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* 17.03.2019


Es war ein stiller Traum, ohne beunruhigende Prophezeiungen und ohne Erfindungen, in etwas so wie eine Bestandsaufnahme. Irgendwie gibt es zwischen Traum und Wirklichkeit einen Unterschied, der umso augenfälliger ist, desto weniger das eine im Kontrast zum anderen steht. In diesem Falles spiegelte sich der Unterschied in der Architektur wider, die ja schon an und für sich Wiederspiegelung ist zwischen dem, was gebaut ist, und dem, was gebaut wird. Und die Brücke der Spiegelungen war ein Drittes, das in der Materie praktisch alles ist: das Ungebaute.
Das Ungebaute ist charakteristisch für die Künste, die in ihrer Realisierung die bezahlte Arbeit einer großer Anzahl von Menschen benötigen, den Kauf der Materialien, die Benutzung teurer Werkzeug usw. Der typische Fall ist das Kino: Jeder kann sich einen Film ausdenken, aber das Wissen um die Hindernisse, die sich vor seiner Realisierung auftürmen, sorgen dafür, dass neunundneunzig von hundert Filmen nicht gedreht werden. So dass man sich fragen kann, ob nicht diese riesigen Hemmnisse – die durch die Fortschritte der Technologien keineswegs geringer geworden sind, eher das Gegenteil – einen wesentlichen Teil des Zaubers des Kinos ausmachen, ist es doch paradoxerweise wenigsten als Tagträumer für jedermann erreichbar. Mit den übrigen Künsten verhält es sich mehr oder weniger genauso. Doch wäre auch eine Kunst denkbar, bei der sich die Beschränkungen durch die Wirklichkeit auf ein Mindestmaß reduzieren, bei der Getanes und Ungetanes miteinander verschmelzen, eine im Augenblick Wirklich werdenden Kunst, ohne Gespenster. Vielleicht gibt es sie ja und es ist die Literatur.

In diesem Sinne beruhen ihrerseits alle Künste auf einer in ihrer Geschichte und ihren Mythos eingewobene literarische Grundlage. Die Architektur macht da keine Ausnahme. In den fortgeschrittenen oder zumindest alteingesessene Zivilisationen bedarf der Haubau des Zusammenspiels verschiedener Gewerke: Maurer, Zimmerleute, Maler usw. In den nomadischen Kulturen hingegen wird die Behausung von einer einzelnen Person gebaut, fast immer der Frau. In diesen Fällen ergibt sich das Soziale, die unvermeidliche symbolische Dimension, aus der Stellung der Behausungen auf dem Lagerplatz. Bei der Literatur wiederum ist es ganz ähnlich. Es gibt Werke, bei denen der Autor in einer symbolischen Zusammenziehung auf die reale oder virtuelle Mitarbeit aller Spezialisten seiner Kultur zurückgreift, und es gibt Werke, die von einem allein (der bei diesem Anlass Frau wird) ohne fremde Hilfe erschaffenen werden und bei denen das Gesellschaftliche durch die Stellung innerhalb der eigenen und fremden Bücher, durch das periodische Erscheinen und so weiter seinen Ausdruck findet.

In Patris Traum ging die Architekturanalogie noch ein Stück weiter. In Afrika gibt es eine drollige Ethnie von Zwergmenschen, die Mbutu-Pygmäen, die kein Oberhaupt keine Hierarchie kennen. Jeder macht seins, und alle tun, ohne des Drama, was für alle getan werden muss. Sie leben in nicht eben großen Gruppen, um die zwanzig, dreißig Familien. Wenn sie sich entschließen, ihren Lageplatz aufzuschlagen, dann tun sie das auf einer Lichtung, in ringförmiger Anordnung, wie sie, den Anthropologen zufolge, typisch für egalitäre Gemeinwesen ist. Die Hütten bilden einen Kreis mit einer leeren Mitte. Manchmal träumen auch Anthropologen. Denn wie kann man diesen Kreis überhaupt sehen außer vom Flugzeug aus? Überflüssig zu erwähnen, dass die Mbutu-Pygmäen nicht fliegen; wenn sie hätten fliegen müssen, wären sie mit Flügel geboren. Andererseits ist es fraglich, ob die Mitte leer ist, wie dich in ihr der Raum ist, der sie erst zur Mitte macht. „Wer von der Mitte spricht, wird von allen gehört“, sagen die Anthropologen, mit unfreiwillig komischen Bezug auf die Traum-Bauchredernerei. Die Mbutu-Hütten sind Isotopenschalen, bei denen sich an jedem Punkt ein Loch auftun kann; das Einzige, was die Mbutu auftun, ist die Tür, sie öffnen sie in Richtung der Nachbarn, mit denen sie sich am besten verstehen. Aus diesem oder jenem Grund verträgt sich die Dame nicht mit der Frau Nachbarin? Kein Problem, sie machen die Tür dicht und eine andere auf, mit Blick auf die Nachbarin auf der anderen Seite. Die Forscher, die diesen Zusammenhang erkannt haben, sind nicht bis zur letzen Konsequenz dieses Systems vorgedrungen: dass nämlich der wirklich kollektive Mbutu in einem Haus wohnen würde, das ganz Tür ist, also ohne Haus, und dass umgekehrt das fertige, vollständige Bauwerk auf Feindschaft gründet.

