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*23.05.2019

Und immer noch ist Donnerstag


…Sei wieder links, Linke! Damit wir dich nicht ganz verlieren…
Komm, liebe Linke von Helmut Ploebst

 

*20.03.2019

From dance we learn that matter is not stupid, it is not blind, it is not mechanical, but it has rhythms, has its language, and it is self-activated and self-organzing. Our bodies have reasons that we need to learn, rediscover, reinvent. We need to listen to their language and rythms of the natural world as the path to the health and healing of the earth. Since the power to be affected and to affect, to be moved and to move, a capacity which is indesttuctible, exhausted only with death, is constitutive of the body, there is an immanent politics residing in it: the capacity to transform itself, others and change the world. (Silvia Federici)
Found during
  ROKSOLL

 

*16.05.2019

Es ist wieder Donnerstag!

 

*14.05.2019

(Aus dem Tanz geschrieben)
die welle. der raum. das gefühl fühlen.
endlich. so ein sei.
bin. mit dem atem ein bisschen blind.
sehend mit dem zwischen.
nimmt sie. hat ein ohne zeichen.
jetzt ein knaspe.

knospe. knüssen. keilen. kelche.
verschenken.
leben. leber. leben. lesen.
annehmen.

kann doch im ganzen
mit dir erst.
nicht nur wegen.
so soll sein welle. verwellen und verweilen.
dieses kleine entgegen der anderen
knacks und gebensgelb.

was ich will ist unwichtig. geschenkt.
auch das wollen der 8

 


*10.05.2018

 

Aat Hougee:
„…the most beautiful thing about art and especially about dance for me is, that it is able to give the objective information only through including the most subjective: through the dancers personality…“
„… They created a dance language which is less defined by form than in terms of process… This choice has immense consequences as a defined form can be copied and even be used without exactly knowing the process that led to this form. A dance approach that has an open form can only be copied through copying the process. …“


*01.05. 2019

1. Das Territorium, so schreiben Gilles Deleuze und Félix Guattari im Ritornell-Plateau von Tausend Plateaus, ist »ein Akt, ein Handeln, das auf Milieus und Rhythmen einwirkt, das sie ›territorialisiert‹. Das Territorium ist das Produkt einer Territorialisierung von Milieus und Rhythmen«. Es geht weniger um ursprüngliche räumliche Einheiten und deren Statik, Fixierung und Verteidigung, als um Prozesse der Markierung, der Reterritorialisierung einerseits und der Deterritorialisierung andererseits. Dieses ›Einerseits – Andererseits‹ ist keinesfalls als harter Gegensatz zu verstehen. Deterritorialisierung – Reterritorialisierung, Zerstreuung – Versammlung, Glättung des Raums – Kerbung des Raums: nicht als Opposition, sondern als Abwechslung, Komplementarität, Gleichzeitigkeit, Ineinanderübergehen. Ein wiederkehrender Gesang, der nicht das eine oder das andere dämonisiert oder denunziert, weder die Deterritorialisierung als reine Zumutung der existenziellen Unstetheit, als inkontinente Zerstreutheit, als postmoderne Form der Ausbeutung, noch die Reterritorialisierung nur als Verengung, Reduzierung und Rückzug. Und zugleich enthält sich dieses Ritornell auch der unkritischen Affirmation und Romantisierung, sowohl was die Deterritorialisierung als herrschaftsfreie Vorwärtsbewegung ins Offene betrifft, als auch in Bezug auf die Reterritorialisierung als Rückkehr in den heimatlichen, sicheren Schutzraum.

2. Jeder Versuch, Deleuze’ und Guattaris Verhältnis zu zeitgenössischen Kunstpraktiken zu verstehen, führt zu einer unmittelbaren Konfrontation mit dem mannigfaltigen und vielschichtigen Bereich der zeitgenössischen Kunst. Nichtsdestotrotz gibt es drei Aspekte der zeitgenössischen Kunst, auf welche sich Deleuze und Guattari (in ihren Arbeiten sowohl gemeinsam als auch jeder für sich) direkt beziehen: 1) die zentrale Position der Photographie, sowohl im konzeptionellen als auch im praktischen Sinne; 2) die unvermeidliche Allgegenwärtigkeit der digitalen Technologie; 3) Duchamps Readymade und der „conceptual turn“ bzw. das, was auch als post-konzeptionelle Praxis bekannt ist. In dem wir Deleuze’ und Guattaris Reaktion auf diese Axiome nachverfolgen—und manchmal auch vorwegnehmen—werden wir in die Lage versetzt, einige ihrer Sichtweisen auf die heutige Kunst zu erschließen. Außerdem erlaubt uns dies, einige alternative Ansätze zur Kunstgeschichte zu entwickeln, mit deren Hilfe sich diese Aspekte zeitgenössischer Kunstpraktiken erklären lassen, Genealogien, die, während sie häufig ihren Anfang an vertrauten Orten nehmen (Photographie, Duchamp, Benjamin), diese Praktiken doch in unerwartete Richtungen lenken, die häufig schlecht zu unserem Verständnis zeitgenössischer Kunst passen. Mit anderen Worten, wir machen uns auf zu einer minoritären zeitgenössischen Kunst.  (http://www.performancephilosophy.org/journal/article/view/188/264)

*30.04.2019

SUSPIRIA
by Luca Guadagnino.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/choreograph-damien-jalet-im-interview-zu-suspiria-15914299-p3.html

Die Mutter der Seufzer von Helmut Ploebst auf corpus

 

*27.04.2019


The Future Body at Work (by Kasia Wolinska and Frida Sandström)

… If the future is within us, our bodies are engines for the present. The body’s history is a network of stories about shaping: the constitution and subjugation of the body to and through regimes and ideologies. The body is the site of the unfolding of ideology, through aesthetics, norms, and the gendering and racialization of the flesh. The body has remained at work throughout the development of civilization: mediated, extended, and organized by multiple technologies and philosophies. In order to bring the history of dance back to visibility, we encourage a continued reflection on the historical, present, and future conditions of the body at work. By proposing a vocabulary developed from within the discipline of dance, we drift away from the prevailing systems of knowing that render the body absent, obscure, or singular. If the aspects of the world that we nurture into the future are shaped by how we understand and tell the past, our inheritances are manifested through the stories we tell—stories that transform us and our communities and that become a foundation for our future becoming. …
https://www.e-flux.com/journal/99/263557/the-future-body-at-work/


*26.04.2019

…Du liebst zu heftig. Das besetzt die Mitte und zwängt Deine Stärke Deine Stärke hinaus. Wenn Du in Deiner Mitte arbeitest und am Rand liebst, wirst Du am Ende besser lieben. Du wirst großzügiger geben, ohne aufzurechnen und was Du bekommst, wirst Du genießen. (Marge Piercy. Er, Sie und Es, S.70)

 

*24.04.2019

(Aus dem Tanz geschrieben)
Das ist ein wenig eine endlose Zeit.


