Wissenschaft des Schreibens“. In Anlehnung an ihre 3 Stufen des Schreibens „School of the death“, „School of the dreams“, „School of the roots“ wende ich mich wieder und wieder dem Körper. Der Choreographie. Des Schreibens von Raum und Zeit. Des Körperschreibens. Text also als formiert und formierender Körper, der berührt wie er auch berührt werden kann. Die Schrift erhebt sich damit nicht über die Welt der Körper und macht sich nicht unberührbar von der Welt der Körper, es ist unserem Verständnis nach zutiefst eingelassen in die Bäuche, die Adern, die Zähne, die Haare, die Augenlider. …

* 14. Dezember 2018

 

… With the body, through it, the human subject is connected to its animality as well as the experience of exceeding it. The body proves to be the theater of thought. The dust of dead stars swirls and accumulates within it, the memory of dead material, the history of its genetic disposition. The living body, it would seem, before it sets about thinking or reflecting consciously, demonstrates itself to be the archive of humanity, as fathomless as it is fragmentary. It stretches far beyond the human—which remains one monstrous dimension—into ancient unconscious material. In it, the forgotten as well as the never-remembered aggregates. Instead of just being the museum and the ruin of a history of consciousness, it also exhibits the unconscious and never-conscious of this history. It exposes what the memory of the species has evaded. But it’s a piecemeal and encrypted exposition. With the question of the body, the subject addresses the question of its obscure past. We can call it fathomless because it stretches into the abyss of memory, which is the abyss of thought, a depth that remains bottomless. (Marcus Steinweg)

* 13.Dezember 2018

In diesem Herzklopfen. Herzzauberschuh. Der im Himmel hängt.

Mit Dir Blume werden.

Meine Rippen werden Flügel. Wie Vögel. Flügel. Wie Körbe. Flügel, wie Köpfe. Flügeltüren mein Herz. Da zieht es ein und aus und bringt in diesem kleinen Garten, die Maulwürfe zum Vorschein. Maulwürfe sind auch diese Worte. Sie kommen aus der Erde hervor. Nicht alles aus der Erde ist giftschlangiges Unwesen. All die häßlichen, vielbeinigen, vieläugigen, blinden Wesen. Sie orientieren sich in der Dunkelheit, sie sind kostbar. Sie wissen mit Gift umzugehen. Sie schmücken unsere Toten und lassen die Erde fruchtbar werden. Werden und Erden. Und umgekehrt. W ist Welle in der Form und im Wesen des Buchstabens, im Wesen der Form. Das gab es noch ein Wort, das scheint. Ahh! Worte scheinen sowieso. Worte, die dunkel sind haben erst einen Klang. Sie heißen Musik. Sing. Sink. Ist in mir ein Lied? Sind mir ein Beben? Erdbaby.

Oh immer großes Zauberpoem hier heraus gekrixelt. Ich. Man glaubt es nicht. Wir das Volk aus Armen, Organen und Beinen sind aus Fasern, Zähnen und

Finding my way to love (Sci-Fi Luulaby, SH)

 

 

* 09. Dezember 2018

 

SciFi Lullaby Probe (SH)

 

Eine Inspiration dafür, Verdorbenes als Aufgabe und als Gelegenheit zu betrachten kann das I Ging das altchinesische Buch der Wandlungen sein, das aus vierundsechzig Bildern oder Hexagrammen besteht. Das achtzehnte davon, gu, bedeutet die Arbeit am Verdorbenen. Von da aus habe ich den Prozess „was wird versteckt – ignoriert – verdrängt?“ Entwickelt. Als Wärmewesen können wir, sofern wir das wirklich wollen, mit der Hitze des Engagement Elend überwinden, Drück in Gold verwandeln. Ja, wir sind Verwandelt, in einem Feld des Wandels, dass sich vom Physischen Feld in eine innere Welt des Psyche erstreckt, vom unsichtbaren Feld der Haltungen und Vorurteile zum Feld der Entscheidungen und des Handelns: Im Prinzip ist niemand außerhalb dieses Feldes.

Das ist ein zentraler Ansatz auf dem Feld der sozialen Plastik, wie ich es interpretiert und entwickelt habe. Auf einer inneren Ebene geht es darum, Fragen, Unsicherheiten ja sogar Zweifel zu generieren. Zweifel ist nichts Schlechtes, wenn man damit arbeitet. Was beide – Fragen und Schwierigkeiten – tun, ist, die Seele zum Sprechen zu aktivieren. So „Belüften sie die Seele und ermöglichen, dass Samen der Einsicht wachsen.

(Shelley Sacks & Hildegard Kurt, Die rote Blume.)

 

 

* 7. Dezember 2018


It’s alright. (SH)

* 6. Dezember, 2018

Wie wohl unsichtbar, formen Gedanken, Denksysteme und die Art wie wir sehen unser Leben, von den immateriellen Haltungen und Entscheidungen bis hin zu den unzähligen festeren Formen, die wir fortwährend hervor bringen: Gebäude, Transportsysteme, Ausbildungsformen, Muster des Energieverbrauchs, Wirtschaft und Staatsformen.