Gegenbeispiel sind die Buschmänner. Auch sie sind Nomaden, und auch ihr Lagerplatz ist ringförmig, Nur dass in der Mitte ihres Rings etwas steht. Sie gruppieren ihre Hütten um einen Baum und unter dem Baum baut der Häuptling sein Häuschen. In der Tür seines Häusschens entzündet der Häuptling ein Feuer. Was bei den Mbutu fehlte, war nicht die Mitte, sondern ihr Symbol. Vom Fehlen des Symbols bis zu seinem Dasein bedarf es einer symbolischen Akkumulation: Baum, Häuptling, Feuer… Warum nicht eine Rose, eine ausgestopfte Giraffe, ein Bootswrack, ein zufällig auf dem Ohrläppchen eines Nazis sitzendes Moskito, ein Platzregen und eine Replik der Nike von Samothrake?
Diese kleinen Schwarzen sind amüsant, aber bei den todernsten Zulus, die Jäger und Krieger sind, ist es nicht anders. Wer das zweifelhafte Vergnügen hatte mit ihnen zusammenzustoßen (wie beispielsweise der Sohn von Kaiser Napoleon III und Eugenio des Montijo), kannn bestätigen, dass in ihrer Schlachtordnung die Männer im Halbkreis stehen, konkav zum Feind, den sie, bevor sie ihn vernichten, „einwickeln“. Die Methode ist der Art nachgebildet, wie die Zulus jagen. Und so ordnen sie auch die Hütten auf ihren Lagerplätzen an, in einem konkaven Halbkreis. Zwischen den beiden ersten Ebenen, von der Jagd zum Krieg, gibt es einen Übergang von der realen zur symbolischen Ebene, ohne das das Praktische bei ihnen verloren geht. Nicht etwas, dass eine Ebene der anderen nachfolgt, sie könnten auch zeitgleich existieren; ein Zulu könnte sogar auf die Idee kommen, ein wohlgenährtes Zebra nach dem System zu jagen, das sich als Herrschaftsprinzip bewährt hat. Was den Lageplatz betrifft, das Architektonische, gebaut oder nicht (denn man darf dabei auch nicht nur an die Hütten denken, sondern muss auch die Interpretationen und Absichten miteinbeziehen), so stellt er eine Rückkehr des Symbolischen zum Realien dar, weil das Leben real ist und die Zulus, außer jagen und Kriege führen, auch leben müssen, wobei man annimmt, dass sie dies unfreiwillig tun, ohne es sich vorzunehmen, so, wie man träumt. Die Leere in der Mitte ihrer Dörfer erzeugt einen blutigen Sog, Eleganz pur.

Der sich Analogien verschließende architektonische Schlüssel der Alternative gebaut/umgebaut ist die Flucht der Zeit in Richtung Raum. Diese Flucht ist der Traum. (Weshalb Patris Traum nicht aus einer Laune heraus Architektur war.) Außer in Fabeln schläft man in einem Haus. Selbst wenn das Haus noch umgebaut ist. Diese Tatsache ist die Zelle der Seßhaftigkeit, womöglich die Ursprungszelle. Und währende Bräuche, sesshaft oder nomadisch, aus Zeit bestehen, sind Träume zeitlos. Traum ist reiner Raum, Anordnung des Spezies in der Ewigkeit. Es ist die Exklusivität, die aus der Architektur Kunst werden lässt. Von diesen Punkt an tritt das Umgebaute, diese zeitlose geistige Materie, aus dem Feld der Möglichkeiten heraus, hört auf, das persönliche Scheitern eines Architekten zu sein, dem man diese oder jenes risikoreiche Gebäude nicht finanziert hat, und wird absolut. Sogar die Versuchung von Gebautem und Ungebautem wird absolut. Das Bauwerk, auf dessen Zinnen Patris schlief, war durch seinen unfertigen Zustand und durch alles, was die Innenaustatter in ihm noch zu tun gedachten, reales Modell dieser Vermischung; es war nur ein Schritt vom Absolutem entfernt, es fehlten nur noch, dass Ziegel, Zement und Metaller in einer fließenden Operation die Atome aus der Zeit hinausschleudern. Von träumte die junge Frau. (César Aira, Die Gespenster, S.71 – S.76 List Taschenbuch, Berlin 2012. )