Langsames Sinken. (SH), 23.04.2019

Langsames sinken. Hier schweben.
Diese Musik, diese Geräusche. Was wird das werden?
Das Werden in einer Hand. Mit fünf Fingern. Diesen Dingern. Diesen Glöckchen,
diesem Glitzern, diesen Verursachern. Wie meinst Du das?
Ich meine: Berührungen, Verführungen. Wo führt das hin?
Berührung. Rühren. Mischen und Mengen. Die Vermengung meines Rückens, den ich nicht mal sehen kann, mit dem Raum. In einer ersthaften Stille. In einer freundlichen Gesetztheit. Natürlich. Ich sitze ja auch hier. Ich bin in einem fremden Land.
Was ist der Traum? Eine schöne Scheißerei. Das Denken ist schneller als das Schreiben. Die Schrift vergeht. Der Gedanke diktiert das Wort. Aber was macht das Wort am Ort? Es lässt einen Raum entstehen. Es sind die Bilder, die die Worte sind. Es ist ein Nachhausekommen. EIne zarte Anwesenheit im zu Hause. Mehr nicht. Und das könnte genug sein.
Der Rest wollte herum. Wo ist das rundherum?
Ist das Gestern im Heute? – Versteckt? Offensichtlich? Bereitwillig? Aufmüpfig? Vergeblich? Verbindend? Hinausweisend? Darüber hinaus. In der Zukunft?
Zukünftig schon davor? Schon immer?

Kann das Heutefeld mit den Gesternsamen Morgenblühen?

*23.04.2019

Protest gegen die Abschaffung der Mindestsicherung

„Es wird oft von der sozialen Hängematte gesprochen, wenn Menschen es sich angeblich auf Kosten des Staats zu gut gehen lassen und sich daher gehenlassen können. Aber eine Hängematte, zumindest die meiner Kindheit, besteht aus Schnüren, dazwischen nichts als Löcher. Und jetzt wollen sie auch noch die dünnen Seile dazwischen kappen. Es folgt das Nichts. Das Netz wird immer schleißiger gemacht, damit es von außen immer weniger  einladend aussieht. Aber immer mehr müssen hinein, mitgehangen, mitgefangen, mit Ausländern, mit Fremden, die sie für uns sind. Das angebliche Wohlbehagen, mit dem sich Menschen in dieser Hängematte eingerichtet haben (während sie doch den Abgrund darunter immer gespürt haben), es war keins. Man kann kein Wohlgefühl haben, wenn die Maschen sich jederzeit öffnen können, der wacklige Boden aufgetrennt wird, und man ins Bodenlose stürzt. Das ist jetzt mit der Kürzung der Mindestsicherung geplant, punktgenau als Ausgangspunkt für diese sogenannte Sozialstaatsreform. Doch je mehr Daten erhoben werden, desto weniger können sich die dazugehörigen Menschen, die eben nicht dazugehören sollen, aus ihrer Armut erheben, denn diese Regierung steht den Daten vollkommen gleichgültig gegenüber, es könnten auch ganz andre Daten sein, mehr oder weniger, sie werden ignoriert. Hauptsache, es wird den von ihnen Erfaßten, die man gar nicht wirklich erfassen will, die Luft abgeschnürt. Bisher haben die Löcher noch halbwegs zusammengehalten, ab und zu geflickt, aber es ging noch irgendwie. Jetzt aber sollen die Schwächsten uns aus den Augen geschafft werden, wie lebende Tote, sie sind da, werden aber nicht mehr zur Kenntnis genommen. Diese Regierung führt vor, wie wir die Armen zum Verschwinden bringen können, denn sie zählen nicht mehr, obwohl sie doch ständig gezählt werden. Aus den Augen, aus dem Sinn. Verschwunden. Für uns und für sie selbst, denn mit dieser neuen Mindestsicherung, die zumindest das Wort Sicherung sofort streichen sollte, sind auch die Menschen abgeschafft, weil sie, ständig über dem Abgrund hängend, nicht mehr leben können. Alles mindestens neu, wenn nicht zumindest neuer, mindestens.“ Elfriede Jelinek
https://www2.sosmitmensch.at/elfriede-jelinek-gegen-den-sturz-ins-bodenlose


*21.04.2019

Spaziergang am Ostersonntag.

Sonne.
Hier ein Wald in sprießenden Zartgrün.
Hier Geruch von Trockenheit.
Hier Laub. Hellbrau grau getrocknet.
Nicht Erde geworden.

Die Erde ist hart wie Stein.
Sie kann nichts mehr aufnehmen.
Schwarze Käfer kriechen über die Asphaltstraßen.
Frisches Geäst in Bodennähe mit kleinen welken Blättchen.

Tausende Ameisen mit Larven als Unterleib schlafen in den Rillen der Bäume.
An den Sonnenseiten klettern sie geschäftig herum mit ihren weißen Eiern.
Sie überziehen die Stämme mit glänzenden Schimmer.
Es sind zu viele.

So wie wir.
Wir sind eine Plage für die Welt so wie wir leben.
Wir Menschen haben das Maß verloren.

Hier dieser sonnendurchbrochenen trockene rissige Wald im April.
Durchatmen und Aufhorchen.

*13.04.2019

Traum:

Heute Nacht war ich wieder Teil eines Projekts. Ich weiss nicht mehr, was für eines das war, das ist auch unwichtig. Wir, eine ganze Gruppe, haben in einem Haus in einer fremden Stadt gewohnt. Wir waren Gäste.

An einem Nachmittag, es ist schon gegen Ende des Projekts, dass irgendwie unwichtig geendet hat, sitzt J. im Esszimmer. Das Esszimmer ist wie eine Wirtsstube eingerichtet: hölzerne Tische und Stühle. Die Bänke mit rotem Stoff überzogen. Die Lampenhalterungen aus Holz. Eine typische österreichische Stube. J. sitzt auf einer Eckbank. Plötzlich legt er seine Beine auf den Tisch, – das ist eher ungewöhnlich. Vielleicht streckt er sich auch ausgiebig und rülpst und zieht den Rotz durch die Nase und spuckt aus. Auf jeden Fall macht er lauter Dinge, die man normalerweise nicht in einem Restaurant, einer Stube, einem öffentlichen Raum macht. Er nimmt einen Schluck vom Kaffee, spült damit seinen Mund und spuckt ihn dann in hohen Bogen durch das Lokal. Ganz wie Bruce Neumann in seinem „Selbstportrait“. (Dieses Bild und dieses Milieu passt garnicht in die Umgebung dieses Traumes. J. hat es erwähnt, als ich ihm beim Frühstück von dem Traum erzählt habe.) Alle Leute schauen zu ihm. Jede seiner Gesten sind groß, auffallend, überschreitend. Ich bin erstaunt und schockiert. Irgendwie schäme ich mich. Zugleich aber bin ich ganz fasziniert, dass er das macht. Seine ganze Präsenz ist eine Provokation und ich denke, wie unglaublich kleinlich ein geregelt wir doch leben, dass so ein Verhalten schon skandalös ist. Es zeigt unsere Enge. Unsere Enge im Verhaltenskodex. Auch in der Zusammenarbeit, die sich in dem Projekt widerspiegelt. Daran denke ich. Sein Verhalten zeigt es mir. Irgendetwas stimmt hier nicht. So wie wir arbeiten, wird nichts verändert.

Plötzlich kommt V.K.H in die Stube. Sie zieht natürlich sofort die Aufmerksamkeit auf sich ohne das sie sich auffällig benehmen muss. Aber auch sie übertreibt plötzlich in allen ihren Bewegungen, als ob sie von sich selbst eine Karikatur machen möchte. Sie stolziert herum in großen, tänzelnden Schritten, wirft den Kopf in den Nacken als hätte sie langes Haar, breitet die Arme aus, als wolle sie den ganzen Raum (zu ihr) in die Höhe heben. Sie pflückt die Plastikblumen der Dekoration ab und wirft sie in die nicht vorhandene Menge. Sie spuckt auf den Boden. Die paar Anwesenden sind schockiert, konstaniert über das völlig unpassende Verhalten der Kulturstadträtin. Wollen wir die Kunst nicht stärken? Will sie die Kunst nicht stärken? Sind wir nicht darum hier. Wir alle?