Wir können diese verdichteten Formen auf vielerlei Weisen auflösen und umgestalten – etwas in dem wir neue Formen planen und entwickeln, Massen widerstand ausüben oder Betonwände niederreißen. Aber vieles davon wird auch im immateriellen Feld getan. Wir überdenken, was ist, stellen us vor wie es anders sein könnte. Doch wenn wir wie Einstein sagte, die Probleme mit demselben Denken lösen wollen, das sie verursacht hat, reproduzieren wir das bestehende. Daher ist es nötig, in dieses immaterielle Feld wie in einem Arbeitsraum hinein zu gehen, um so der Struktur unseres Denkens zu begegnen, zu sehen was wir sehen, unsere Annahmen und Formen von Logik überdenken. Wie wenn Entscheidungsträger, bevor sie Dekrete erlassen, einen solchen Prozess durchliefen – ihre Annahmen über die Welt, ihre Wahrnehmungen und Gefühle in den Blick nehmen und über die Linsen. Nachdächten, durch die sie schauen? Wie anders fielen dann wohl ihre Entscheidungen aus, und wie anderes würden sie mit diesen Fragen arbeiten. (Shelley Sacks & Hildegard Kurt, Die rote Blume)

 

* 2.Dezember, 2018

SCI-FI LULLABY: LASS UNS EIN GEHEIMNIS, VON DEM WIR NICHT WISSEN, DASS WIR ES HABEN, IN DIE ZUKUNFT TRAGEN.

 

Foto: Sabina Holzer, Strasshof an der Nordbahn

Foto: Sabina Holzer, Strasshof an der Nordbahn

Schreib ein Gedicht zu den Geheimnissen, von denen Du nicht weisst, dass Du sie für Deine Vorfahren hütest.

Tu es mit Deinem Körper an einen bestimmt Ort im Raum.

Tu es mit Deiner Stimme zu einer Person oder einem Gegenstand im Raum.

Tu es mit Stift und Papier und plaziere es im Raum.

* 28.November, 2018

In die Landschaft tauchen:

  • Ausrichten mit Deinem Zentrum und Deiner Vorderseite um einen guten Kontakt zu ermöglichen.
  • Drehe Dich selbst in der Vorstellung, so daß alle Seiten von Dir in Berührung kommen.
  • Spüre, wie alle Deine Poren der Haut mit dem Raum, den Dingen, dem Sichtbaren und Unsichtbaren in Berührung kommen.
  • Lass diese Berührung in Deine Wirbelsäule sinken.
  • Spüre Deine Füße auf dem Boden. Spüre wie sie durch die Oberfläche auf der sie stehen oder ruhen und in die Tiefe des Bodens sinken, Kontakt aufnehmen.
  • Wenn das Telefon läutet, überlege, ob es wichtig ist. Wichtig bedeutet zum Beispiel, ob es die NAchricht sein könnte, dass jemand gestorben ist oder beinahe. Wenn eine solche Nachricht ins Haus steht, hebe ab. Freu Dich, wenn niemand gestorben ist. 

Foto: Sabina Holzer. Gerlitzen, Nov. 2018

* 26.November, 2018

Ich bin durch den Wald gegegangen. Erst Straßen, dann Häuser. Naße Straßen. Kraße Straßen. Aber. Möglich in den Wald abzuzweigen. Den Zeigen zu folgen. Oder besser den Vöglen. Ihrem SIngen. Ihrem eigenartigen Knurren und Rufen. Gelbe Zirben zirpen mir vom Boden zu. Alles glänzt und ist feucht vom Regen. Dunst. Nebeldunst. Nebelkunst. Kunstdunst.

Foto: Sabina Holzer. Gerlitzen, Nov. 2018

* 25. November, 2018

Traum von 31.10.: Ich bin in einem Haus. Ich gehören nicht ganz dazu, bin aber doch willkommen. A. ist auch dort. Sie sagt: „Ich bin voll auf spazierengehen drauf.“ Ich sage: „Sie ist voll drauf.“ Wir kichern die ganze Zeit rum. Ich habe einen Stift und soll schreiben. Nur kurz und flüchtig, aber doch wichtig. Vielleicht werde ich dann dazugehören. Mein Vater. Ich habe einen Stift aus schwarzen Glas. Das obere Ende ist abgeschrägt. Ich drehe den Stift und schaue ihn mir genau an. Oben an der Schräge hat der Stift ein Loch. Licht schient hindurch. Das ist meine Metapher für den Tod, spüre ich. Für meinen Vater. Wie soll ich das beschreiben? Wie soll ich das beschreiben? Ich nehme das, was da ist – meinen Stift. Dieses Loch, diese Öffnung. Ist es ein Loch oder ein Übergang? Die Ränder sind mit Licht durchdrungen.

* 24.November, 2018

in dieser liebe zur sprache sie rettet hat mich wieder und wieder gerettet und diese liebe zur sprache die schon war bevor sie mich gerettet hat weil sie wundervoll ist diese sprache so ein zauberstab und licht und dunkelheit zugleich und so weiter in dieser liebe zur spache diesem halbschlaf diesen traum zwischen wirren wörtern diese körper diese schrift diese spur des denkens des bewegens auf dem weg sich zu formen dieses flüstern und kratzen diese erfahrung des schwungs im schreiben deswegen ist die schrift die spur einer intimen erfahrung die spur des tanzenden körpers (aus den Notizen kopiert) 

 

* 18.November, 2018

Schreiben ist Selbstenteignung und Selbstentleerung. Das Subjekt gibt seiner Leere Raum. Es gibt ein Subjekt nach dem Tod des Subjekts, es hat es immer gegeben. (Marcus Steinweg zu Margarete Duras) 

 

Schreibe einen Kommentar