 

* 08.03.2019

Biennale Lecture, Schauspielhaus Wien
Amelia Jones „Risk Taking Aesthetics: Feminist Attacks on Art World Structures of Inequity“; Esther Hutfless & Elisabeth Schäfer „Taking the risk of a risk. Feminist Critique and Transformations“; Inna Shevchenko – FEMEN „Women‘s body: historical battlefield“

Moderation: Felicitas Thun-Hohenstein, Andreas Spiegl
Künstlerische Intervention: Jakob Lena Knebl

* 27.02.2019

* 24.02.2019

What is a poetic act?

Act up? Up words. Words to come and go. Fold. Knitter. Scrap. Scrapel.
Which language I am writing?
Poetic po. Poetic easiness. Lightness like like like light. Shining.
Darkness and light. To do something with no sense. Nonsense.
Caring about place and time.
Space and togetherness. Coexistence.
But play. Poetic. To create but not for use. But game. Gamification.
English languaging long witching. Which witch is coming here. Entered the room. Don’t be too loud. Be noisy. Like wishes. Like wondering. Likeness. Poetic. Likeness la la like on.
On and of. One, two, three. Rhythm of no return. Rhytms of yesterday and tomorrow.
Coming together. Interfering. Atmosphere. What is Atmo?
What is a poetic act? Something which makes the surrounding appear.

 

* 22.02.2019

 


Cy Twobly, States of the Mind: Malerei, Skulptur, Photographie,
Zeichnungen Katalog Mumok Wien.

 

*12.02.2019


Das Wiederfinden. Geheimnisse. Das Lausmensch. (SH)

 

*10.02.2019
Worüber ich gerne schreiben würde

Der Nachtportier. Film von Liliana Cavanis, mit Charlotte Rampling und Dirk Bogart. 1973

 

* 31.Jänner 2019

 

* 31.Jänner 2019


Die Sprache ist mir seit jeher ein Rätsel. Schon in meiner Kindheit. In meiner Herkunft und dieser Familie, in der Sprache in mitten der leidenschaftlichen Streitereien der Verträglichkeit gedient hat, nicht dem Vertrag. Mehr der Beschwichtigung als der Verbindlichkeit. Das was ist, was sein kann und wird, hat sich über das Handeln gezeigt.

Ich bin mit der Schrift als Gesetz noch niemals näher in Berührung gekommen, was eigentlich heisst, ich hatte noch nie größere mit dem Gesetz Schwierigkeiten, denn all meine Bürgerinnenrechte laufen über Schriftdokumente. Schrift war mir immer mehr eine geheimnisvolle Spur von etwas das abwesend ist. Buchstaben sind Stäbe um die Welt zum Klingen zu bringen. Sind Zauberstäbe, welche die Welt verwandeln.
Die Schrift entsteht aus der Erde, aus Material. Sie wird geworfen und getragen vom Wind, die tritt in Erscheinung durch das Licht. Aber auch in der Dunkelheit existiert die Schrift für uns nicht sichtbar, sondern fühlbar. Lose Fragmente noch nicht geformt und doch informiert durch iher materielle Substanz und dem Austausch mit der Umgebung.

 


Schrift als Spur I


Schrift als Spur II

 

 

* 30.Jänner 2019
Nachdenken über die Arbeit.
Nachdenken über die Kunst


Aus: Grosseltern der Inventionskunst oder Intervention in die Form. Rewriting Walter Benjamin’s „Der Autor als Produzent“ von
Gerald Raunig.

