Sabina Holzer '06
Katalog: Jack Hauser „Der Name. Die Hülle. Das Abenteuer."

7 + x = 11

eins
sie erinnert sich an das haus. an den nachmittag. den ersten. der kein ende nehmen würde. er wußte.
sie war etwas aufgeregt. sie wußte nicht, was sie erwarten würde. wie sollte sie auch. das herz schlägt mehrfach in der sommerlichen breite. sie öffnet die tür und steht gleich in der küche. sie ist nicht die erste.
sie ist zu besuch gekommen. sie kommt rein und sagt hallo. es ist angenehm, wie jederman zu reden. über dies und das. - zu sagen „die sonne geht auf", wo doch jeder weiß, das es nur eine redensart ist.
sie findet einen zettel in ihrer tasche auf dem steht: sei nicht traurig. tu was du willst.
sie mengt sich unter die leute. sie sitzen lachend auf dem sofa. sie stehen und lehnen an den türen und fensterbrettern. sie werfen blicke und spitzen die ohren. es gibt lieder. es werden worte getauscht. es öffnet sich die zigarettenschachtel und das herz.
sie empfindet etwas, das sie von manchen träumen kennt einen augenblick bevor sie, durch ein jehes erwachen, abbrechen. dieses bewußtsein in einem traum zu sein und das verlangen zu erfahren, was kommt. was sich hinter der nächsten tür verbirgt.

manchmal nur ein atem.

ziemlich bald ist klar, dass sie wieder kommen wird.

zwei
es klopft an der tür. ich öffne sie und es steht ein mensch vor mir, den ich noch nie in meinem leben gesehen habe. die welt hat sich verändert. [seit dem]
wer ist myriam van doren? woher kommt sie? wird sie kommen? werden wir sie finden?
in den geschichten der gäste. in den worten der bücher. in den linien der karten.
in der freundlichkeit des küchenchefs. der niemand anderer ist als: fantômas.

mich umgeben engel und geister. manchmal spüre ich sie sehr nahe. einer hat sich in den schatten gekehrt und begleitet mein leben. welche form hat der tod, außer das er der tod ist. der tod der tod. der tod besteht nicht. dein tod dein tod hat dich nicht geholt. er war immer bei dir. jetzt ist er an meiner seite.
„wie bitte?"
cobra übernehmen sie.
wir öffnen den mund. wir tanzen auf der zungenspitze.
der tod hat eine spur hinterlassen. blutstropfen. wie der schatten, den mein körper wirft. in dem licht dieser wohnung. ich kenne einen tod, nein sie kennt einen tod. er begleitet sie im licht dieser wohnung.

das wesen dieser bilder muß sehr besonderer art sein, denn wenn sie einfach körper oder substanz wären, wie könnten sie dann den raum einnehmen, der schon von einem anderen körper, zum beispiel einem spiegel eingenommen worden ist. wenn das ihr ort wäre, müßten sie, wenn der spiegel seinen ort wechselt, ebenfalls den platz wechseln.

drei
die nacht ist ihre freundin. „das ist ein totaler ausreißer. das ist gut. das gefällt mir. überhaupt nicht homogen. zuerst schwer und dann total fruchtig."
sie ist im rätsel. ein spiegel. die andere seite, das unbekannte, das immer nur einen selbst spiegelt. plötzlich ist der spiegel eine linie. das licht fällt nicht auf blindes glas. menschen erzählen geschichten.

nichts wird durch die erinnerung geschehen. alles ist auf und zwischen den linien geschehen. im und, das sie unwahrnehmbar macht. den einen und den anderen. eine fluchtlinie, die unaufhörlich gezogen wird. hin zu einer neuen akzeptanz, dem gegenteil eines verzichts oder resignation. --- einem neuem glück.

„man befindet sich immer zwischen den stühlen und empfindet sich als nicht richtig dazugehörend. plötzlich passiert etwas. man kann endlich leben."
„erzähle kind. wo hast du das gefunden."

augenblick!
es kam was kommt.

wenn der geist sich öffnet & das unendliche universum sich offenbart & die seele frei ist benommen und verwirrt zu wandern und hier & da lehrer & freunde zu suchen
oder:
wir können auf einen sonnigen boden freuden tun & geräusche oder bewegungen machen wie sie eben kommen uns auf den rücken rollen und vor freude schreien froh im schuldgefühl unserer tollheit.

it's a strange world. let`s keep it that way.

„auf wiedersehen."
„einen moment. ich möchte ihnen noch etwas erzählen."
„ja?"
„ können sie ein geheimnis bewahren?"
„ja"
„warum?"
„wie bitte?"
am tisch steht ein glas. sie muß die fliegen verscheuchen. der tisch klebt. die nacht, sehr warm, und kein fächer.

ein taxi fährt sie in ihrer wohnung.

vier
wer ist miryam van doren? das gibt es nur jetzt. das kommt so nie wieder.
alle guten dinge sind 4. sie hat ihr werkzeug mitgenommen. die untersuchung wird fortgesetzt. sie lächelt. es gibt keinen plan der alles vorher sehen könnte.
zu dritt sitzen sie am tisch. sie stehen auf und betrachten die karten.
wie wird es weitergehen?
andere werden den kopf erheben, andere werden abtrünnig werden. die zeit wird nicht aufhören, jenen die den kampf weiter fortführen, siege und niederlagen zu bereiten. mütter können sterben. eine geliebte verlangt nach ihrem liebsten.
pink panther. you do right. verletzte bilder werden unter dem silber sichtbar.
sie schneiden das meer rein. "gib mir feuer. bitte. schenk mir deine fragen."
sie kommen mit in den fern seh raum. sie retten die welt. zum beispiel.
er seine und sie ihre. immer wieder.
wie funktioniert film.

komm, sagt er.
das bedeutet eine andere art zu reisen und sich zu bewegen, von der mitte ausgehend, durch die mitte hindurch, eher gehen und kommen als aufbrechen und ankommen. ohne rose tun sie's nicht. das ist klar.
es könnte auch eine frage der kraft oder der liebe sein. das ist es auch.
manchmal unter verzweifelten umständen.
man betritt einen raum und nimmt etwas als bereits vorhanden wahr, als etwas, das gerade geschehen ist, selbst wenn es noch nicht vorbei ist. oder man weiss, dass das, was geschieht zum letzten mal geschieht. es ist schon vorbei. man hört ein „ich liebe dich" und weiss, es wird zum letzten mal gesagt. es war nicht das letzte mal.

sie wußten nichts. er muß los. er erkennt die nacht. er geht zu seiner geliebten. er verabschiedet sich. er drückt ihr warm den schlüssel in die hand. sie dreht das licht nicht auf. sie ist in in einer fremden wohnung. sie hört eine stimme. "ich bin, weil sie mich sucht. dieses prinzip der suche: ich hatte eine sehnsucht und ich wußte nicht wonach."

wer ist myriam van doren. blumen am tisch.

[das dämmerlicht im halbdunklen wohnzimmer in dem wir lebten & starben & lachten & weinten & der stolz unserer beziehung in jenem sommer fuß faßte]

to be continued

eines tages in paris und an einem anderen ort:
dans la nuit etoilee un avion
premiere confession
fragile foret floue -- je t'aime
regard comme je t'aime.