Ich bin überrascht und sehe die ähnliche Performance zwischen J. und V.K.H. Sie treffen den Nerv der Zeit finde ich.

V.K.H. rauscht durch den Raum und verschwindet. Sie hinterlässt vibrierende Irritation. Kann das sein? Macht das Sinn? Eine Person in ihrer Position?

Ein wenig später kommt sie zurück. Ich rücke auf meinem Stuhl etwas zur Seite und mache für sie Platz. Tatsächlich setzt sie sich zu mir. Sie wirkt erschöpft und angespannt. Wie ausgewechselt. Ich lege meinen Arm um ihr Schulter und frage: „Ist das okay?“ Mit ihren breiten Schultern und ihrem am Rücken tiefausgeschnitten Kleid sitzt sie neben mir. Eigentlich ist auch ihr Dekolleté tief und voll sind ihre Brüste. Eine starke schöne Frau. Ich aber spüre vor allem die nackte Wärme ihre Haut unter meinem Arm. — Natürlich ist es fragwürdig, dass ich, ganz in patriarchaler Tradition hier bei der Frau den Körper beschreibe und beim Mann nicht. Aber durch dieses körperliche Nebeneinander entsteht plötzlich so ein Miteinander, dem ich nicht anders Ausdruck zu geben weiß. –

„Weisst Du, Sabina“, sagt sie (ich bin erstaunt, dass sie meinen Namen weiss), „ich weiss nicht mehr was ich machen soll. Ich bekomme meinen Themen nicht durch. Ich bin mit meinem Auftritt hier auch nicht glücklich. Aber die Art und Weise, wie dieser Apparat läuft, wie die Medien über mich berichten, macht alles unmöglich. Jetzt hat mir die Kronenzeitung angeboten, eine Tour durch Österreich zu machen. Allein schon die Art wie sie mich inszeniert, ist so bestimmend, dass ich keine anderen Inhalte kommunizieren kann, als das was ihre Vision der Kunst ist (die der Kronenzeitung).“ Ich nicke. Ja, das ist alles verschwendete Energie, die wo anders eingesetzt werden sollte. Aber kann sie das absagen?

 

*10.04.2013

Kunstzeitung, April 2019

 

*03.04.2019

Die Elemente der australischen Geometrie sind so einfach wie effektiv: Punkt und Linie, mehr nicht. Bei ihren Wanderungen durch Ödland und Wälder entsprechen der Punkt und die Linie dem Aufenthalt und Weg; mit einem Punkt und einer Linie, die im Laufe des Jahres viele Punkte durchläuft und alle möglichen Richtungen einschlagen kann, entsteht eine große Zeichnung, die Darstellung des Schicksals. Doch hier passiert etwas besonderes: Durch den Punkt, genau an der Stelle des Punktes, kann der Mensch, ganz wie die Nadel der Schneiderin, zur anderen Seite durchdringen, zur Traumseite, und dann ändert die Linie ihre Eigenart: die Route der Nahrungssuche wird zur mythischen Wanderschaft. Was der Zeichnung des Schicksals eine dritte Dimension verleiht. Das Durchdringen des Punktes aber ist jederzeit möglich, denn es gibt keine dafür priviligierten Punkte (wie sie die Forscher in den Wasserlöchern vermuten, die aber nur das Modell des Durchdringungspunktes sind und der kann überall liegen, auf jeden Punkt des Weges) und die Route der Nahrungssuche verwandelt sich immer wieder in den mythischer Weg und umgekehrt. Die Punkte, die den Blick auf die andere Seite gewähren, haben etwas vom Traum an sich, aber nicht von der Traumzeit, sondern vielmehr von der Traumarbeit. Der Mensch tritt nicht durch eine wundersame, gefährliche Reise in die Traumwelt ein, sondern durch die tagtägliche Wanderbewegung.

Um den Punkt zu symbolisieren, führen die australischen Ureinwohner den „heiligen Pfahl“ mit sich, was nur eine Redensart ist, er hat nichts Heiliges an sich. Wenn sie in den Abendstunden haltmachen graben sie ihn, leicht geneigt wie der schiefe Turm von Pisa, in die Erde ein und zeigen so die Richtung an, die er am nächsten Tag einschlagen wird. Diese Pfahl ist mit Schnitzereien verziert, die von der mystischen Wanderschaft erzählen; er vereint die entgegegngesetzen Motive vom Aufenthalt (den der Pfahl durch die Stelle zeigt, an dem er eingepflanzt ist) und vom Weg (dargestellt durch seine Neigung und seine Schnitzereien, doppelt also, weil der Weg zwei Phasen hat, die der Nahrungssiche und die der mytischen Wanderschaft, währenddessen der Punkt nur ein einziger ist, es ist stets der Durchdringungspunkt. (César Aira, Die Gespenster, S.79 – S.80, List Taschenbuch, Berlin 2012.)

 

*05.04.2019

(Aus dem Tanz geschrieben)


Es ist mir eine Freude. Es ist mir eine Freiheit. Heit. Heut. Häute.

Meine Haut ist mein Bewusstsein. Ist das so? (SH), 05.04.2019.

 

*29.03.2019

Doch die Australier, was tun nun die Australier? Wie strukturieren sie ihre Landschaft? Sie postulieren als Erstes einen originären Erbauer, dem sie hermeneutisch gegebüberstehen: das mythische Tier, das in der Traumzeit handelte, in einer Ursprungsära also, deren Name auf die Eigenschaft des nicht Vergelichbaren verweist. Dann schlief es ein. In der Traumzeit liegen die Ursachen, deren Wirkung die sichtbare Landschaft ist. Zum Beispiel die Schlange, die durch die Erde kroch und das gewellte Terrain formte und so weiter und so fort. Diese „Snobs“, diese „alten Jungfern“, diese so merkwürdigen Aborigines machen sich die Mühe, die Augen geschlossen zu halten, während die Dinge geschehen, was ihnen erlaubt die Geschehnisse in ihrer weltlichen Form zu sehen. Was sie jedoch sehen ist eine Art Traum, und das Erwachen ist ein Tagtraum, weil die echte Geschichte (die Schlange, nicht die Hügel) sich ereignete als sie schliefen.

Die Traumzeit als Sinnstifterin oder Garantie der Stabilität der Sinne ist das Äquivalent für die Sprache. Doch wozu brauchen die Ureinwohner ein Äquivalent? Besaßen sie denn keine Sprache? Womöglich wollten sie wie die Ägypter eine Hieroglyphenschrift haben und schrieben sie mit der Erde, auf die sie ihre Füße setzen. (Cesar Aira, Die Gespenster, S.78 List Taschenbuch, Berlin 2012)

 