… Wie steht’s aber umgekehrt mit der positiven Aufladung des Politischen in der Kunst, mit den Erfolgen einer politisierten Kunst, mit effektiven Praxen der Intervention? Walter Benjamins Pariser Auftritt in der Höhle des Löwens, an einem volksfrontnahen Institut, in dem ästhetische Qualität dem Inhalt streng untergeordnet war, ist – paradoxerweise: so scheint es – ganz gegen die krude Utilitarisierung der Kunst, gegen reine Tendenzkunst gerichtet. Und gegen jede inhaltistische Instrumentalisierung der Kunst für die „richtige Politik“ jenseits von Überlegungen über Technik, Qualität und Form. Die Tendenz, der Inhalt kann nur stimmen, wenn auch die Form stimmig ist. Die inhaltlich richtige Tendenz muß eine formale Tendenz einschließen.
Diesem dialektischen Muster Benjamins folgend meine ich, daß gerade für produktive Spielarten von mikropolitischem Reformismus dem großen inhaltlichen Entwurf, der ins Vage geht und die Subjekte, sowohl die KünstlerInnen als auch ihre „Objekte“ in den Communities, in den Vordergrund stellt, diesem großen Entwurf also die Intervention in die Form, die Veränderung der Strukturen vorzuziehen ist. Dazu ist im Sinne einer materialistischen Kritik vorab weniger zu fragen, wie ein Projekt zu den Produktionsverhältnissen steht, sondern wie es in ihnen steht. Was uns zu den von Benjamin beschriebenen Großeltern der Intervention bringt und dort vor allem zu einem, der in der Sowjetunion der späten 20er Jahre immer radikaler seine Kunstproduktion in konkrete mikropolitische Interventionen transformiert hat. …

… Der Seite der ProduzentInnen vollzieht sich eine neue Variante der Politisierung von Kunst durch die Erweiterung der künstlerischen Kompetenz der Entwicklung neuer Formen zur Entwicklung von mikropolitischen Organisations-Formen. Nicht in der zum Klischee verkommenen Widerständigkeit des autonomen Kunstwerks, aber auch nicht in der plumpen Tendenz des revolutionären Sujets, sondern in der Übersetzung der formalen Fähigkeiten der KünstlerInnen vom Kunstwerk auf die Organisationsformen der Gesellschaft liegt demnach die politische Bedeutung der Kunst. …

… Der Spezialfall des cultural worker, der „operierende Schriftsteller“ hat dabei die Aufgabe, produktive Ausgangsbedingungen herzustellen, Anstöße zu geben, Strukturen zu hinterfragen. „Tendenz“ erwächst dabei nicht aus der subjektiven Proklamation eines Besserwissenden, sie wird in den Erfahrungen der sich durch die „Literarisierung aller Lebensverhältnisse“ verändernden Wirklichkeit selbst er-lebt. …

… Jeder Mensch kann und soll […] in jedes von ihm produzierte Ding jenes Maximum an Genauigkeit, klarer Kontur und Zweckmäßigkeit einbringen, das bis heute nur die sich in dieser Sache hingebenden Spezialisten besessen haben, die Formsucher, die Arbeiter der Kunst. […]
Die Freude der Verwandlung des Rohmaterials in eine bestimmte gesellschaftlich nützliche Form, verbunden mit dem Können und dem intensiven Suchen nach der zweckmäßigsten Form – das ist es, was die Losung ‚Kunst für alle‘ beinhalten sollte. Jeder soll ein Künstler sein, ein vollendeter Meister in der Sache, die er im gegebenen Moment tut.“
Besonders die letzten Punkte der Aufzählung von Tretjakovs Arbeitsfeldern in der Kolchose verweisen auf die Bedeutung der Medien Zeitung, Radio und Film für seine Konzeption einer Kunst für alle: Von der Liquidierung des Analphabetentums über die Wandzeitung bis zur Wandlung des einfachen Arbeiters in den Korrespondenten der Pravda, das war das Konzept, das Walter Benjamin wohl ein wenig voreilig schließen ließ, in der Sowjetunion komme die Arbeit selbst zu Wort. …

… In der Beschreibung des Tätigkeitsfelds Tretjakows als Großvater der Intervention zeigt sich jedenfalls deutlich, was für Benjamin und auch für mich die wichtigsten Kategorien einer nichtinhaltistisch verstandenen Interventionskunst sind:
Die Tätigkeit der InterventionistInnen liegt erstens eindeutig im Präproduktiven, also neben und vor allem vor dem Werkcharakter. Das bedingt ein weitgehendes Ausfallen der Ausstellbarkeit von Produkten, des Zirkulierens im Kunstmarkt, der Notwendigkeit von Vermittlung. Sie hat zweitens mit Eingriffen in die Form, in die Strukturen eines mikropolitischen Felds zu tun. Statt einer Arbeit an Produkten muß sie die Arbeit an den Mitteln der Produktion sein. Drittens ist über die mikropolitischen Effekte hinaus der Modellcharakter maßgeblich, der anderen ProduzentInnen einen verbesserten Apparat zur Verfügung stellen, sie zur Produktion anzuleiten vermag. ….