*20.03.2017

Nun gut, wenn das Ungebaute oder die Vermischung von Gebautem und Ungebautem als ein „mentales“ Phänomen angesehen werden kann, wie der Traum oder das Spiel der Absichten allgemein, kann das Denken seinerseits als abhängig vom Phänomen des Ungebauten angesehen werden, dessen expemplarische Manifestation das Archtektonische ist. Es gibt Gesellschaften, in denen das Ungebaute fast vollständig überwiegt, zum Beispiel bei den australischen Ureinwohnenrn, diesen, nach Levi-Strauss, „alten Provinzjungfern“. Ohne etwas zu bauen, beschränken sich die Aborigines darauf, nachzudenken und sich Tagträumereien der Landschaft hinzugeben, in der sie leben, bis sie aus ihr kraft ihrer Geschichten einen kompletten sinnstiftenden „Bau“ hergestelt haben. Dieser Prozess ist nicht so exotisch, wie es den Anschein hat. Es gibt ihn tagtäglich auch in der Zivilisation: es ist die mental city wie das Dublin von Joyce. Das führt dazu, dass man sich fragt … die ungebaute Architektur, ist sie Literatur? In den zivilisierten Gesellschaften wiederholt die Architektur ihre symbolische Funktion so lange, bis sie sie entleert hat. Wenn die primitiven nomadischen Gesellschaften die Anordnung des Lagerplatzes die Funktion erfüllte, die nicht erfüllt wurde mit dem Bau des Hauses, dem eigentlichen Geselschaftlichen also, wiederholt die Stadtplanung der modernen großen Städte, in denen die Bauwerke nach dem Wettbewerb der Gesellschaft in allen ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten verlangen, eine schon erfüllte Funktion und verliert sie am Ende (und zwar indem sie stattdessen eine Funktion polizeilich-symbolischer Art übernimmt). Sie sollte sich eingestehen, dass sie dort eine „vakante Symbolik“ zurücklässt, eine von keinem aktuellen Bedürfnis besetzte Symbolisierungskraft. Man könnte dabei an die Niasser und ihre zwei Gottheiten denekn, die Zwillinge und Antipoden sind: Lowalani, der die positiven Kräfte, und Latura Dano, der die negativen Kräfte verkörpert. Den Niasser zufolge ist eine Welt eine Schichtung von neuen übereinanderliegenden Ebenen, in deren obere Schicht sich Lowalani aufhält, der mit seine namenlosen Gemahlin schläft (nennen wir sie Patri) einer vermittelnden Kraft.

Das Dorf der Niasser „repräsentiert“ in seiner siedlungsordnenden Anlage diesen Bau, natürlich dergestalt, dass, sagen wir, rechts hoch bedeutet und links tief, oder wie auch immer. Nun würde das Wohneigentum, die Wolkenkratzer, die die Niasser nicht gebaut haben (wenn schon nur in einer Negation des Ungebauten), die Symbolik direkt präsentieren. Woraus sich schließen lässt, dass ein Bau stets einem Nichtbau entspricht. Sie stehen in einer Reihe mit kleinen, mit Menschen- und Tierfiguren vollgestopften, hübschen mehrstöckigen Häusern, die die Eingeborenen Mada gaskars als Spielzeug basteln. Wenn diese Modelle etwas darstellen, dann ist es das „Kinderhaus“, eine weitere Form des Ungebauten. (César Aira, Die Gespenster, S.71 – S.76 List Taschenbuch, Berlin 2012)

 

* 17.03.2019

Es war ein stiller Traum, ohne beunruhigende Prophezeiungen und ohne Erfindungen, in etwas so wie eine Bestandsaufnahme. Irgendwie gibt es zwischen Traum und Wirklichkeit einen Unterschied, der umso augenfälliger ist, desto weniger das eine im Kontrast zum anderen steht. In diesem Falles spiegelte sich der Unterschied in der Architektur wider, die ja schon an und für sich Wiederspiegelung ist zwischen dem, was gebaut ist, und dem, was gebaut wird. Und die Brücke der Spiegelungen war ein Drittes, das in der Materie praktisch alles ist: das Ungebaute.

Das Ungebaute ist charakteristisch für die Künste, die in ihrer Realisierung die bezahlte Arbeit einer großer Anzahl von Menschen benötigen, den Kauf der Materialien, die Benutzung teurer Werkzeug usw. Der typische Fall ist das Kino: Jeder kann sich einen Film ausdenken, aber das Wissen um die Hindernisse, die sich vor seiner Realisierung auftürmen, sorgen dafür, dass neunundneunzig von hundert Filmen nicht gedreht werden. So dass man sich fragen kann, ob nicht diese riesigen Hemmnisse – die durch die Fortschritte der Technologien keineswegs geringer geworden sind, eher das Gegenteil – einen wesentlichen Teil des Zaubers des Kinos ausmachen, ist es doch paradoxerweise wenigsten als Tagträumer für jedermann erreichbar. Mit den übrigen Künsten verhält es sich mehr oder weniger genauso. Doch wäre auch eine Kunst denkbar, bei der sich die Beschränkungen durch die Wirklichkeit auf ein Mindestmaß reduzieren, bei der Getanes und Ungetanes miteinander verschmelzen, eine im Augenblick Wirklich werdenden Kunst, ohne Gespenster. Vielleicht gibt es sie ja und es ist die Literatur.

In diesem Sinne beruhen ihrerseits alle Künste auf einer in ihrer Geschichte und ihren Mythos eingewobene literarische Grundlage. Die Architektur macht da keine Ausnahme. In den fortgeschrittenen oder zumindest alteingesessene Zivilisationen bedarf der Haubau des Zusammenspiels verschiedener Gewerke: Maurer, Zimmerleute, Maler usw. In den nomadischen Kulturen hingegen wird die Behausung von einer einzelnen Person gebaut, fast immer der Frau. In diesen Fällen ergibt sich das Soziale, die unvermeidliche symbolische Dimension, aus der Stellung der Behausungen auf dem Lagerplatz. Bei der Literatur wiederum ist es ganz ähnlich. Es gibt Werke, bei denen der Autor in einer symbolischen Zusammenziehung auf die reale oder virtuelle Mitarbeit aller Spezialisten seiner Kultur zurückgreift, und es gibt Werke, die von einem allein (der bei diesem Anlass Frau wird) ohne fremde Hilfe erschaffenen werden und bei denen das Gesellschaftliche durch die Stellung innerhalb der eigenen und fremden Bücher, durch das periodische Erscheinen und so weiter seinen Ausdruck findet.

In Patris Traum ging die Architekturanalogie noch ein Stück weiter. In Afrika gibt es eine drollige Ethnie von Zwergmenschen, die Mbutu-Pygmäen, die kein Oberhaupt keine Hierarchie kennen. Jeder macht seins, und alle tun, ohne des Drama, was für alle getan werden muss. Sie leben in nicht eben großen Gruppen, um die zwanzig, dreißig Familien. Wenn sie sich entschließen, ihren Lageplatz aufzuschlagen, dann tun sie das auf einer Lichtung, in ringförmiger Anordnung, wie sie, den Anthropologen zufolge, typisch für egalitäre Gemeinwesen ist. Die Hütten bilden einen Kreis mit einer leeren Mitte. Manchmal träumen auch Anthropologen. Denn wie kann man diesen Kreis überhaupt sehen außer vom Flugzeug aus? Überflüssig zu erwähnen, dass die Mbutu-Pygmäen nicht fliegen; wenn sie hätten fliegen müssen, wären sie mit Flügel geboren. Andererseits ist es fraglich, ob die Mitte leer ist, wie dich in ihr der Raum ist, der sie erst zur Mitte macht. „Wer von der Mitte spricht, wird von allen gehört“, sagen die Anthropologen, mit unfreiwillig komischen Bezug auf die Traum-Bauchredernerei. Die Mbutu-Hütten sind Isotopenschalen, bei denen sich an jedem Punkt ein Loch auftun kann; das Einzige, was die Mbutu auftun, ist die Tür, sie öffnen sie in Richtung der Nachbarn, mit denen sie sich am besten verstehen. Aus diesem oder jenem Grund verträgt sich die Dame nicht mit der Frau Nachbarin? Kein Problem, sie machen die Tür dicht und eine andere auf, mit Blick auf die Nachbarin auf der anderen Seite. Die Forscher, die diesen Zusammenhang erkannt haben, sind nicht bis zur letzen Konsequenz dieses Systems vorgedrungen: dass nämlich der wirklich kollektive Mbutu in einem Haus wohnen würde, das ganz Tür ist, also ohne Haus, und dass umgekehrt das fertige, vollständige Bauwerk auf Feindschaft gründet.

Gegenbeispiel sind die Buschmänner. Auch sie sind Nomaden, und auch ihr Lagerplatz ist ringförmig, Nur dass in der Mitte ihres Rings etwas steht. Sie gruppieren ihre Hütten um einen Baum und unter dem Baum baut der Häuptling sein Häuschen. In der Tür seines Häusschens entzündet der Häuptling ein Feuer. Was bei den Mbutu fehlte, war nicht die Mitte, sondern ihr Symbol. Vom Fehlen des Symbols bis zu seinem Dasein bedarf es einer symbolischen Akkumulation: Baum, Häuptling, Feuer… Warum nicht eine Rose, eine ausgestopfte Giraffe, ein Bootswrack, ein zufällig auf dem Ohrläppchen eines Nazis sitzendes Moskito, ein Platzregen und eine Replik der Nike von Samothrake?

Diese kleinen Schwarzen sind amüsant, aber bei den todernsten Zulus, die Jäger und Krieger sind, ist es nicht anders. Wer das zweifelhafte Vergnügen hatte mit ihnen zusammenzustoßen (wie beispielsweise der Sohn von Kaiser Napoleon III und Eugenio des Montijo), kannn bestätigen, dass in ihrer Schlachtordnung die Männer im Halbkreis stehen, konkav zum Feind, den sie, bevor sie ihn vernichten, „einwickeln“. Die Methode ist der Art nachgebildet, wie die Zulus jagen. Und so ordnen sie auch die Hütten auf ihren Lagerplätzen an, in einem konkaven Halbkreis. Zwischen den beiden ersten Ebenen, von der Jagd zum Krieg, gibt es einen Übergang von der realen zur symbolischen Ebene, ohne das das Praktische bei ihnen verloren geht. Nicht etwas, dass eine Ebene der anderen nachfolgt, sie könnten auch zeitgleich existieren; ein Zulu könnte sogar auf die Idee kommen, ein wohlgenährtes Zebra nach dem System zu jagen, das sich als Herrschaftsprinzip bewährt hat. Was den Lageplatz betrifft, das Architektonische, gebaut oder nicht (denn man darf dabei auch nicht nur an die Hütten denken, sondern muss auch die Interpretationen und Absichten miteinbeziehen), so stellt er eine Rückkehr des Symbolischen zum Realien dar, weil das Leben real ist und die Zulus, außer jagen und Kriege führen, auch leben müssen, wobei man annimmt, dass sie dies unfreiwillig tun, ohne es sich vorzunehmen, so, wie man träumt. Die Leere in der Mitte ihrer Dörfer erzeugt einen blutigen Sog, Eleganz pur.

Der sich Analogien verschließende architektonische Schlüssel der Alternative gebaut/umgebaut ist die Flucht der Zeit in Richtung Raum. Diese Flucht ist der Traum. (Weshalb Patris Traum nicht aus einer Laune heraus Architektur war.) Außer in Fabeln schläft man in einem Haus. Selbst wenn das Haus noch umgebaut ist. Diese Tatsache ist die Zelle der Seßhaftigkeit, womöglich die Ursprungszelle. Und währende Bräuche, sesshaft oder nomadisch, aus Zeit bestehen, sind Träume zeitlos. Traum ist reiner Raum, Anordnung des Spezies in der Ewigkeit. Es ist die Exklusivität, die aus der Architektur Kunst werden lässt. Von diesen Punkt an tritt das Umgebaute, diese zeitlose geistige Materie, aus dem Feld der Möglichkeiten heraus, hört auf, das persönliche Scheitern eines Architekten zu sein, dem man diese oder jenes risikoreiche Gebäude nicht finanziert hat, und wird absolut. Sogar die Versuchung von Gebautem und Ungebautem wird absolut. Das Bauwerk, auf dessen Zinnen Patris schlief, war durch seinen unfertigen Zustand und durch alles, was die Innenaustatter in ihm noch zu tun gedachten, reales Modell dieser Vermischung; es war nur ein Schritt vom Absolutem entfernt, es fehlten nur noch, dass Ziegel, Zement und Metaller in einer fließenden Operation die Atome aus der Zeit hinausschleudern. Von träumte die junge Frau. (César Aira, Die Gespenster, S.71 – S.76 List Taschenbuch, Berlin 2012)

 

* 08.03.2019

Biennale Lecture, Schauspielhaus Wien

Amelia Jones „Risk Taking Aesthetics: Feminist Attacks on Art World Structures of Inequity“; Esther Hutfless & Elisabeth Schäfer „Taking the risk of a risk. Feminist Critique and Transformations“; Inna Shevchenko – FEMEN „Women‘s body: historical battlefield“

Moderation: Felicitas Thun-Hohenstein, Andreas Spiegl

Künstlerische Intervention: Jakob Lena Knebl

* 27.02.2019

* 24.02.2019

What is a poetic act?

Act up? Up words. Words to come and go. Fold. Knitter. Scrap. Scrapel.

Which language I am writing?

Poetic po. Poetic easiness. Lightness like like like light. Shining.

Darkness and light. To do something with no sense. Nonsense.

Caring about place and time.

Space and togetherness. Coexistence.

But play. Poetic. To create but not for use. But game. Gamification.

English languaging long witching. Which witch is coming here. Entered the room. Don’t be too loud. Be noisy. Like wishes. Like wondering. Likeness. Poetic. Likeness la la like on.

On and of. One, two, three. Rhythm of no return. Rhytms of yesterday and tomorrow.

Coming together. Interfering. Atmosphere. What is Atmo?

What is a poetic act? Something which makes the surrounding appear.

 

* 22.02.2019

 

Cy Twobly, States of the Mind: Malerei, Skulptur, Photographie, Zeichnungen Katalog Mumok Wien.

 

 

*12.02.2019

Das Wiederfinden. Geheimnisse. Das Lausmensch. (SH)

 

*10.02.2019

Worüber ich gerne schreiben würde

Der Nachtportier. Film von Liliana Cavanis, mit Charlotte Rampling und Dirk Bogart. 1973

 

* 31.Jänner 2019

 

* 31.Jänner 2019

 

Die Sprache ist mir seit jeher ein Rätsel. Schon in meiner Kindheit. In meiner Herkunft und dieser Familie, in der Sprache in mitten der leidenschaftlichen Streitereien der Verträglichkeit gedient hat, nicht dem Vertrag. Mehr der Beschwichtigung als der Verbindlichkeit. Das was ist, was sein kann und wird, hat sich über das Handeln gezeigt.

Ich bin mit der Schrift als Gesetz noch niemals näher in Berührung gekommen, was eigentlich heisst, ich hatte noch nie größere mit dem Gesetz Schwierigkeiten, denn all meine Bürgerinnenrechte laufen über Schriftdokumente. Schrift war mir immer mehr eine geheimnisvolle Spur von etwas das abwesend ist. Buchstaben sind Stäbe um die Welt zum Klingen zu bringen. Sind Zauberstäbe, welche die Welt verwandeln.

Die Schrift entsteht aus der Erde, aus Material. Sie wird geworfen und getragen vom Wind, die tritt in Erscheinung durch das Licht. Aber auch in der Dunkelheit existiert die Schrift für uns nicht sichtbar, sondern fühlbar. Lose Fragmente noch nicht geformt und doch informiert durch iher materielle Substanz und dem Austausch mit der Umgebung.