* 23.Jänner 2019

Obwohl Österreich einen Innenminister hat, der sich so äußert:
„Ich glaube immer noch, dass der Grundsatz gilt, dass das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht.“, verspüre ich zeitweise, wie sich eine prächtige Blüte der Melancholie tief in meinem Bauch entfaltet.  

 

* 22.Jänner 2019


beinah himmelblau (SH)

* 31. Dezember 2018

 

Sci-Fi Lullaby: from the performance. Photos: Franzi Kreis.



* 26. Dezember 2019

 

Sci-Fi Lullaby: from the rehearsal. Photos: Franzi Kreis.

 

 

 

 

 

 

 

 

* 21. Dezember 2018


Sci-Fi Lullaby Invitation

(Letter to the visitors of the Sci-Fi Lullaby – First Tunes)

Dear visitor,

This morning at 9.30, another visitor was unexpectedly already here. A colleague, namely, who uses the room in the morning hours. I left my work or writing traces from the previous day just like that in the room. I did not know that someone else was using the room. Fortunately, my tracks were not disturbing. She had enough space for her body practice.

Suddenly she takes me by the hand. She leads me to the piece of paper that I placed on the floor by the entrance: EVERYTHING THAT IS MANIFESTED IN THIS SPACE OR MANIFEST IS WRITING. These words, she said, have touched her so special this morning. Suddenly she had the feeling that all things, the light and the sounds, could have messages for her. As if her heart suddenly … We both laugh. We recognize ourselves in a complicity.

Now, as I write this down, I remember how, as a teenager, I maintained a secret practice with 2CV cars, the so-called „ducks“. If I saw a green duck on my way through the city, that would bring me happiness in general. On the way to school this was often associated with good or bad grades. If I saw a „red duck“, that would bring me luck in love. Needless to say, I was an often unhappy and potentially always in love teenager.


The meeting with my colleague, filled me with joy. I was not sure if this message makes sense to other people. For me it is an attempt, how I invite visitors like you, as quickly as possible to another view, another perception.

For me, who examines a writing that emerges from a gesture, a movement, an arousal, this notion of writing, of things, connects with a vibration, a constant appearance and dissolution of meaning. This meaning, beyond the concrete meaning and usefulness, is essential. And anyone who deals with body, space and time with choreography and performance (which we also produce in everyday life) can know, what I mean. Because s/he experiences again and again, how a gesture too much or too little; a thing placed differently; determines a tension, indefinitely, and can fundamentally change an event. Even if logical explanations can justify one or the other. We humans make sense, faster than we often realize.

In addition to all the experiences that register, shape and shape our behavior, which in turn shapes the world (as we do in many ways today, in the Anthropocene, climate change and, not least, with turbo-capitalism as major factor for the situation in which we find ourselves), we also have our senses, which are active all the time and with whose help we orient and align ourselves at every moment.

With Sci-Fi Lullaby I want to reduce the visual input to activate the other senses and thus a different perception. I think we need a different perception to be able to think differently, to be ready for a future to come. These are the great thoughts that are the reason for this intimate gathering and that have fundamentally informed this first sketch. It is also an attempt to offer a playful moment of effortless freedom and to approach the promise of aesthetic experience which, with Jacques Rancière, is a game of abolishing the contrast between form and matter, between activity and passivity. And that adds: It is the abolition of the antagonism between a full humanity and a subhumanity. I want to fully agree with this abolition again and again. I am busy day and night, how these thoughts can manifest. I pursue curious, excited, often stunned their tracks, their disappearance and emergence. How they support and strengthen me and accompany my artistic practice.

When bodies write the space, they touch each other. The light touches the surface and we can see because our eyes are touched with light. A pressure changes the sound waves in the room and this pressure continues in our inner ear. Just as with temperature and our skin, or our taste. We hear, feel, see something that connects with our own experiences and thus speaks to us. Like reading these letters here.

So my question to you would be: which experiences, thoughts, conversations are evoked for you in this room, this time?

I look forward to these encounters and our exchange!

Cordially, Sabina

 

* 20.Dezember 2018

 

o.T. (Sci-Fi Lullaby, SH)

Übersetzung (SH)

not lost, but dreaming (Sci-Fi Lullaby, SH)

 


* 15. Dezember 2018


SCI-FI LULLABY: LASS UNS DAS BESTE VON DEM GEHEIMNIS, VON DEM WIR NICHT WISSEN, DASS WIR ES HABEN, IN DIE ZUKUNFT TRAGEN.

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Oder aber, das ist klar, man muss das Lesen als das verstehen, was nicht zu entziffern ist: sondern das Berühren und Berührt-Werden, es mit den Massen des Körper zu tun zu haben. Schreiben, Lesen, eine Frage  des Tastens. Aber auch das muß klar sein – unter der Bedingung, dass sich das Tasten nicht konzentriert, nicht wie die Berührung bei Decartes – eine Unmittelbarkeit bansprucht, die alle Sinne und „den“ Sinn miteinander verschmelzen ließe. Auch die Berührung, vorallem die Berührung ist lokal, modal, fraktal.
(Jean Luc Nancy, corpus)


You are real (SH)

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Sicherlich heisst Körper, dass man schreibt, doch keinesfalls das, wo man schreibt, und der Köper ist auch nicht, was man schreibt – sondern immer das was die Schrift entschreibt.
Es gibt Entschreibung nur durch Schreiben, doch das Entschriebene bleibt jener anderer Rand, den die Entschreibung hartnäckig  und unaufhörlich als ihren anders-eigenen Rand kennzeichnet, wobei sie stets auf einen Rand hinzeichnet. Ein Körper ist der anders-eigene Rand jenes Schreibens: Ein Körper (oder mehr als ein Körper, oder eine Masse, oder mehr als einen Masse) ist also der Umriss, das Nachziehen und die Spur (hier, seht, lest, nehmt, hoc est enim corpus neum…)Von jedem Schreiben ist ein Körper ein Buchstabe, und doch ist er nie Buchstabe, oder: er ist zurückgezogener, dekonstruierter als alle Literaliät, eine Buchstäblichkeit, die nicht mehr zu lesen ist. Was von einer Schrift, ureigens von ihm, nicht mehr zu lesen ist, das also ist ein Körper. (Jean Luc Nancy, corpus)

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… Hélène Cixous‘ „blindem Schreiben“, einem Schreiben, dass jede zentrierte Perspektive aufgibt und so eine Textur entwickelt, deren utopisches Potential durchquere Verbindungen von Bedeutungen entsteht. Cixous’ begleitet mich mit ihrer bewegende Erforschung der „seltsamen Wissenschaft des Schreibens“. In Anlehnung an ihre 3 Stufen des Schreibens „School of the death“, „School of the dreams“, „School of the roots“ wende ich mich wieder und wieder dem Körper. Der Choreographie. Des Schreibens von Raum und Zeit. Des Körperschreibens. Text also als formiert und formierender Körper, der berührt wie er auch berührt werden kann. Die Schrift erhebt sich damit nicht über die Welt der Körper und macht sich nicht unberührbar von der Welt der Körper, es ist unserem Verständnis nach zutiefst eingelassen in die Bäuche, die Adern, die Zähne, die Haare, die Augenlider. …


* 14. Dezember 2018

… With the body, through it, the human subject is connected to its animality as well as the experience of exceeding it. The body proves to be the theater of thought. The dust of dead stars swirls and accumulates within it, the memory of dead material, the history of its genetic disposition. The living body, it would seem, before it sets about thinking or reflecting consciously, demonstrates itself to be the archive of humanity, as fathomless as it is fragmentary. It stretches far beyond the human—which remains one monstrous dimension—into ancient unconscious material. In it, the forgotten as well as the never-remembered aggregates. Instead of just being the museum and the ruin of a history of consciousness, it also exhibits the unconscious and never-conscious of this history. It exposes what the memory of the species has evaded. But it’s a piecemeal and encrypted exposition. With the question of the body, the subject addresses the question of its obscure past. We can call it fathomless because it stretches into the abyss of memory, which is the abyss of thought, a depth that remains bottomless. (Marcus Steinweg)

* 13.Dezember 2018

In diesem Herzklopfen. Herzzauberschuh. Der im Himmel hängt.

Mit Dir Blume werden.