 

Schrift als Spur I

 

Schrift als Spur II

 

 

* 30.Jänner 2019

Nachdenken über die Arbeit.

Nachdenken über die Kunst

 

Aus: Grosseltern der Inventionskunst oder Intervention in die Form. Rewriting Walter Benjamin’s „Der Autor als Produzent“ von Gerald Raunig.

… Wie steht’s aber umgekehrt mit der positiven Aufladung des Politischen in der Kunst, mit den Erfolgen einer politisierten Kunst, mit effektiven Praxen der Intervention? Walter Benjamins Pariser Auftritt in der Höhle des Löwens, an einem volksfrontnahen Institut, in dem ästhetische Qualität dem Inhalt streng untergeordnet war, ist – paradoxerweise: so scheint es – ganz gegen die krude Utilitarisierung der Kunst, gegen reine Tendenzkunst gerichtet. Und gegen jede inhaltistische Instrumentalisierung der Kunst für die „richtige Politik“ jenseits von Überlegungen über Technik, Qualität und Form. Die Tendenz, der Inhalt kann nur stimmen, wenn auch die Form stimmig ist. Die inhaltlich richtige Tendenz muß eine formale Tendenz einschließen.

Diesem dialektischen Muster Benjamins folgend meine ich, daß gerade für produktive Spielarten von mikropolitischem Reformismus dem großen inhaltlichen Entwurf, der ins Vage geht und die Subjekte, sowohl die KünstlerInnen als auch ihre „Objekte“ in den Communities, in den Vordergrund stellt, diesem großen Entwurf also die Intervention in die Form, die Veränderung der Strukturen vorzuziehen ist. Dazu ist im Sinne einer materialistischen Kritik vorab weniger zu fragen, wie ein Projekt zu den Produktionsverhältnissen steht, sondern wie es in ihnen steht. Was uns zu den von Benjamin beschriebenen Großeltern der Intervention bringt und dort vor allem zu einem, der in der Sowjetunion der späten 20er Jahre immer radikaler seine Kunstproduktion in konkrete mikropolitische Interventionen transformiert hat. …

 

… Der Seite der ProduzentInnen vollzieht sich eine neue Variante der Politisierung von Kunst durch die Erweiterung der künstlerischen Kompetenz der Entwicklung neuer Formen zur Entwicklung von mikropolitischen Organisations-Formen. Nicht in der zum Klischee verkommenen Widerständigkeit des autonomen Kunstwerks, aber auch nicht in der plumpen Tendenz des revolutionären Sujets, sondern in der Übersetzung der formalen Fähigkeiten der KünstlerInnen vom Kunstwerk auf die Organisationsformen der Gesellschaft liegt demnach die politische Bedeutung der Kunst. …

 

… Der Spezialfall des cultural worker, der „operierende Schriftsteller“ hat dabei die Aufgabe, produktive Ausgangsbedingungen herzustellen, Anstöße zu geben, Strukturen zu hinterfragen. „Tendenz“ erwächst dabei nicht aus der subjektiven Proklamation eines Besserwissenden, sie wird in den Erfahrungen der sich durch die „Literarisierung aller Lebensverhältnisse“ verändernden Wirklichkeit selbst er-lebt. …

 

… Jeder Mensch kann und soll […] in jedes von ihm produzierte Ding jenes Maximum an Genauigkeit, klarer Kontur und Zweckmäßigkeit einbringen, das bis heute nur die sich in dieser Sache hingebenden Spezialisten besessen haben, die Formsucher, die Arbeiter der Kunst. […]

Die Freude der Verwandlung des Rohmaterials in eine bestimmte gesellschaftlich nützliche Form, verbunden mit dem Können und dem intensiven Suchen nach der zweckmäßigsten Form – das ist es, was die Losung ‚Kunst für alle‘ beinhalten sollte. Jeder soll ein Künstler sein, ein vollendeter Meister in der Sache, die er im gegebenen Moment tut.“

Besonders die letzten Punkte der Aufzählung von Tretjakovs Arbeitsfeldern in der Kolchose verweisen auf die Bedeutung der Medien Zeitung, Radio und Film für seine Konzeption einer Kunst für alle: Von der Liquidierung des Analphabetentums über die Wandzeitung bis zur Wandlung des einfachen Arbeiters in den Korrespondenten der Pravda, das war das Konzept, das Walter Benjamin wohl ein wenig voreilig schließen ließ, in der Sowjetunion komme die Arbeit selbst zu Wort. …

 

… In der Beschreibung des Tätigkeitsfelds Tretjakows als Großvater der Intervention zeigt sich jedenfalls deutlich, was für Benjamin und auch für mich die wichtigsten Kategorien einer nichtinhaltistisch verstandenen Interventionskunst sind:

Die Tätigkeit der InterventionistInnen liegt erstens eindeutig im Präproduktiven, also neben und vor allem vor dem Werkcharakter. Das bedingt ein weitgehendes Ausfallen der Ausstellbarkeit von Produkten, des Zirkulierens im Kunstmarkt, der Notwendigkeit von Vermittlung. Sie hat zweitens mit Eingriffen in die Form, in die Strukturen eines mikropolitischen Felds zu tun. Statt einer Arbeit an Produkten muß sie die Arbeit an den Mitteln der Produktion sein. Drittens ist über die mikropolitischen Effekte hinaus der Modellcharakter maßgeblich, der anderen ProduzentInnen einen verbesserten Apparat zur Verfügung stellen, sie zur Produktion anzuleiten vermag. ….

* 23.Jänner 2019

Obwohl Österreich einen Innenminister hat, der sich so äußert:

„Ich glaube immer noch, dass der Grundsatz gilt, dass das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht.“, verspüre ich zeitweise, wie sich eine prächtige Blüte der Melancholie tief in meinem Bauch entfaltet.  

 

* 22.Jänner 2019

beinah himmelblau (SH)

* 31. Dezember 2018

 

Sci-Fi Lullaby: from the performance. Photos: Franzi Kreis.

* 26. Dezember 2019

 

Sci-Fi Lullaby: from the rehearsal. Photos: Franzi Kreis.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

* 21. Dezember 2018

Sci-Fi Lullaby Invitation

(Letter to the visitors of the Sci-Fi Lullaby – First Tunes)

Dear visitor,

This morning at 9.30, another visitor was unexpectedly already here. A colleague, namely, who uses the room in the morning hours. I left my work or writing traces from the previous day just like that in the room. I did not know that someone else was using the room. Fortunately, my tracks were not disturbing. She had enough space for her body practice.

Suddenly she takes me by the hand. She leads me to the piece of paper that I placed on the floor by the entrance: EVERYTHING THAT IS MANIFESTED IN THIS SPACE OR MANIFEST IS WRITING. These words, she said, have touched her so special this morning. Suddenly she had the feeling that all things, the light and the sounds, could have messages for her. As if her heart suddenly … We both laugh. We recognize ourselves in a complicity.

Now, as I write this down, I remember how, as a teenager, I maintained a secret practice with 2CV cars, the so-called „ducks“. If I saw a green duck on my way through the city, that would bring me happiness in general. On the way to school this was often associated with good or bad grades. If I saw a „red duck“, that would bring me luck in love. Needless to say, I was an often unhappy and potentially always in love teenager.

 

The meeting with my colleague, filled me with joy. I was not sure if this message makes sense to other people. For me it is an attempt, how I invite visitors like you, as quickly as possible to another view, another perception.