Meine Rippen werden Flügel. Wie Vögel. Flügel. Wie Körbe. Flügel, wie Köpfe. Flügeltüren mein Herz. Da zieht es ein und aus und bringt in diesem kleinen Garten, die Maulwürfe zum Vorschein. Maulwürfe sind auch diese Worte. Sie kommen aus der Erde hervor. Nicht alles aus der Erde ist giftschlangiges Unwesen. All die häßlichen, vielbeinigen, vieläugigen, blinden Wesen. Sie orientieren sich in der Dunkelheit, sie sind kostbar. Sie wissen mit Gift umzugehen. Sie schmücken unsere Toten und lassen die Erde fruchtbar werden. Werden und Erden. Und umgekehrt. W ist Welle in der Form und im Wesen des Buchstabens, im Wesen der Form. Das gab es noch ein Wort, das scheint. Ahh! Worte scheinen sowieso. Worte, die dunkel sind haben erst einen Klang. Sie heißen Musik. Sing. Sink. Ist in mir ein Lied? Sind mir ein Beben? Erdbaby.
Oh immer großes Zauberpoem hier heraus gekrixelt. Ich. Man glaubt es nicht. Wir das Volk aus Armen, Organen und Beinen sind aus Fasern, Zähnen und

Finding my way to love (Sci-Fi Luulaby, SH)


* 09. Dezember 2018

 


SciFi Lullaby Probe (SH)

Eine Inspiration dafür, Verdorbenes als Aufgabe und als Gelegenheit zu betrachten kann das I Ging das altchinesische Buch der Wandlungen sein, das aus vierundsechzig Bildern oder Hexagrammen besteht. Das achtzehnte davon, gu, bedeutet die Arbeit am Verdorbenen. Von da aus habe ich den Prozess „was wird versteckt – ignoriert – verdrängt?“ Entwickelt. Als Wärmewesen können wir, sofern wir das wirklich wollen, mit der Hitze des Engagement Elend überwinden, Drück in Gold verwandeln. Ja, wir sind Verwandelt, in einem Feld des Wandels, dass sich vom Physischen Feld in eine innere Welt des Psyche erstreckt, vom unsichtbaren Feld der Haltungen und Vorurteile zum Feld der Entscheidungen und des Handelns: Im Prinzip ist niemand außerhalb dieses Feldes.

Das ist ein zentraler Ansatz auf dem Feld der sozialen Plastik, wie ich es interpretiert und entwickelt habe. Auf einer inneren Ebene geht es darum, Fragen, Unsicherheiten ja sogar Zweifel zu generieren. Zweifel ist nichts Schlechtes, wenn man damit arbeitet. Was beide – Fragen und Schwierigkeiten – tun, ist, die Seele zum Sprechen zu aktivieren. So „Belüften sie die Seele und ermöglichen, dass Samen der Einsicht wachsen.
(Shelley Sacks & Hildegard Kurt, Die rote Blume.)



* 7. Dezember 2018


It’s alright
. (SH)

* 6. Dezember, 2018

Wie wohl unsichtbar, formen Gedanken, Denksysteme und die Art wie wir sehen unser Leben, von den immateriellen Haltungen und Entscheidungen bis hin zu den unzähligen festeren Formen, die wir fortwährend hervor bringen: Gebäude, Transportsysteme, Ausbildungsformen, Muster des Energieverbrauchs, Wirtschaft und Staatsformen.

Wir können diese verdichteten Formen auf vielerlei Weisen auflösen und umgestalten – etwas in dem wir neue Formen planen und entwickeln, Massen widerstand ausüben oder Betonwände niederreißen. Aber vieles davon wird auch im immateriellen Feld getan. Wir überdenken, was ist, stellen us vor wie es anders sein könnte. Doch wenn wir wie Einstein sagte, die Probleme mit demselben Denken lösen wollen, das sie verursacht hat, reproduzieren wir das bestehende. Daher ist es nötig, in dieses immaterielle Feld wie in einem Arbeitsraum hinein zu gehen, um so der Struktur unseres Denkens zu begegnen, zu sehen was wir sehen, unsere Annahmen und Formen von Logik überdenken. Wie wenn Entscheidungsträger, bevor sie Dekrete erlassen, einen solchen Prozess durchliefen – ihre Annahmen über die Welt, ihre Wahrnehmungen und Gefühle in den Blick nehmen und über die Linsen. Nachdächten, durch die sie schauen? Wie anders fielen dann wohl ihre Entscheidungen aus, und wie anderes würden sie mit diesen Fragen arbeiten. (Shelley Sacks & Hildegard Kurt, Die rote Blume)

 

* 2.Dezember, 2018

SCI-FI LULLABY: LASS UNS EIN GEHEIMNIS, VON DEM WIR NICHT WISSEN, DASS WIR ES HABEN, IN DIE ZUKUNFT TRAGEN.


Foto: Sabina Holzer, Strasshof an der Nordbahn


Foto: Sabina Holzer, Strasshof an der Nordbahn

Schreib ein Gedicht zu den Geheimnissen, von denen Du nicht weisst, dass Du sie für Deine Vorfahren hütest.
Tu es mit Deinem Körper an einen bestimmt Ort im Raum.
Tu es mit Deiner Stimme zu einer Person oder einem Gegenstand im Raum.
Tu es mit Stift und Papier und plaziere es im Raum.

* 28.November, 2018

In die Landschaft tauchen:

  • Ausrichten mit Deinem Zentrum und Deiner Vorderseite um einen guten Kontakt zu ermöglichen.
  • Drehe Dich selbst in der Vorstellung, so daß alle Seiten von Dir in Berührung kommen.
  • Spüre, wie alle Deine Poren der Haut mit dem Raum, den Dingen, dem Sichtbaren und Unsichtbaren in Berührung kommen.
  • Lass diese Berührung in Deine Wirbelsäule sinken.
  • Spüre Deine Füße auf dem Boden. Spüre wie sie durch die Oberfläche auf der sie stehen oder ruhen und in die Tiefe des Bodens sinken, Kontakt aufnehmen.
  • Wenn das Telefon läutet, überlege, ob es wichtig ist. Wichtig bedeutet zum Beispiel, ob es die NAchricht sein könnte, dass jemand gestorben ist oder beinahe. Wenn eine solche Nachricht ins Haus steht, hebe ab. Freu Dich, wenn niemand gestorben ist. 

Foto: Sabina Holzer. Gerlitzen, Nov. 2018

* 26.November, 2018

Ich bin durch den Wald gegegangen. Erst Straßen, dann Häuser. Naße Straßen. Kraße Straßen. Aber. Möglich in den Wald abzuzweigen. Den Zeigen zu folgen. Oder besser den Vöglen. Ihrem SIngen. Ihrem eigenartigen Knurren und Rufen. Gelbe Zirben zirpen mir vom Boden zu. Alles glänzt und ist feucht vom Regen. Dunst. Nebeldunst. Nebelkunst. Kunstdunst.


Foto: Sabina Holzer. Gerlitzen, Nov. 2018

* 25. November, 2018


Traum von 31.10.: Ich bin in einem Haus. Ich gehören nicht ganz dazu, bin aber doch willkommen. A. ist auch dort. Sie sagt: „Ich bin voll auf spazierengehen drauf.“ Ich sage: „Sie ist voll drauf.“ Wir kichern die ganze Zeit rum. Ich habe einen Stift und soll schreiben. Nur kurz und flüchtig, aber doch wichtig. Vielleicht werde ich dann dazugehören. Mein Vater. Ich habe einen Stift aus schwarzen Glas. Das obere Ende ist abgeschrägt. Ich drehe den Stift und schaue ihn mir genau an. Oben an der Schräge hat der Stift ein Loch. Licht schient hindurch. Das ist meine Metapher für den Tod, spüre ich. Für meinen Vater. Wie soll ich das beschreiben? Wie soll ich das beschreiben? Ich nehme das, was da ist – meinen Stift. Dieses Loch, diese Öffnung. Ist es ein Loch oder ein Übergang? Die Ränder sind mit Licht durchdrungen.


* 24.November, 2018

in dieser liebe zur sprache sie rettet hat mich wieder und wieder gerettet und diese liebe zur sprache die schon war bevor sie mich gerettet hat weil sie wundervoll ist diese sprache so ein zauberstab und licht und dunkelheit zugleich und so weiter in dieser liebe zur spache diesem halbschlaf diesen traum zwischen wirren wörtern diese körper diese schrift diese spur des denkens des bewegens auf dem weg sich zu formen dieses flüstern und kratzen diese erfahrung des schwungs im schreiben deswegen ist die schrift die spur einer intimen erfahrung die spur des tanzenden körpers (aus den Notizen kopiert) 

 

* 18.November, 2018

Schreiben ist Selbstenteignung und Selbstentleerung. Das Subjekt gibt seiner Leere Raum. Es gibt ein Subjekt nach dem Tod des Subjekts, es hat es immer gegeben. (Marcus Steinweg zu Margarete Duras) 

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