For me, who examines a writing that emerges from a gesture, a movement, an arousal, this notion of writing, of things, connects with a vibration, a constant appearance and dissolution of meaning. This meaning, beyond the concrete meaning and usefulness, is essential. And anyone who deals with body, space and time with choreography and performance (which we also produce in everyday life) can know, what I mean. Because s/he experiences again and again, how a gesture too much or too little; a thing placed differently; determines a tension, indefinitely, and can fundamentally change an event. Even if logical explanations can justify one or the other. We humans make sense, faster than we often realize.

In addition to all the experiences that register, shape and shape our behavior, which in turn shapes the world (as we do in many ways today, in the Anthropocene, climate change and, not least, with turbo-capitalism as major factor for the situation in which we find ourselves), we also have our senses, which are active all the time and with whose help we orient and align ourselves at every moment.

With Sci-Fi Lullaby I want to reduce the visual input to activate the other senses and thus a different perception. I think we need a different perception to be able to think differently, to be ready for a future to come. These are the great thoughts that are the reason for this intimate gathering and that have fundamentally informed this first sketch. It is also an attempt to offer a playful moment of effortless freedom and to approach the promise of aesthetic experience which, with Jacques Rancière, is a game of abolishing the contrast between form and matter, between activity and passivity. And that adds: It is the abolition of the antagonism between a full humanity and a subhumanity. I want to fully agree with this abolition again and again. I am busy day and night, how these thoughts can manifest. I pursue curious, excited, often stunned their tracks, their disappearance and emergence. How they support and strengthen me and accompany my artistic practice.

When bodies write the space, they touch each other. The light touches the surface and we can see because our eyes are touched with light. A pressure changes the sound waves in the room and this pressure continues in our inner ear. Just as with temperature and our skin, or our taste. We hear, feel, see something that connects with our own experiences and thus speaks to us. Like reading these letters here.

So my question to you would be: which experiences, thoughts, conversations are evoked for you in this room, this time?

I look forward to these encounters and our exchange!

Cordially, Sabina

 

 

* 20.Dezember 2018

 

 

o.T. (Sci-Fi Lullaby, SH)

 

Übersetzung (SH)

 

not lost, but dreaming (Sci-Fi Lullaby, SH)

 

* 15. Dezember 2018

 

 

SCI-FI LULLABY: LASS UNS DAS BESTE VON DEM GEHEIMNIS, VON DEM WIR NICHT WISSEN, DASS WIR ES HABEN, IN DIE ZUKUNFT TRAGEN.

 

*

Oder aber, das ist klar, man muss das Lesen als das verstehen, was nicht zu entziffern ist: sondern das Berühren und Berührt-Werden, es mit den Massen des Körper zu tun zu haben. Schreiben, Lesen, eine Frage  des Tastens. Aber auch das muß klar sein – unter der Bedingung, dass sich das Tasten nicht konzentriert, nicht wie die Berührung bei Decartes – eine Unmittelbarkeit bansprucht, die alle Sinne und „den“ Sinn miteinander verschmelzen ließe. Auch die Berührung, vorallem die Berührung ist lokal, modal, fraktal.

(Jean Luc Nancy, corpus)

You are real (SH)

*

Sicherlich heisst Körper, dass man schreibt, doch keinesfalls das, wo man schreibt, und der Köper ist auch nicht, was man schreibt – sondern immer das was die Schrift entschreibt.

Es gibt Entschreibung nur durch Schreiben, doch das Entschriebene bleibt jener anderer Rand, den die Entschreibung hartnäckig  und unaufhörlich als ihren anders-eigenen Rand kennzeichnet, wobei sie stets auf einen Rand hinzeichnet. Ein Körper ist der anders-eigene Rand jenes Schreibens: Ein Körper (oder mehr als ein Körper, oder eine Masse, oder mehr als einen Masse) ist also der Umriss, das Nachziehen und die Spur (hier, seht, lest, nehmt, hoc est enim corpus neum…)Von jedem Schreiben ist ein Körper ein Buchstabe, und doch ist er nie Buchstabe, oder: er ist zurückgezogener, dekonstruierter als alle Literaliät, eine Buchstäblichkeit, die nicht mehr zu lesen ist. Was von einer Schrift, ureigens von ihm, nicht mehr zu lesen ist, das also ist ein Körper. (Jean Luc Nancy, corpus)

*

… Hélène Cixous‘ „blindem Schreiben“, einem Schreiben, dass jede zentrierte Perspektive aufgibt und so eine Textur entwickelt, deren utopisches Potential durchquere Verbindungen von Bedeutungen entsteht. Cixous’ begleitet mich mit ihrer bewegende Erforschung der „seltsamen Wissenschaft des Schreibens“. In Anlehnung an ihre 3 Stufen des Schreibens „School of the death“, „School of the dreams“, „School of the roots“ wende ich mich wieder und wieder dem Körper. Der Choreographie. Des Schreibens von Raum und Zeit. Des Körperschreibens. Text also als formiert und formierender Körper, der berührt wie er auch berührt werden kann. Die Schrift erhebt sich damit nicht über die Welt der Körper und macht sich nicht unberührbar von der Welt der Körper, es ist unserem Verständnis nach zutiefst eingelassen in die Bäuche, die Adern, die Zähne, die Haare, die Augenlider. …

* 14. Dezember 2018

 

… With the body, through it, the human subject is connected to its animality as well as the experience of exceeding it. The body proves to be the theater of thought. The dust of dead stars swirls and accumulates within it, the memory of dead material, the history of its genetic disposition. The living body, it would seem, before it sets about thinking or reflecting consciously, demonstrates itself to be the archive of humanity, as fathomless as it is fragmentary. It stretches far beyond the human—which remains one monstrous dimension—into ancient unconscious material. In it, the forgotten as well as the never-remembered aggregates. Instead of just being the museum and the ruin of a history of consciousness, it also exhibits the unconscious and never-conscious of this history. It exposes what the memory of the species has evaded. But it’s a piecemeal and encrypted exposition. With the question of the body, the subject addresses the question of its obscure past. We can call it fathomless because it stretches into the abyss of memory, which is the abyss of thought, a depth that remains bottomless. (Marcus Steinweg)

* 13.Dezember 2018

In diesem Herzklopfen. Herzzauberschuh. Der im Himmel hängt.

Mit Dir Blume werden.

Meine Rippen werden Flügel. Wie Vögel. Flügel. Wie Körbe. Flügel, wie Köpfe. Flügeltüren mein Herz. Da zieht es ein und aus und bringt in diesem kleinen Garten, die Maulwürfe zum Vorschein. Maulwürfe sind auch diese Worte. Sie kommen aus der Erde hervor. Nicht alles aus der Erde ist giftschlangiges Unwesen. All die häßlichen, vielbeinigen, vieläugigen, blinden Wesen. Sie orientieren sich in der Dunkelheit, sie sind kostbar. Sie wissen mit Gift umzugehen. Sie schmücken unsere Toten und lassen die Erde fruchtbar werden. Werden und Erden. Und umgekehrt. W ist Welle in der Form und im Wesen des Buchstabens, im Wesen der Form. Das gab es noch ein Wort, das scheint. Ahh! Worte scheinen sowieso. Worte, die dunkel sind haben erst einen Klang. Sie heißen Musik. Sing. Sink. Ist in mir ein Lied? Sind mir ein Beben? Erdbaby.

Oh immer großes Zauberpoem hier heraus gekrixelt. Ich. Man glaubt es nicht. Wir das Volk aus Armen, Organen und Beinen sind aus Fasern, Zähnen und

Finding my way to love (Sci-Fi Luulaby, SH)

 

 

* 09. Dezember 2018

 

SciFi Lullaby Probe (SH)

 

Eine Inspiration dafür, Verdorbenes als Aufgabe und als Gelegenheit zu betrachten kann das I Ging das altchinesische Buch der Wandlungen sein, das aus vierundsechzig Bildern oder Hexagrammen besteht. Das achtzehnte davon, gu, bedeutet die Arbeit am Verdorbenen. Von da aus habe ich den Prozess „was wird versteckt – ignoriert – verdrängt?“ Entwickelt. Als Wärmewesen können wir, sofern wir das wirklich wollen, mit der Hitze des Engagement Elend überwinden, Drück in Gold verwandeln. Ja, wir sind Verwandelt, in einem Feld des Wandels, dass sich vom Physischen Feld in eine innere Welt des Psyche erstreckt, vom unsichtbaren Feld der Haltungen und Vorurteile zum Feld der Entscheidungen und des Handelns: Im Prinzip ist niemand außerhalb dieses Feldes.

Das ist ein zentraler Ansatz auf dem Feld der sozialen Plastik, wie ich es interpretiert und entwickelt habe. Auf einer inneren Ebene geht es darum, Fragen, Unsicherheiten ja sogar Zweifel zu generieren. Zweifel ist nichts Schlechtes, wenn man damit arbeitet. Was beide – Fragen und Schwierigkeiten – tun, ist, die Seele zum Sprechen zu aktivieren. So „Belüften sie die Seele und ermöglichen, dass Samen der Einsicht wachsen.

(Shelley Sacks & Hildegard Kurt, Die rote Blume.)

 

 

* 7. Dezember 2018


It’s alright. (SH)

* 6. Dezember, 2018

Wie wohl unsichtbar, formen Gedanken, Denksysteme und die Art wie wir sehen unser Leben, von den immateriellen Haltungen und Entscheidungen bis hin zu den unzähligen festeren Formen, die wir fortwährend hervor bringen: Gebäude, Transportsysteme, Ausbildungsformen, Muster des Energieverbrauchs, Wirtschaft und Staatsformen.

Wir können diese verdichteten Formen auf vielerlei Weisen auflösen und umgestalten – etwas in dem wir neue Formen planen und entwickeln, Massen widerstand ausüben oder Betonwände niederreißen. Aber vieles davon wird auch im immateriellen Feld getan. Wir überdenken, was ist, stellen us vor wie es anders sein könnte. Doch wenn wir wie Einstein sagte, die Probleme mit demselben Denken lösen wollen, das sie verursacht hat, reproduzieren wir das bestehende. Daher ist es nötig, in dieses immaterielle Feld wie in einem Arbeitsraum hinein zu gehen, um so der Struktur unseres Denkens zu begegnen, zu sehen was wir sehen, unsere Annahmen und Formen von Logik überdenken. Wie wenn Entscheidungsträger, bevor sie Dekrete erlassen, einen solchen Prozess durchliefen – ihre Annahmen über die Welt, ihre Wahrnehmungen und Gefühle in den Blick nehmen und über die Linsen. Nachdächten, durch die sie schauen? Wie anders fielen dann wohl ihre Entscheidungen aus, und wie anderes würden sie mit diesen Fragen arbeiten. (Shelley Sacks & Hildegard Kurt, Die rote Blume)

 

* 2.Dezember, 2018

SCI-FI LULLABY: LASS UNS EIN GEHEIMNIS, VON DEM WIR NICHT WISSEN, DASS WIR ES HABEN, IN DIE ZUKUNFT TRAGEN.

 

Foto: Sabina Holzer, Strasshof an der Nordbahn

Foto: Sabina Holzer, Strasshof an der Nordbahn

Schreib ein Gedicht zu den Geheimnissen, von denen Du nicht weisst, dass Du sie für Deine Vorfahren hütest.

Tu es mit Deinem Körper an einen bestimmt Ort im Raum.

Tu es mit Deiner Stimme zu einer Person oder einem Gegenstand im Raum.

Tu es mit Stift und Papier und plaziere es im Raum.

* 28.November, 2018

In die Landschaft tauchen:

  • Ausrichten mit Deinem Zentrum und Deiner Vorderseite um einen guten Kontakt zu ermöglichen.
  • Drehe Dich selbst in der Vorstellung, so daß alle Seiten von Dir in Berührung kommen.
  • Spüre, wie alle Deine Poren der Haut mit dem Raum, den Dingen, dem Sichtbaren und Unsichtbaren in Berührung kommen.
  • Lass diese Berührung in Deine Wirbelsäule sinken.
  • Spüre Deine Füße auf dem Boden. Spüre wie sie durch die Oberfläche auf der sie stehen oder ruhen und in die Tiefe des Bodens sinken, Kontakt aufnehmen.
  • Wenn das Telefon läutet, überlege, ob es wichtig ist. Wichtig bedeutet zum Beispiel, ob es die NAchricht sein könnte, dass jemand gestorben ist oder beinahe. Wenn eine solche Nachricht ins Haus steht, hebe ab. Freu Dich, wenn niemand gestorben ist. 

Foto: Sabina Holzer. Gerlitzen, Nov. 2018

* 26.November, 2018

Ich bin durch den Wald gegegangen. Erst Straßen, dann Häuser. Naße Straßen. Kraße Straßen. Aber. Möglich in den Wald abzuzweigen. Den Zeigen zu folgen. Oder besser den Vöglen. Ihrem SIngen. Ihrem eigenartigen Knurren und Rufen. Gelbe Zirben zirpen mir vom Boden zu. Alles glänzt und ist feucht vom Regen. Dunst. Nebeldunst. Nebelkunst. Kunstdunst.

Foto: Sabina Holzer. Gerlitzen, Nov. 2018

* 25. November, 2018

Traum von 31.10.: Ich bin in einem Haus. Ich gehören nicht ganz dazu, bin aber doch willkommen. A. ist auch dort. Sie sagt: „Ich bin voll auf spazierengehen drauf.“ Ich sage: „Sie ist voll drauf.“ Wir kichern die ganze Zeit rum. Ich habe einen Stift und soll schreiben. Nur kurz und flüchtig, aber doch wichtig. Vielleicht werde ich dann dazugehören. Mein Vater. Ich habe einen Stift aus schwarzen Glas. Das obere Ende ist abgeschrägt. Ich drehe den Stift und schaue ihn mir genau an. Oben an der Schräge hat der Stift ein Loch. Licht schient hindurch. Das ist meine Metapher für den Tod, spüre ich. Für meinen Vater. Wie soll ich das beschreiben? Wie soll ich das beschreiben? Ich nehme das, was da ist – meinen Stift. Dieses Loch, diese Öffnung. Ist es ein Loch oder ein Übergang? Die Ränder sind mit Licht durchdrungen.

* 24.November, 2018

in dieser liebe zur sprache sie rettet hat mich wieder und wieder gerettet und diese liebe zur sprache die schon war bevor sie mich gerettet hat weil sie wundervoll ist diese sprache so ein zauberstab und licht und dunkelheit zugleich und so weiter in dieser liebe zur spache diesem halbschlaf diesen traum zwischen wirren wörtern diese körper diese schrift diese spur des denkens des bewegens auf dem weg sich zu formen dieses flüstern und kratzen diese erfahrung des schwungs im schreiben deswegen ist die schrift die spur einer intimen erfahrung die spur des tanzenden körpers (aus den Notizen kopiert) 

 

* 18.November, 2018

Schreiben ist Selbstenteignung und Selbstentleerung. Das Subjekt gibt seiner Leere Raum. Es gibt ein Subjekt nach dem Tod des Subjekts, es hat es immer gegeben. (Marcus Steinweg zu Margarete Duras) 

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